von unseren Redaktionsmitgliedern 
Ramona Popp und Rainer Lutz

Lichtenfels/Rödental/Ebersdorf —
Für Herbert Krug steht fest: "Wir wollen versuchen, zu helfen, dass die Lichtenfelser nicht auf der Straße sitzen." Weil der Zimmerstutzenverein in Lichtenfels sein Vereinsheim zu verlieren droht, hat Krug mit seinen Rödentaler Schützen zum Benefizschießen aufgerufen. Und nicht nur von dort kommt solidarische Hilfe. Auch in Ebersdorf, wo Georg Klug die Schützen führt, wird zu den Waffen gerufen, um Geld für die bedrohten Schützenbrüder zusammenzubekommen.
Die Ausschreibung ging an alle benachbarten Vereine. "Helft durch Eure Teilnahme mit, den in Platznot geratenen Lichtenfelser Traditionsverein zu unterstützen", heißt es darin. Am kommenden Dienstag, am Donnerstag und Samstag sind die Sportschützen aufgerufen, mit ihrer Einlage beim Benefizschießen einen Beitrag zu leisten, damit es in Lichtenfels mit dem Schießsport der Zimmerstutzen-Schützen weitergehen kann.
Was bedroht die Lichtenfelser? Gedanklich hat Patrick Erhardt schon alle Möglichkeiten durchgespielt. Wenn die Zimmerstutzen-Schützen ihre Vereinsstätte mit Schießstand am Burgberg räumen müssen, brauchen sie dafür zunächst einmal Zeit - und ein Ersatzquartier. Es müssten Helfer eingeteilt werden, die mit anpacken, wenn der Schießstand abgebaut und die Einrichtung weggebracht werden sollen. Von jetzt auf nachher kann das nicht geschehen, und die Bedenken, dass es so schnell sein müsste, sind auch vom Tisch. Zwar hat die Katholische Kirchenstiftung als Eigentümerin des Bergschlosses dem Verein im Juni das Mietverhältnis gekündigt, inzwischen aber einen Vertrag in Aussicht gestellt, der die Nutzung über den 31. 12. hinaus regeln soll. Das Gebäude befindet sich in einem schlechten Zustand und steht bis auf den kleinen Trakt, den die Schützen nutzen, leer.
Mit dem Burgberg ist der 1862 gegründete Verein der Zimmerstutzen-Schützen von Anfang an eng verbunden. Dort wurden die ersten Preisschießen ausgetragen; in dem um die Jahrhundertwende errichteten Bergschloss fand er seine Bleibe. Beim Umbau in den 1960er Jahren mussten die Schützen vorübergehend ausziehen, aber die vergangenen Jahrzehnte hindurch beherbergte das Gebäude die Schießanlage und weitere Vereinsräume. Wie lange diese Bindung noch bestehen wird, ist allerdings fraglich.


Hierbleiben als Wunschtraum

"Es wäre schön, wenn wir hier oben bleiben könnten", sagt Patrick Erhardt, der junge Schützenmeister. Das ist die zweite Möglichkeit. Wenn ein Abriss beschlossen wird und dieser kleine Gebäudeteil bleiben könnte, dann würden Vereinsmitglieder sicherlich das Abkoppeln der Versorgungsanschlüsse selbst in die Hand nehmen und bei der Trennung mithelfen. Diese Variante ist nicht sehr wahrscheinlich - ein Wunschtraum, wie er einräumt. Deshalb halte man in Sachen Ersatzquartier Augen und Ohren offen. Optimal wäre ein Gebäude von zirka 19 Metern Länge und elf Metern Breite für elf Schießstände, mit einem Toilettenbereich und einem kleinen Versammlungsraum. Es gab schon ein paar Tipps, aber die genannten Möglichkeiten haben sich wieder zerschlagen.
Der 27-Jährige setzt jetzt auf Öffentlichkeitsarbeit und das Internet, macht sogar mit einem Videoclip auf die Lage der Zimmerstutzen-Schützen aufmerksam. "Je mehr Leute davon wissen, desto mehr Resonanz kann es geben."
Weil man für einen Umzug nicht nur neue Räume, sondern auch Geld braucht, begründete der Wirtschaftsfachwirt und nebenberufliche BWL-Student ein Crowdfunding-Portal. 8500 Euro möchte man auf diese Weise für ein neues Vereinsheim zusammenbekommen. Wer Geld gibt, erhält eine Spendenquittung und darf sich eine von etlichen Prämien aussuchen. Mit dieser Idee wird auch der Problematik Rechnung getragen, dass ein gemeinnütziger Verein eigentlich keine Gewinne erwirtschaften sollte.


Solidarität zeigen

Im September werden zudem befreundete Schützenvereine im Schützenhaus Ebersdorf bei Coburg ein Benefizschießen zugunsten der Lichtenfelser Zimmerstutzen-Schützengesellschaft ausrichten. Sieben junge Leute, die in diesem Jahr dem Verein beigetreten sind, haben ihren Schritt damit begründet, dass sie Unterstützung leisten wollten. Die entgegengebrachte Solidarität ist das einzig Positive, was Patrick Erhardt der momentanen Situation abgewinnen kann.
Dass schon 1990, als das Bergschloss Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber wurde, laut darüber nachgedacht wurde, ob man sich einmal neue Räume werde suchen müssen, ist ihm heute kein Trost. Seit drei Jahren steht er an der Spitze des 112 Mitglieder zählenden Vereins. Wie es weitergeht, bleibt offen. "Wir werden immer wieder gefragt, was die Kirche mit dem Bergschloss vorhat", berichtet er. "Aber das wissen wir nicht."
Die weiß es selbst nicht, wie man den Worten von Pfarrer Roland Neher entnehmen kann. Es gebe Gespräche mit vielen Stellen, sagt er auf Nachfrage, aber noch nichts Konkretes zu berichten. Eine Sanierung sei wirtschaftlich fragwürdig, doch selbst ein Abriss wäre sehr teuer.