von unserer Mitarbeiterin Evi Seeger

Lonnerstadt — Die evangelische Sankt-Oswald-Gemeinde muss in den nächsten Monaten ohne ihr lieb gewordenes Orgelspiel im Gottesdienst auskommen. Das Kircheninstrument wird "zur Reinigung und klanglichen Harmonisierung" ausgebaut. Umso glücklicher dürfte sich die Kirchengemeinde fühlen, wenn die Orgel zu Weihnachten - vielleicht sogar schon zum ersten Advent - wieder im strahlenden Klang ertönt.
Am morgigen Sonntag um 10 Uhr wird es in Lonnerstadt ein "Orgel-Abbau-Fest" geben. "Ein symbolischer Akt", wie Pfarrer Martin Müller erklärt. Alle Organisten der Gemeinde - Gerlinde Heubeck, Gerhard Paulus, Jutta Wachs-Müller und Manfred Müller - sind dazu eingeladen und sollen ihre Lieblingsstücke auf der Orgel spielen. Das Fest soll nicht zuletzt dazu dienen, möglichst viele "Orgelpaten" zu gewinnen. Mit Beiträgen ab 20 Euro - nach oben sicher offen - wird eine Patenschaft in ein Patenschaftsbuch eingetragen. Ab einer Spende von 300 Euro wird auf der Rückseite der jeweiligen Pfeife eine Namensgravur angebracht. Die sichtbaren Prospektpfeifen können je nach Größe für 500 bis 1000 Euro "erworben" werden. Bevor sie eingebaut werden, können die Pfeifen besichtigt werden. Für die Paten gibt es dann auch ein Foto "ihrer" Pfeife.

Arbeiten kosten 100 000 Euro

Durch die Patenschaften soll ein Teil der Kosten bestritten werden. Pfarrer Müller geht von "gut 100 000 Euro" aus, die von der Gemeinde mit ihren knapp 1800 Mitgliedern gestemmt werden müssen.
Die Sankt-Oswald-Kirche könne sich glücklich schätzen, eine besondere Orgel ihr eigen zu nennen, sagt Pfarrer Müller. Nicht nur der Prospekt aus dem Jahr 1763 sei wunderschön gestaltet. Auch das Orgelwerk des Instruments aus dem Jahr 1892 sei etwas Besonderes. So sei die alte Steinmeyer-Orgel ein Schmuckstück, das in seinem Klangcharakter unbedingt neu zur Geltung kommen sollte.
Geplant sei auch eine "Teilrückführung" zu den Qualitäten, die die Orgel einmal ausgemacht haben. Denn vor einigen Jahrzehnten sei das Orgelwerk teilweise verändert worden. Man solle darauf auch in Zukunft moderne Werke spielen können, sagt Pfarrer Müller. Und Pfarrerin Ute Rakutt beschreibt im Pfarrbrief die Orgel als ein Instrument, "das so prachtvoll und faszinierend ist wie ein ganzes Orchester". Deshalb sei die Orgel weder altbacken noch sei sie je dem Untergang geweiht. Das Bamberger Orgelbauunternehmen Eichfelder wird in den nächsten Wochen die Orgel komplett abbauen und die Arbeit in seiner Werkstatt durchführen. Wenn die Lonnerstadter Orgel dann wieder neu erklingt, soll es nach dem Dafürhalten des Pfarrers auch ein Einweihungsfest geben.