von unserem Mitarbeiter Werner Baier

Landkreis Bamberg — Mit 11,5 Millionen Euro entfallen 11,5 Prozent der laufenden Ausgaben des Landkreises Bamberg auf den Haushalt des Jugendamtes. Dessen Leiter Hans-Jürgen Tytyk erstattete kürzlich vor dem Jugendhilfeausschuss des Kreistages einen Zwischenbericht über die finanzielle Entwicklung im Jahr 2014. Demnach sieht es so aus, als ob der Haushaltsplan des Fachbereiches Jugend und Familie aufgrund interner Verrechnungen eingehalten werden kann.
Während sich die "sozialpädagogischen Familienhilfen" nach einem rapiden Anstieg im Vorjahr wieder auf dem früheren Niveau eingependelt hätten, zeichne sich eine Überschreitung beim Kostenansatz für die Pflegekinder ab. Tytyk kommentierte: "Besser eine Überschreitung im Bereich des Pflegekinderwesens als bei der Heimerziehung!"

Junge Flüchtlinge ohne Familie

Bei der Heimbetreuung für einheimische junge Menschen liege der Landkreis etwa auf Vorjahresniveau. Seit Oktober seien jedoch Ausgaben für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UmF) hinzugekommen, die bei der Haushaltsberatung nicht absehbar gewesen seien. Tytyk rechnet für dieses Jahr mit Mehrausgaben in Höhe von 100 000 Euro, die aber zum Großteil nach dem Asylbewerberleistungsgesetz vom Staat ersetzt werden. Für das Jahr 2015 erwartet der Jugendamtsleiter eine Steigerung der unbegleitet minderjährigen Flüchtlinge auf 50. Derzeit seien zehn Plätze in Hirschaid besetzt, zehn kämen ab dem Frühjahr dort hinzu. Ein anderer Träger habe angekündigt, kurzfristig weitere 27 Plätze für jugendliche Flüchtlinge zu schaffen. Dies berücksichtigt, will Tytyk für die Heimbetreuungen von einheimischen Jugendlichen und UmF rund zwei Millionen Euro in den Haushalt des nächsten Jahres einstellen.
Die Vormundschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge übernimmt der Sozialdienst Katholischer Frauen gegen einen pauschalen Defizitausgleich in Höhe von 90 Euro je Monat und betreutem Jugendlichen. Die dafür erforderliche Vereinbarung zwischen dem Landkreis und dem SKF akzeptierte der Jugendhilfeausschuss einstimmig. Die Regelung im Wege einer Vereinsvormundschaft ist für den Kreis "sehr vorteilhaft", weil er auf diese Weise kein eigenes Personal vorhalten muss und keinen zusätzlichen Raum benötigt. Außerdem verringern sich die Kosten aufgrund von Zahlungen des Familiengerichts. Einmütig billigte der Ausschuss die Gewährung von Zuschüssen für Jugendfreizeitmaßnahmen, die in diesem Jahr durchgeführt wurden: 2,90 Euro pro Tag und Teilnehmer schießt der Landkreis gemäß dem Verteilungsvorschlag des Kreisjugendringes zu.
Die Gemeinde Buttenheim erhält 965 Euro für den Bau eines Jugendzentrums. Für den Jugendraum Kalteneggolsfeld stellt der Landkreis 500 Euro in Aussicht, jedoch unter der Bedingung, dass das Projekt bis Ende 2016 abgeschlossen wird. Andernfalls will der Kreis sein Geld zurückfordern.
Zum 1. Januar 2015 werden die Richtlinien für das Pflegekinderwesen in einem Punkt geändert: Wie bereits bei den Heimkindern übernimmt der Landkreis von diesem Zeitpunkt an auch für Jugendliche, die bei Pflegeeltern untergebracht sind, 50 Prozent der Kosten des Führerscheinerwerbs, maximal 1000 Euro. Dies gilt allerdings nur, wenn die Fahrerlaubnis Voraussetzung zum Besuch einer Schule oder Ausbildungsstätte und diese nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. An den Kosten eines Fahrzeugs beteiligt sich der Landkreis jedoch nicht.