von unserem Redaktionsmitglied 
Lisa Kieslinger

Kreis Haßberge — Der Raub passiert hinterlistig im Schlaf: Während man gerade zufrieden schlummert und sich einmal um 180 Grad wälzt, springt der Wecker Sonntagmorgen von zwei auf drei Uhr. Im Schlaf bekommen die Menschen das meist nicht mit, nur die Müdigkeit am nächsten Morgen zeugt von der gestohlenen Stunde.

Keine gesundheitlichen Probleme

"Leute, die empfindlich sind, merken die fehlende Stunde und es kann sein, dass ihnen am nächsten Morgen etwas unwohl ist", weiß der Leiter des Gesundheitsamtes in Haßfurt, Jürgen Reimann. Schwere gesundheitliche Probleme, die durch die Zeitumstellung auftauchen, seien ihm jedoch nicht bekannt. "Am nächsten Tag einfach eine Stunde länger liegen bleiben, dann sollte das wieder passen", sagt Reimann. Menschen können sich an solche Gegebenheiten recht leicht gewöhnen. "Landwirte haben da schon eher ein Problem. Kühe richten ihren Rhythmus nicht nach der Uhr wie wir. Und kommen dementsprechend immer zur gleichen Zeit zum Melken", sagt der Leiter der Gesundheitsbehörde.
Doch es gibt auch Berufe, in denen die Zeitumstellung eine ganz besondere Rolle spielt: Arbeitnehmer in der Nachtschicht können beobachten, wie sich die Uhrzeiger von Geisterhand eine Stunde weiterbewegen. Doch was passiert auf der Arbeit mit der "verschwundenen" Stunde?
Polizisten sind Tag und Nacht unterwegs. Natürlich auch in der Nacht der Zeitumstellung. "Früher haben wir das händisch gemacht. Also die Zeit, die vor der Zeitumstellung war, haben wir mit A gekennzeichnet und die Uhrzeit nach der Umstellung mit B. So sind wir nicht durcheinander gekommen", erzählt Siegbert Weinkauf, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Ebern. Heute läuft das alles elektronisch. "Die Uhr springt automatisch weiter. Alles was in dieser Stunde abgefragt wird, wird automatisch unter der neuen Uhrzeit registriert", sagt Weinkauf. Auch bei der Polizei in Haßfurt wird dieses Problem der fehlenden Stunde "EDV-mäßig geregelt", erklärt der Inspektionsleiter Kurt Förg.

Glück für Arbeitnehmer?

Geschenkt bekommen die Polizeibeamten, die in dieser Nacht Dienst haben, die Stunde jedoch nicht. "Durch unsere elektronische Zeiterfassung wird die Stunde automatisch abgezogen. Den Kollegen werden also nur neun Stunden Nachtdienst angerechnet", erklärt Weinkauf. Wenn am Ende des Monats oder der Woche eine Stunde fehlen würde, müsste diese nachgearbeitet werden. Aber meistens gleicht sich das im Laufe des Jahres aus. "Für die Sommerzeit zieht das System eine Stunde ab und zählt für die Winterzeit eine Stunde dazu", sagt Kurt Förg. Das läuft alles automatisch.
Ähnlich sieht die Handhabung der Zeitumstellung in den Haßberg-Kliniken aus. "Wenn ein Patient aufgenommen wird, dann wird die Zeit von der EDV vorgegeben", erklärt der Vorstandsvorsitzende der Haßberg-Kliniken, Stephan Kolck. Die Anzeige wandert Sonntagnacht automatisch von zwei auf drei Uhr. "Die Stunde wird einfach verschluckt", meint Kolck.

Im Herbst wieder dran

Die Arbeitszeit wird von der EDV stundengenau erfasst. In dieser Nacht arbeitet das Pflegepersonal in den Haßberg-Kliniken eine Stunde weniger. Es werde jedoch darauf geachtet, dass das gleiche Pflegepersonal auch bei der Zeitumstellung im Herbst eingeteilt ist. Dadurch gleiche sich die Stunden-Anzahl am Ende wieder aus.
Die Nachtschicht ist besonders auch bei Industrieunternehmen ein Thema. Bei den Fränkischen Rohrwerken in Königsberg läuft die Zeitumstellung genauso automatisch wie bei den Polizeiinspektionen und den Haßberg-Kliniken. Sie nehmen den Wechsel ganz normal hin. "Für unsere Mitarbeiter gibt es keine Veränderungen: Keine finanziellen Einbußen und kein verändertes Zeitkontingent", erklärt Peter Gadhof, Leiter der Personalwirtschaft bei den Fränkischen Rohrwerken. "Unternehmen, die keine Zeiterfassung haben, machen aus dieser Stunde eine Sonderbuchung, die im nächsten Monat wieder zurückgebucht wird", ergänzt er.

Zumindest Klarheit auf der Arbeit

Die meisten Unternehmen - wie die Rohrwerke - haben eine automatische Zeiterfassung, wodurch die "gestohlene" Stunde zumindest bei den Arbeitgebern keine Verwirrung mehr stiftet.