Rudolf Schirmer leitet seit sechs Jahren die Lorenz-Kaim-Berufsschule in Kronach. Für ihn ist sein Job eine Berufung. In einem Gespräch informiert der Schulleiter über die schulischen Angebote und über die Herausforderungen, die seine Schule in den kommenden Jahren zu bewältigen hat.

FT: Wie viele Schüler werden derzeit an der Berufsschule unterrichtet?
Rudi Schirmer: Wir unterrichten derzeit 1470 Schüler in sechs Fachbereichen und vier Berufsfachschulen. Es besteht zum einen das Angebot an klassischen Ausbildungsgängen und zum anderen auch an doppelqualifizierenden Bildungsmöglichkeiten. Diese richten sich speziell an leistungsstarke Jugendliche, die zeitgleich zur Berufsausbildung die Hochschulreife erwerben beziehungsweise Berufsausbildung und Studium miteinander verbinden.

Welche Fachrichtungen werden ausgebildet?
Wir bilden im Bereich der Metalltechnik, Fahrzeugtechnik, Mechatronik, Elektrotechnik, Wirtschaft und Verwaltung sowie der Nahrungsberufe aus. Man muss aber ganz klar sagen, dass sich unsere Ausbildungsmöglichkeiten überwiegend am produzierenden Gewerbe orientieren, also an der Region.

Woran liegt das?
Wir sind eine Industrielandschaft. 64 Prozent der Beschäftigten in der Region sind im produzierenden Gewerbe beschäftigt. Wir nehmen damit nicht nur deutschlandweit, sondern auch europaweit einen Spitzenplatz ein. Deshalb bilden an unserer Schule die Bereiche Industriemechaniker, Industriekaufmann, Elektroniker und Mechatroniker einen wesentlichen Schwerpunkt.

War das früher anders?
Ja, früher waren mehr Handwerksberufe wie die Frisöre, Schreiner etc. angesiedelt. Es waren wesentlich mehr Jugendliche im Berufsgrundschuljahr vertreten und viel mehr Jugendliche in Klassen für Schüler ohne Ausbildungsvertrag. Doppelqualifizierende Bildungsangebote wie eine duale Berufsausbildung und Fachschulreife gab es noch nicht. Auch gab es keine Tourismusschule Franken und keine Berufsintegrationsklassen für Jugendliche, die Sprachdefizite aufweisen.

Wie ist der Rückgang von Heranwachsenden im Berufsgrundschuljahr zu begründen?
Zum einen haben wir in der Region nahezu eine Vollbeschäftigung. Zum anderen ist das Bildungssystem mittlerweile so durchlässig, dass jeder Jugendliche einen Schulabschluss nachholen kann. Aufgrund der demografischen Entwicklung sind auch die Arbeitgeber mehr bereit, jungen bildungsfernen Menschen eine Chance zu geben.

Nun steht ja in den nächsten Jahren die Sanierung der Berufsschule an...
.... ja und das wird ein Großprojekt. In diesem Jahr soll das genaue Planungskonzept erstellt werden. Problem ist, dass es im Gegensatz zu Projekten wie Bau einer weiterführenden Schule relativ wenige Ingenieurbüros gibt, die sich auf Berufsschulen spezialisiert haben. Solche Einrichtungen werden wesentlich seltener gebaut als ein Gymnasium oder eine Realschule. Hinzu kommt, dass beispielsweise bei den Planungen einer Berufsschule, in der mehr Industrieberufe ausgebildet werden, andere Aspekte bei einer Planung berücksichtigt werden müssen als bei einer Berufsschule mit überwiegend Dienstleistungsberufen.

Man spricht von geburtenschwachen Jahrgängen, die ins Berufsleben starten.... Sind denn da die millionenschweren Investitionen gerechtfertigt?
Was die Schülerzahlen betrifft, so sind diese trotz geburtenschwacher Jahrgänge in den nächsten Jahren konstant. Die Ausbildungsplätze in der Industrie sind relativ gut besetzt. Das liegt daran, dass sich die Unternehmer mittlerweile auch einiges einfallen lassen, um junge Menschen zu gewinnen. Hinzu kommt, dass ein sehr großer Sanierungsbedarf an der Berufsschule besteht.
Bei den Planungen geht es doch auch um die Ermittlung eines Raumkonzeptes...
Ja, das ist notwendig, um Fördermittel zu erhalten. Für mich steht außer Frage, dass bei der Erstellung des Raumkonzeptes auch Industrie 4.0 eine Rolle spielen wird.

Wie das?
Wir sind stark industriell geprägt. Durch die Digitalisierung werden künftig die technischen und kaufmännischen Abteilungen enger zusammenarbeiten müssen. Die einzelnen Abteilungen in den Unternehmen werden intensiver verzahnt. Der Kaufmann muss Zugriff auf die Schnittstellen haben. Er muss einen Überblick über den Stand des Produktionsprozesses haben, um vorbeugende Maßnahmen wie rechtzeitige Materialbeschaffung treffen können. Wir müssen uns da nicht zuletzt nach den Wünschen der Industrie richten.

Wie passiert das?
Wir haben das Glück, auf dem Land zu wohnen. Wir pflegen mit den Unternehmern in der Region eine intensive und enge Zusammenarbeit. Und das ist gut so.

Sie sind 58 Jahre alt. Denken Sie da manchmal auch schon an die Rente?
Nein, so weit bin ich noch lange nicht. Ich denke da eher über die Realisierung einer modernen Berufsschule nach.

Die Fragen stellte
Veronika Schadeck