Mit einem "G'schmarri" tat einer der jungen Angeklagten den Vorwurf des Betrugs im Amtsgericht Forchheim vor Jugendrichter Philipp Förtsch ab. Der 20-jährige Forchheimer antwortete dem Richter, dass er einfach so heim gelaufen sei, denn sein Kumpel habe für ihn an dem Abend alles bezahlen sollen.
Mit zwei seiner Freunde und einem Mädchen, das er nur lose kannte, saß der junge Mann vor Gericht, denn die Gruppe Jugendlicher hatte sich - gemeinsam mit zwei weiteren jungen Frauen - im Dezember vergangenen Jahres nach einem Discobesuch in ein Taxi gesetzt und von Höchstadt nach Forchheim fahren lassen.
Dort waren sie ausgestiegen und hatten den Fahrpreis nicht bezahlt. Die einen gaben zu weggerannt zu sein, der andere war nach eigener Ansicht nur gelaufen. Aber sie könnten sich nicht mehr so genau erinnern, gaben die Angeschuldigten an.
Der junge Forchheimer, der sich zum Sprecher der Gruppe auserkoren hatte, gab an, dass er sich mit 15 Euro in der Tasche zum Feiern aufgemacht habe. "Bei uns ist das ein Geben und Nehmen", meinte der Angeklagte.
Sein Geld habe gerade mal für den Eintritt gereicht. Das Geld hatte aber gereicht, um derart viel Alkohol konsumieren zu können, dass die Gruppe sich in Höchstadt angetrunken in ein Taxi gesetzt hatte und nach Forchheim hatte fahren lassen. Das erste Mädchen - sie war als Zeugin geladen - hatte sich in Burk absetzen lassen und hatte dem Taxifahrer zehn Euro gegeben. Im Laufe der Verhandlung erzählten die jungen Frauen einmal, dass die zehn Euro das Fahrtgeld für zwei, dann wieder für drei der Frauen gewesen sein sollte.
Doch Richter Förtsch rechnete mit dem Taxifahrer, der ebenfalls als Zeuge geladen war, vor, dass zehn Euro für die Beförderung von drei Personen von Höchstadt nach Forchheim nicht reichen können.


Unterschiedliche Aussagen

Danach hatte der Taxifahrer die restliche Gruppe in der Nähe einer Postbank abgesetzt. Hier soll einer der Angeklagten behauptet haben, er wolle Geld von seinem Konto abholen, um den Fahrpreis bezahlen zu können.
Allerdings kamen auf Nachfrage von Richter Förtsch und Staatsanwältin Kerstin Haraf unterschiedliche Aussagen auf, wer das gewesen sein könnte. Als die jungen Leute ohne zu bezahlen davonliefen, verständigte der Taxifahrer die Polizei. Da die Adresse des ersten jungen Mädchens in Burk bekannt war, konnten die anderen Beteiligten ohne Probleme ermittelt werden.
Allerdings hatte sich einer der Angeklagten noch am gleichen Tag in der Taxizentrale gemeldet, entschuldigt und den Fahrpreis in Höhe von 35,60 Euro schließlich beglichen. Das Verfahren gegen ihn wurde deshalb eingestellt.
Richter Förtsch erklärte den jungen Leuten, dass jeder von ihnen einen Vertrag mit dem Taxifahrer geschlossen habe. Deshalb sei es egal, was sie untereinander besprochen hätten. Jeder hätte deshalb seinen Anteil zahlen müssen. Man könne sich nicht einfach in ein Taxi setzen und fahren lassen. Hätten sie erst am Ankunftsort gemerkt, dass sie kein Geld haben, hätten sie ihre Personalien und Kontaktdaten hinterlassen müssen.
Um den Jugendlichen eine Chance zu geben, verurteilte er einen zu einer Strafe von 500 Euro, die in monatlichen Raten an den Kinderschutzbund zu zahlen ist. Die beiden anderen Angeklagten müssen 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.