In der Asyl-Unterkunft "Alte Post" richtete die Awo Forchheim eine größere Weihnachtsfeier mit den Flüchtlingen aus. Die ehemalige Europaabgeordnete und ehrenamtliche Flüchtlingshelferin Wilmya Zimmermann und ein Nikolaus teilten dort Geschenke aus.
Abdulsabour (7) aus Afghanistan freut sich über das kleine Plastikschiff, das er sofort zusammenbaut. Das Zahnputzset findet er weniger interessant. "Hat dir das Schiff der Nikolaus gebracht?", fragt einer der Paten, die sich um die dort untergebrachten sechs Familien kümmern. Die Frage überfordert ihn einen Moment.
Dann zeigt er auf die Schuhe des Mannes im roten Mantel und sagt: "Das ist der Sebastian." Genauso wenig wie seine Klassenkameraden in der Martinsschule lässt er sich mit Nikoläusen, Weihnachtsmännern oder Baba Noel in die Irre führen. Wie alle in seinem Alter hat er schon einen "Durchblickerlehrgang" gemacht. Aber als sich der Nikolaus verabschiedet, sagt der Bub: "Tschüss, Nikolaus."
Seine Mutter Rahima gibt zu erkennen, dass ihr Weihnachten, Nikolaus und alles Drumherum fremd ist. Auch den im arabischen Raum geläufigen Begriff Baba Noel für den Nikolaus kennt sie nicht. Diesen Namen kann dagegen Gelestan aus Syrien einordnen. Und ihre Nachbarin will auch gleich wissen, wie der Baum heißt, der in der Mitte des Gemeinschaftsraums steht, und bittet, das Wort Weihnachtsbaum und auch gleich noch Silvester aufzuschreiben.
Ein Querflötenensemble spielt internationale Weihnachtslieder. Mohamed, ein junger Syrer, hat auch einen Beitrag, einen Rap über den Krieg, wie er kurz den arabischen Text zusammenfasst. In seiner Heimat hätte er das so nicht machen können, gibt er zu verstehen. Seine Familie hat Weihnachten gefeiert, sagt er, sogar mit einem Baum. Auch Mimi aus Damasku kennt den Nikolaus. "Der kommt im November", sagt sie. Das kommt jemandem zweifelhaft vor und er bittet Rachel, eine Deutsch-Libanesin, nochmals auf Arabisch nachzufragen. Es klärt sich auf. Mimi meinte den 25. Dezember oder Silvester, die zwei Daten, an denen auch in Syrien Baba Noel den Kindern Geschenke bringt.
Zimmermann freut sich, dass es zur Bescherung für alle Kinder praktische Geschenke geben konnte. Eine 90-jährige Forchheimerin hatte zu ihrem Geburtstag um Geldspenden gebeten. 655 Euro kamen zusammen. Davon kaufte Zimmermann für alle Kinder feste Stiefel. Durch weitere private Geldspenden konnte sie den Männern noch Geld aushändigen, damit sie Schals und Handschuhe kaufen können. Für die Frauen gab es winterfeste Kleidung. Und für die Familien ein Paket der Aktion "Weihnachten für alle".