Die Herbert-Kneitz-Kindertagesstätte der Awo Kulmbach wird nochmals erweitert. Der Marktgemeinderat hat dazu in seiner Sitzung am Dienstagabend einstimmig die Weichen für den Bau einer zweiten Kinderkrippe gestellt und beschlossen, die Durchführung der Baumaßnahme mit zu erwartenden Kosten von 470 000 Euro in die Bauträgerschaft der Marktgemeinde Wirsberg zu stellen. Davon unberührt bleibt die Betriebsträgerschaft, die auch in Zukunft in der Verantwortung der Awo Kulmbach liegt.
Bürgermeister Hermann Anselstetter (SPD) und Architekt Hans-Hermann Drenske sind realistisch: Ein Einzug in die neuen Räume, die im Obergeschoss unmittelbar neben der bereits vorhandenen Kinderkrippe geschaffen werden, ist in diesem Jahr eher unwahrscheinlich. Anselstetter stellte fest, dass in der Kindertagesstätte die pädagogische Förderung pulsiert: "Zwölf Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen, vier Praktikanten und sieben externe Fachkräfte wie Ergotherapeuten, Logopäden, Frühförderkräfte, sonderpädagogischer Dienst und sozialpädagogische Familienhilfe sorgen für die kindgerechte Entfaltung der individuellen Fähigkeiten." Unter der Prämisse "Chancengleichheit, jedes Kind mitnehmen!" werden auch vier integrative Kinder optimal gefördert und auch die "Leseoma" ist regelmäßig mit an Bord.


Pilotprojekt des Bundes

Die Wirsberger Kita ist nicht nur eine zertifizierte Sprachkita, sondern befindet sich auch auf dem Weg zu einer "Kita plus". Bürgermeister Hermann Anselstetter: "Für dieses Pilotprojekt des Bundes haben sich bundesweit 600 Kitas beworben. Wie Leiterin Kerstin Lobe bei der jüngsten Tagung in Berlin erfuhr, erfüllten 300 Antragsteller die Zulassungsbedingungen nicht und nur 100 Kitas erhielten für die erste Antragsphase grünes Licht. Unsere Kita ist beim Antragsstart dabei."
Das Förderprogramm sieht die flexible Erweiterung der Randzeitbetreuung in den Morgen- und Abendstunden vor. Die Aufnahme in dieses Projekt wäre nach den Worten Anselstetters ein weiterer Schritt in Richtung "Erfolgreiche Vereinbarung von Familie und Beruf". Wie das Gemeindeoberhaupt weiter ausführte, wurde die zweigruppige Herbert-Kneitz-Kita in den letzten Jahren zwar mit einem Hort und einer Kinderkrippe erweitert, doch die erfreulichen Kinderzahlen zwingen inzwischen zu räumlichen Ausweich- und Notlösungen. Anselstetter: "Das ist keine Dauerlösung. Für das Jahr 2016/17 liegen allein für die Krippe schon 23 Anmeldungen für Kinder unter drei Jahren vor. Die erste Krippengruppe ist für zwölf Kinder genehmigt und deshalb besteht dringender Handlungsbedarf."
Bereits im Februar habe sich der Finanzausschuss und in der März-Sitzung auch der Marktgemeinderat mit dem Thema befasst und bei der Verabschiedung des Haushalts auch die finanziellen Voraussetzungen für eine Erweiterungsplanung geschaffen. Parallel dazu hatte das Architekturbüro Drenske, Kulmbach, alternative Planungsstudien erstellt und eine städtebaulich wie wirtschaftlich zielführende Lösung gefunden, wie Anselstetter betonte. Bei einem Gespräch am 5. April mit Vertretern der Regierung von Oberfranken wurden die Zuschussmöglichkeiten erörtert. Der Bürgermeister: "Von fachlicher Seite wurden die Fördervoraussetzungen für eine zweite Krippengruppe mit zwölf Kindern positiv beurteilt. Nach der Umsetzung dieses Projektes werden uns dann in Kindergarten, Hort und zwei Krippengruppen insgesamt 99 Plätze zur Verfügung stehen. Damit wäre auch der Weg in eine bedarfsgerechte Kita-Zukunft geebnet."
Bei dem Gespräch wurde weiterhin festgestellt, dass aufgrund der personalintensiven pädagogischen Arbeit in den Bereichen Personalraum, Leiterinnenzimmer und Therapieräume Nachholbedarf besteht. Seit Jahren drängt sich zum Beispiel das gesamte Personal im Leiterinnenzimmer zusammen, um vorbereitende Arbeiten zu erledigen.
Norbert Specht, der als Projektbegleiter fungiert, zeigte die mögliche Förderung der Baumaßnahme auf. So wird pro Krippenplatz ein Kostenanteil von 9800 Euro gewährt. Geht man von Baukosten von rund 470 000 Euro aus, so wird die Marktgemeinde abzüglich der Förderung aller Voraussicht nach mit einem Eigenanteil von 175 000 Euro hängenbleiben.
Architekt Hans-Hermann Drenske stellte anschließend die beiden Planungsvarianten mit einem ebenerdigen Anbau beziehungsweise einem Aufbau auf das bereits bestehende Kita-Gebäude vor. Dabei machte Drenske deutlich, dass der ebenerdige Anbau zwei Knackpunkte habe: Zum einen sind die Baukosten mit 670 000 Euro deutlich höher und zum anderen würde auch der dort vorhandene Kinderspielplatz entfallen. Sowohl für die Heizung als auch die sanitären Einrichtungen würde ein Aufbau kürzere Wege und damit auch geringe Kosten zur Folge haben. Auch die Vertreter der Regierung von Oberfranken sprachen von einer schlüssigen Lösung, zumal dann beide Krippenräume auf einer Ebene sind. Auch der Marktgemeinderat sprach sich einstimmig für die Lösung im Obergeschoss aus.
Das Raumprogramm soll jetzt mit den Fachstellen und dem Betriebsträger, der Arbeiterwohlfahrt Kulmbach, noch einmal abgestimmt werden. Unabhängig davon wird mit der Awo auch eine Kostenbeteiligung angestrebt. Bürgermeister Anselstetter: "Wir werden die Awo bitten, sich hier finanziell zu engagieren."
Gemeinderat Thomas Steinlein (FW) wies auf den Engpass bei den Krippenkindern hin. Dieser kann nach den Worten des Bürgermeisters nur mit Notlösungen überbrückt werden könne: "Wir wollen auch keine falschen Hoffnungen setzen. Realistisch ist, dass der Bau erst im Herbst 2017 fertig ist", betonte er.