von unserem Redaktionsmitglied Ralf Kestel

Ebern — Natürlich spukt einem Dagobert Duck im Kopf herum. Aber die Ernüchterung folgt sogleich. Spätestens in dem Moment, da der Bankdirektor seinen Auftritt als Bodybuilder beendet und die 4700 Kilo schwere Tür aufgewuchtet hat: Zwar glänzt die Wand mit den Schließfächern metallisch-silbern, aber der Kunden-Tresorraum der Raiffeisen-Volksbank Ebern ist ausnahmslos spärlich möbliert.
Zwei Stühle vor einem kleinen Holztisch. Darüber ein Telefon. Mehr braucht's nicht, wenn Vermögen angehäuft bzw. kontrolliert, wichtige Unterlagen studiert werden. Denn solche Dinge dürften in den 256 Fächern des Kundentresors schlummern: Geld- oder Anteilscheine, Gold, Aktien, Testamente, Schmuck, Rentenbescheide.


Starker Zulauf

Spekulationsobjekte: Denn was genau aufbewahrt wird, wissen nur die Eigentümer. Seit der Banken- und Griechenland-Krise gelten diese Fächer als besondere Objekte der Begierde. "Wir haben nur noch zwei frei", erzählt Vorstandssprecher Christian Senff, der eben die mit Schlüssel- und Zahlencode gesicherte Stahltüregeöffnet hatte, nachdem sich sechs faustgroße Zylinder aus der Stahlzarge zurückgezogen hatten. "Wir registrieren einen starken Zulauf." Die Nachfrage nach Schließfächern habe in letzter Zeit in Deutschland stark zugenommen hat.
Aus der Schweiz weiß Senff, dass "die Tresorbauer ausgebucht sind".
Und noch ein Aspekt verstärkt den Trend zum gesicherten Versteck: "In Zeiten, in denen über Minuszinsen spekuliert wird, ist ein Tresorfach sicher der bessere Aufbewahrungsort fürs Geld als ein Kopfkissen."
Drei Varianten an Fächer- und Kassettengrößen stehen den Kunden zur Auswahl. Und da passt viel rein, wie der Bänker am Beispiel von ein paar 500-Euro-Scheinen oder einem 100-Gramm-Goldstück im (aktuellen) Wert von 3300 Euro vorführt. Da lassen sich unvorstellbare Reichtümer deponieren.
Das beflügelt die Fantasie, welche Werte sich hinter den silber-glänzenden Türchen verstecken. "Darüber kann man nur mutmaßen", gibt sich Senff aber gar keinen weiteren Überlegungen hin.
Neugierige Blicke über die Schulter sind nicht möglich: Die Mieter sind stets allein im Raum, wenn sie ihr Schatzkästchen öffnen.


Zwei haben den Dreh raus

Zwar sind zwei Schlüssel und zwei Mann notwendig, um das Schließfach zu öffnen, aber der Bankbeschäftigte verlässt den Raum sofort, wenn er seinen Dreh vollzogen hat. Dann erst zückt der Kunde seinen zweiten Schlüssel und sein Sesam öffnet sich.
Sicherheit und Diskretion sind die obersten Gebote in diesem versteckten Refugium. "Das ist alles sehr, sehr sicher", verspricht Bankdirektor Senff.
Jeder, der den Raum mit dem Kundentresor betreten will, muss sich ausweisen bzw. wird überprüft, muss den Zutrittsnachweis vorlegen. Das Procedere wird schriftlich festgehalten: Der Zeitpunkt des Betretens und des Verlassens. Auch wird darauf geachtet, dass keine unzulässigen Dinge mit in den Diskret-Raum mitgenommen werden. Feuergefährliche Sachen etwa. Den Sicherheits-Service im Bankhaus gibt es natürlich nicht umsonst: Miete und Versicherung summieren sich zu einem Grundbetrag, der unabhängig vom Inhalt des Fachs ist.
"Die Bank nimmt vom Schrankfachinhalt keine Kenntnis. Jeder Mieter hat dafür zu sorgen, dass der Schrankfachinhalt nicht durch in den eingebrachten Gegenstände selbst begründete Ursachen - wie z.B. Feuchtigkeit, Rost oder Motten - Schaden nimmt", heißt es in einem Merkblatt verschlüsselt und verschachtelt.