von unserem Mitarbeiter Werner Reissaus

Harsdorf — "Die wahrhaft seelische Erbauung kommt nicht vom Schäufele, sondern vom Gang in die Kirche!" So kennt man Dekan Jürgen Zinck - immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Damit ermutigte er die Harsdorfer Gemeinde, auch künftig ihre wunderschöne Kirche St. Martin in den Mittelpunkt des Lebens zu stellen.
Vor genau 250 Jahren wurde die Markgrafenkirche erbaut - ein Datum, das gestern im Rahmen des Festgottesdienstes gefeiert wurde. Pfarrer Ralph Meyer betonte, dass das Jubiläum für Harsdorf sehr wichtig sei: "Unsere Geschichte hier in Harsdorf ist vom Evangelium geprägt. Gemeinsam feiern wir Gottesdienste und hören das Wort Gottes."
Dekan Zinck blickte zurück auf das Jahr 1765. Der neunjährige Mozart habe seinerzeit seine vierte und fünfte Symphonie komponiert, und im selben Jahr werde der Büttnertanz in Kulmbach erwähnt ("also 24 Jahre vor München") und von der erstmaligen Weltumseglung berichtet. "Das 18. Jahrhundert war die Zeit des Barocks, voller Farben und voller Licht, aber auch voller Todesangst", so Zinck. Der Siebenjährige Krieg sei eben zu Ende gegangen, "es waren keine schönen Zeiten". Doch dies sei wohl entscheidend gewesen, dass die Harsdorfer Kirche dem heiligen Martin geweiht wurde, der stets als Patron der armen Leute galt.


Selbstbewusster Protestantismus

Der Dekan war überzeugt, dass nicht weniger Menschen in die Kirche kommen: "Ich wohne direkt neben der Petrikirche und sehe jeden Tag, dass Menschen jeden Alters in der Kirche ein und aus gehen. Sie tun es oft dann, wenn sie wissen, jetzt bin ich allein meinem Gott nahe. Schön ist es, wenn schöne Kirchen dazu den ganzen Tag Gelegenheit bieten." Daher richtete er an den Kirchenvorstand die Bitte, darüber nachzudenken, die Kirche in Harsdorf tagsüber zu öffnen. Die Markgrafenkirchen seien Ausdruck eines selbstbewussten Protestantismus, der den Kirchen ein modernes, helles Gewand gab.
Landrat Klaus Peter Söllner (FW) betonte, dass die heutige Zeit wie vor 250 Jahren sehr spannend sei. Der entscheidende Unterschied dürfte aber sein, dass die Menschen heute in Wohlstand leben. Die Entwicklung der Markgrafenkirchen in den Landkreisen Kulmbach und Bayreuth bezeichnete er als eine herausragende kulturgeschichtliche Epoche. Die politische Gemeinde und die Kirchengemeinde könnten stolz sein auf den Zusammenhalt, der in Harsdorf gepflegt wird: "Das ist etwas ganz Besonderes."


Ein Stück Heimat

Bürgermeister Günther Hübner (CSU) sprach die Hoffnung aus, dass man auch weiterhin in Frieden die Gottesdienste in der Martinskirche feiern könne. Als Vertreterin der Landessynode gratulierte stellvertretende Landrätin Christina Flauder (SPD). An die Besucher des Festgottesdienstes gewandt, sagte sie: "Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde. Die Kirche ist für Sie ein Stück Heimat."
Die musikalische Ausgestaltung des Festgottesdienstes übernahmen Armin Schwieder an der Orgel, der Posaunenchor Neudrossenfeld (Leitung Juliane Fürstenau) und der Kirchenchor mit Sarah Gröner in der Leitung. Anschließend lud die Gemeinde zu einem Frühschoppen in den Saal des Gasthauses "Zur Tanne" ein, bei dem der Kasendorfer Musikverein zünftig aufspielte.