von unserem Mitarbeiter  Harald Rieger

Bamberg — "Feiern ist gut, Wohnen wäre besser". Mit diesem Slogan warb die Bürgerinitiative "Army-Gelände in Bürgerhände" während des elften Kontaktfestivals. Dabei sprachen sie jeden Besucher an, der das über Pfingsten erstmals auf dem Konversionsgelände stattfindende Festival besuchte, und überreichten Flyer. Damit wollte die Bürgerinitiative möglichst viele Unterstützer finden für ihr Anliegen, dass die leerstehenden Wohnungen auf dem ehemaligen amerikanischen Kasernenareal schnellstmöglich als Wohnraum zugänglich gemacht werden.
Allerdings wird dieser Wunsch so schnell wohl nicht in Erfüllung gehen. Dies war zumindest der Tenor, der sich beim zweiten Konversions-Fachforum zum Thema "Wohnen" abzeichnete. Und dies, obwohl Thomas Goller vom Amt für Strategische Entwicklung und Konversionsmanagement bei dem in der Reithalle stattfindenden Fachforum betonte, dass Bamberg in den kommenden Jahren einen steigenden Wohnraumbedarf haben wird. "Wir brauchen, alleine um die Einwohnerzahlen in der Stadt konstant zu halten, einen jährlichen Bedarf an 250 bis 300 Wohneinheiten", schilderte Goller. Auch könne derzeit in der Stadt kein Re-Urbanisierungstrend festgestellt werden. Und selbst wenn Familien in den Landkreis ziehen würden, würden sie dies nicht vorrangig tun, wie immer gedacht werde, um Eigentum zu erwerben. Denn rund 80 Prozent aller aufs Land Ziehenden würden in eine Mietswohnung oder in ein Mietshaus gehen. "Ähnlich gering ist auch die Eigentumsquote in der Stadt selbst. Sie liegt gerade mal bei 28 Prozent und ist damit deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt", erläuterte Goller. Dafür liege andererseits die Leerstandsquote bei unter zwei Prozent.

Knapp 80 Prozent vergeben

Wie gut die Wohneinheiten auf dem Konversionsgelände angenommen werden, zeigte Goller anhand der Natosiedlung. Hier sei es in rund fünf Monaten gelungen, knapp 80 Prozent der Reihen- bzw. Doppelhäuser an den Mann zu bringen. "Mittlerweile leben dort 368 zumeist junge Personen mit durchschnittlich 3,2 Personen pro Haushalt. 134 von ihnen sind Auswärtige", berichtete Thomas Goller.
Doch trotz dieser erfreulichen Nachfrage werden sich alle Interessenten der Pines-Area noch gedulden müssen, wie der Geschäftsführer der Stadtbau GmbH, Veit Bergmann, erläuterte. Zunächst wehrte er sich gegen den Vorwurf, die Stadtbau würde Wohnungen bewusst zurückhalten, um die Preise auf dem Wohnungsmarkt künstlich hochzuhalten. "Bei einem Durchschnittsmietpreis von 4,67 Euro pro Quadratmeter halten wir gar nichts hoch", unterstrich Bergmann.
Zur Pines-Housing-Area erläuterte er, dass inzwischen erste Gutachten für die 102 Wohnungen in den acht Gebäuden vorliegen. Es würden noch weitere folgen, auch eine Altlastenuntersuchung des Bodens. Die ersten Gutachten indes hätten nichts Gutes zu Tage gebracht. So habe man dort einen stark teerhaltigen Parkettkleber vorgefunden. Das bedeute, dass alle Böden ausgetauscht werden müssen. Ferner müssten auch die Einbauküchen und die Bäder ausgetauscht werden, das Dach komplett erneuert (eventuell sogar durch ein Flachdach ersetzt werden), im Boden Tritt- und Schallschutzdämmung eingebaut sowie das Stromleitungs-, Wasser- und Heizungsnetz erneuert werden. Es fehle auch jegliche Außendämmung. "Alles in allem brauchen wir, nachdem die Stadt die Gebäude von der Bima erworben hat, rund zehn bis elf Monate, um die ersten Wohnungen bewohnbar zu machen", schilderte Bergmann. Nach jetzigem Planungsstand könnten frühestens 2016 erste Mieter dort einziehen.
Ein Teil der Wohnungen soll vermietet, ein anderer Teil als Eigentumswohnungen verkauft werden. Als erste vorsichtige Schätzungen gab der Stadtbaugeschäftsführer einen Mietpreis von rund 6,50 Euro pro Quadratmeter an. Der Kaufpreis soll bei rund 2000 Euro pro Quadratmeter liegen.