Bernhard Panzer

Es sind auch die Kuriositäten, die die derzeitige Ausstellung im Stadtmuseum ausmachen. 70 Jahre Schaeffler werden noch bis zum 16. Oktober gezeigt, und da tut sich für den Betrachter manch überraschender Blick auf.
Dass die Produkte aus Herzogenaurach überall dort zu finden sind, wo sich etwas dreht und bewegt, weiß man. Aber wer rechnet damit, dass Nadellager auch in einer elektrischen Gitarre verbaut werden, oder im Computer-Tomographen? Der Thermomix von Vorwerk hat sie, und im Bohrer vom Zahnarzt sind Nadelkäfige in minimalster Ausführung auch drin.
Harald Kirchdörfer aber hat es vor allem die Gitarre angetan. Der Schaeffler-Mitarbeiter zählte zu einer der zahlreichen Gruppen, die von Christian Hoyer seit Wochen durch die Ausstellung geführt werden. Der Gitarrist mehrerer Bands bestaunte die vom Unternehmen eigens konzipierte Ina-Gitarre und probierte eine andere der Marke Höfner gleich aus, die Hoyer dabei hatte. Denn auch die Instrumentenbauer aus Bubenreuth setzen auf die Technologie aus Herzogenaurach, und das schon seit den 60er Jahren.


Eigene Ina-Gitarre

Bei den E-Gitarren finden sich Nadelkäfige in den Vibrato-Hebeln, auch Tremolo genannt, mit denen der Gitarrist die Töne verändern und das Instrument aufjaulen lassen kann. Jammerhaken sagen die Musiker dazu. In der Ausstellung erfährt man, dass die Ina-Gitarre, "Ina Custom" genannt, von einem italienischen Gitarrenbauer in den 90er Jahren speziell für eine Messe-Präsentation gefertigt worden ist.
Und so hören die Mitarbeiter des Unternehmens bei den Führungen noch viel Neues - im Museum ebenso wie draußen in der Altstadt. Denn auch dort kann Hoyer einiges erzählen. Er zeigt, wo die erste Baracke stand, die Schaltzentrale des Chefs, von der aus Georg Sch a effler hinüber auf die Baustelle jenseits der Aurach blickte. Am Postplatz ist das gewesen. Oder er zeigt das Wirtshaus, in denen der Unternehmer zu speisen pflegte. Es war das Weiße Ross und Schaeffler schätzte die böhmische Küche des aus dem Egerland stammenden Wirts. Heute ist dort die Sparkasse in der Hauptstraße. Aber auch die Schaefflerianer haben einiges zu erzählen, sagt Hoyer. "Da erfahr ich dann Neues, das ich in die Führungen mit einbauen kann."
Die Ausstellung ist eine einmalige Zusammensetzung, die es in dieser Form wohl nicht mehr zu sehen gibt, berichtet der Historiker. Das liegt auch an den mehr als fünfzig Leihgaben von Bürgern aus Herzogenaurach. Alles private Erinnerungsstücke, die die Besitzer gerne zur Verfügung stellten.


Reißbrett und Musterzeichnung

Wie zum Beispiel die Musterzeichnungen eines sogenannten Patroneurs, heute würde man Designer sagen, aus dem textilverarbeitenden Gewerbe. Denn die Teppichfertigung war lange Zeit das zweite Standbein der Schaeffler-Brüder, wie es im Flyer zur Ausstellung heißt. Die Herzogenauracher waren damals größter Teppich-Hersteller in Deutschland. Oder man sieht einen Fotoapparat namens Navax. Auch so etwas wurde einst von Schaeffler hergestellt. Oder ein großes Reißbrett eines Entwicklers aus der ersten Generation. Auf einem solchen ist der erste Nadelkäfig entworfen worden. Ohne diesen gäbe es heute nicht die zehntausend Beschäftigten in Herzogenaurach und weit über 80 000 Mitarbeiter weltweit.
Insgesamt sind es 70 Objekte, die gezeigt werden - "Ein Konzern in 70 Objekten" lautete die Grundidee zum 70-jährigen Firmenjubiläum, heißt es im Flyer. Und überall wird der Stolz sichtbar, für Ina oder Schaeffler zu arbeiten. Viele Firmen bleiben ihrem Arbeitgeber über Generationen treu und das prägt die Unternehmenskultur, und damit auch die Stadt.