Andreas Lösch

Es war und ist ein Thema im Kreis Haßberge: die Mülltrennung. Was ist besser: Bringsystem (Verpackungsmüll vorsortieren und zum Wertstoffhof bringen) oder Holsystem (Gelber Sack, wird von der Müllabfuhr abgeholt)? Und vor allem: Was wollen die Bürger?
Die Junge Liste Haßberge will das wissen und wurde jüngst bei der Kreistagssitzung Ende März wieder in die Schranken gewiesen, reagierte darauf aber gelassen: Wir bleiben trotzdem dran, war die Botschaft des Kreisvorsitzenden Alexander Ambros aus Knetzgau, der sich während der Sitzung vom mehrheitlichen Gegenwind nicht aus der Ruhe bringen ließ. Bis es zu einer professionell durchgeführten Bürgerbefragung mit belastbaren Ergebnissen kommt (das ist das eigentliche Ziel der JL), bedienen sich die Nachwuchspolitiker der CSU auch der Umfragemöglichkeit im Sozialen Netzwerk Facebook. Dafür werden sie von "alten Hasen" im Kreistag Haßberge gern belächelt.
"Wir wissen, dass diese Umfragen nicht repräsentativ sind", sagt Florian Bieselt, der für die Junge Liste Knetzgau eine solche Befragung auf Facebook gestartet hat. "Das Wichtigste daran ist, dass wir überhaupt einmal die Bürgerinnen und Bürger befragen", erklärt der 25-Jährige dem Fränkischen Tag. Dabei gehe es darum, einen groben Überblick zu gewinnen über die Stimmungslage und auch, "um in Kontakt zu kommen", sagt der Knetzgauer.


Ganz unterschiedliche Meinungen

Es gebe ganz unterschiedliche Meinungen dazu, aber eine Tendenz glaubt die Junge Liste zu erkennen: Verteidigt werde das System von Leuten, die es schon jahrelang nutzen; Zugezogene oder junge Leute wunderten sich eher über das für sie umständliche Bringsystem. Die Umfragen der verschiedenen JL-Gruppen in mehreren Kommunen sind laut Bieselt "recht eindeutig ausgefallen": 80 zu 20 für einen Wechsel zum Holsystem.
Dass die JL nicht ganz alleine auf dem Feld steht, was eine Systemumstellung betrifft, ist ihnen bewusst. Auch die Fraktion der FDP/Freie Bürger im Gemeinderat Knetzgau zum Beispiel hat vor rund einem Jahr in einer Gemeinderatssitzung das Thema Holsystem auf die Tagesordnung gebracht. Und fand Zustimmung: "Die Mehrheit im Gemeinderat zeigte sich offen für ein Holsystem. Den politischen Appell müsse man laut Bürgermeister Paulus dadurch bekräftigen, dass man im Kreistag einen Antrag stellt", berichtete der Fränkische Tag damals.
FDP-Gemeinderat Bernhard Jilke, der auch Zweiter Bürgermeister ist, hatte dazu erklärt: "Wir wollen die Müllentsorgung im Landkreis optimieren und bürgerfreundlich gestalten. Was lange gut war, muss in Zukunft nicht mehr richtig sein." Wenn Nachteile für die Bürger entstünden, dann müsse ein Umdenken stattfinden, unterstrich er.