von unserer Mitarbeiterin Pauline Lindner

Vestenbergsgreuth — Sein Lieblingstee ist Darjeeling First Flush. Seine Mutter ist eine leidenschaftliche Teetrinkerin, auch wenn er deren Zubereitung per Thermoskanne gar nicht schätzt. Sie bestellte ihren Tee per Post, und den Versandpackungen lagen immer informative Teegeschichten bei. Ein Roman mit einem Bezug zu diesem Getränk ist bei Ewald Arenz dadurch schon vorgegeben.
Irgendwann setzte er sich hin und begann zu schreiben, so plauderte er zwischen den vorgelesenen Passagen aus "Der Teezauberer" in den Räumen der Martin Bauer Group. Wegen der Temperaturen war die Veranstaltung des Vereins Kultur Erlangen-Höchstadt aus der Kräuterscheune ins Warme verlegt worden. Dazu noch eine Tasse Knuspermandel, Fränkischen Kräutertee oder eben Darjeeling in der Hand, damit war schon der erste Schritt in eine andere Welt getan.
Das ist nämlich das große Geheimnis seines Romanhelden. Jakob ist Teehändler und hat die Gabe, mit jeder eingeschenkten Teetasse die Menschen in ferne Länder zu entführen. So gewann er seine Frau Marietta, so tröstet er seine alte Freundin Luise. Ihr serviert er grünen Tee - "für die Liebenden" und hängt an: "Jasmin macht das Spröde weich."
Nach ausführlichsten Recherchen zu dem Heißgetränk hat sich Ewald Arenz also hingesetzt und geschrieben. "Und dann", so berichtet er freimütig, "hat die Lektorin die ersten fünf Kapitel gestrichen." Sie hatte Recht, gibt der Autor gerne zu. Seine Anfangsgedanken wanderten in spätere Teile und gaben ihnen wortwörtlich die nötige Würze.


Den Lärm der Welt vergessen

Es hat etwas Skurriles, aber auch etwas sehr Liebenswertes, wie Jakob, kaum hat er Marietta kennengelernt, sie bittet, mit verbundenen Augen einen Tee um den anderen zu probieren: russischen Tee, der an kalte Winternächte erinnert, oder brasilianischen Imperial Pekoe. "Trink Tee, damit man den Lärm der Welt vergisst", sagt Jakob einmal zu ihr.
Man kann diesen Satz auf den Roman ummünzen: Lies, damit du den Lärm der Welt vergisst. Es ist eine stille, aber verführerische Welt, die Arenz vor seinen Zuhörern ausbreitet. Nicht wilde Aktionen, Verfolgungsjagden, ja nicht einmal richtige Aufreger kommen vor, sieht man von den Passagen über die Teeclipper ab, die in Rekordzeit versuchten, Tee von China nach England zu transportieren. Das "Wildeste" ist Jakobs Traum von einer Portugiesin, der er am Hamburger Bahnhof tatsächlich begegnet und dann lange darüber nachsinnt, was ihm da eigentlich widerfahren ist.


Ein Buch über Schokolade

"Der Duft von Schokolade" ist ein weiteres Buch von Arenz, das Wohlgeschmack zum Thema hat. Und eine kuriose Entstehungsgeschichte: Der Inhaber der Firma Riegelein war bei einer der Lesungen aus dem Teezauberer und bat um ein Buch über Schokolade.
Dann besichtigte Arenz das Werk in Cadolzburg und war fasziniert von der Napolitains-Verpackungsmaschine. Es entstand das Buch "Die Entdeckung des Gustav Lichtenberg" mit einem technikgeschichtlichen Hintergrund. Dann, so erzählte Arenz weiter, recherchierte er über einen Brand des Opernhauses in Wien und daraus wurde dann doch der Duft von Schokolade, weil seine Hauptfigur in die Schoko-Firma seines Onkels eintritt.
Von einem "Bierzauberer" will Ewald Arenz allerdings lieber Abstand halten. "Es gibt viele schöne Dinge, aber man kann nicht über alles Romane schreiben."