Bamberg — Bis zu 20 Kilometer durch Bamberg laufen, um Geld für Flüchtlinge zu sammeln? Noahs Begründung ist so klar und einfach, dass jeder dem Zehnjährigen zustimmen kann: "Das ist doch cool. Man ist an der frischen Luft. Ich spiele Fußball und mein Opa hat gesagt, tu etwas für die Fitness. Ich finde es gut, dass dadurch Leuten geholfen wird." Brigitte Neundorfer, Direktionsassistentin in der Zentrale des Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg, ergänzt in der Pressemitteilung: Am 3. Mai nimmt wieder ein Team Caritas am Weltkulturerbelauf teil. Im Vorfeld sucht man Sponsoren, die eine bestimmte Summe pro zu laufendem Kilometer oder eine Pauschale geben.
Dieses Geld kommt einem sozialen Zweck zugute. So wurde Kindererholung finanziert und heuer will man auch die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge unterstützen. Mehr als 80 Läufer haben sich schon angemeldet. Gelaufen wird in Kategorien von 800 Metern bis 21 Kilometern; die jüngsten Teilnehmer sind fünf Jahre alt, nach oben gibt es keine Grenze. Auch Sponsoren dürfen sich gerne noch melden. Vor zwei Jahren erlief man 6000 Euro "und der Erzbischof rundet großzügig auf", lobt Brigitte Neundorfer.
Mit der Aktion will das Team auf die aktuelle Herausforderung reagieren, dass immer mehr Kinder und Jugendliche alleine als Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Für diesen Personenkreis hat der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg bisher drei Wohngruppen geschaffen.

Rund-um-die Uhr-Betreuung

In Bamberg leben seit 1. Dezember zwölf Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren zusammen. Die jungen Männer aus Eritrea, Syrien, Indien und anderen Ländern werden rund um die Uhr von einem Team von sechs Menschen betreut, erzählt Erzieherin Kathrin Hantsch. Wichtigste Aufgabe sei das Erlernen der deutschen Sprache, damit sie im September die Chance haben, die Berufsschule zu besuchen. Also wird an der Volkshochschule Deutsch gebüffelt und am Nachmittag in der Gruppe Hausaufgaben erledigt. In der Freizeit bemühen sich die Betreuer, ihren Schützlingen die Umgebung näher zu bringen, was auch Geld kostet. "Schon zu zwölft ins Schwimmbad gehen, ist teuer. Neulich waren wir zum Schlittenfahren im Fichtelgebirge, wo einige zum ersten Mal im Leben Schnee sahen", erzählt Hantsch.
Die Jugendlichen bemühen sich aktiv um Integration, reden aber nicht gerne über die Vergangenheit, denken lieber über eine rosige Zukunft nach - wie Rahid. Der 17-Jährige kam aus seiner Heimat Bangladesh über Libyen und Italien nach Deutschland, lebt seit drei Monaten in Bamberg. Zurück möchte er nicht mehr. Lieber in Deutschland bleiben, Kfz-Mechaniker lernen und heiraten. Beim Weltkulturerbelauf können natürlich auch jugendliche Flüchtlinge mitmachen. Rahid läuft nicht nur beim monatlichen Testlauf des Teams Caritas mit, sondern jeden Tag sechs Kilometer. red