von unserer Mitarbeiterin manja von nida

Neustadt — Der Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Landtagsabgeordneter Martin Neumeyer, traf sich am Mittwochabend mit türkischen und deutschen Bürgern in der Moschee zu einem Austauschgespräch. "Zusammenleben - Nachbarschaft - Kulturaustausch" lautet das Motto.
Vor 45 Jahren trafen die ersten türkischen Gastarbeiter in Neustadt ein. "Heute sind sie angekommen und bestens integriert", sagte Ramazan Kurt, Vorsitzender des Vereins DITIB Neustadt bei Coburg.
Die Sprache sei für eine Unterhaltung entscheidend, sie sei die Basis, sagte Neumeyer und überraschte mit einigen türkischen Worten zur Begrüßung. Er deutete auf das Schild an der Wand in der Moschee: ",Wir sind Neustadt‘ steht darauf, das sind wir alle." Immerhin seien zehn Prozent der örtlichen Bevölkerung muslimischen Glaubens.
"Ich glaube, das Zusammenleben der Menschen in Neustadt mit unterschiedlichen Wurzeln funktioniert überdurchschnittlich gut", erwähnte Oberbürgermeister Frank Rebhan. "Wir wollen nicht Gruppen, sondern Menschen integrieren. Bitte arbeiten Sie daran, Sie haben in mir einen Verbündeten", richtete OB Rebhan sein Wort an Neumeyer. Dies sei die eine Seite, jedoch bedürfe es noch immer offensichtlich eines Integrationsbeauftragten, so Rebhan. "Das heißt, Integration hat offensichtlich noch nicht stattgefunden", meinte der OB. Alles sei richtig und notwendig, Anbieten von Sprachkursen und all dem, "aber integriert sind sie erst dann, wenn sie die Politik, die Verwaltung, die Chefsessel in Unternehmen erobert haben, entsprechend dem Bevölkerungsanteil, dann ist Integration passiert", stellte Rebhan klar. Dann bräuchte man keine Integrationsbeauftragte, dann würde es von selbst laufen. "Nur mit Sonntagsreden und ab und zu ein schönes Fest - damit allein werden wir nicht weiterkommen. Die wirkliche Teilhabe an dieser Gesellschaft ist damit noch lange nicht verwirklicht."
Eine Partnerschaft mit einer türkischen Region sei im Kreistag einstimmig beschlossen, aber noch immer nicht umgesetzt worden. "So wie mit unserer französischen Partnerstadt, so wünsche ich es mir mit der Türkei. Wir haben hier einen hohen Anteil von Menschen mit türkischer Abstammung in unserer Region. Das ist doch eine Selbstverständlichkeit, dass wir auch diesen kulturellen Austausch suchen", erwähnte der OB.
"Neustadt leistet hier tolle Arbeit, unser Vorstand ist sehr aktiv mit Herzblut dabei", bemerkte Erhan Cinar. Fehler und Missverständnisse passierten auf beiden Seiten, an manchen Stellen gebe es sicher auch Berührungsängste, meinte Cinar.
MdL Jürgen Heike erklärte, es mache Spaß, zu sehen, wie engagiert sich viele gerade beruflich anstrengen und auch handeln.
Pädagoge Martin Frenkler meinte, es werde eine Lehrkraft benötigt, die islamischen Religionsunterricht halten kann.
Anschließend erinnerte Neumeyer daran, dass Integration die Teilhabe nach den Werten dieser Gesellschaft, nach Recht und Gesetz bedeute, Religionsfreiheit eingeschlossen. Integration heiße auch zusammenwachsen; sie sei kein Verzicht, vielmehr ein Gewinn.
Ob die Herkunft nicht irgendwann hinfällig wäre, fragte Desiree Sommermann von der FU. "Wie viel Generationen bedarf es noch, um sagen zu können, ich bin Deutsche/r", fragte Sommermann. Denn dann bräuchte man diese Diskussionen nicht mehr.
Presse- und Meinungsfreiheit sowie die Gleichberechtigung von Mann und Frau seien hier Standards, "wer sich nicht daran hält, ist kein Teil der Gesellschaft", mahnte Neumeyer.
"Als gläubiger Christ kann ich nur sagen: Bitte bleiben Sie Türken. Lasst uns unsere kulturelle Vielfalt pflegen, das macht das Leben so spannend", meinte Stadtrat Frank Altrichter.