von unserem Redaktionsmitglied 
Michael Busch

Herzogenaurach — Kennen Sie den Unterschied zwischen Bundeswald, Staatswald, Körperschaftswald und Privatwald? Wissen Sie, ob der Spaziergänger im Wald die Wege verlassen darf und sozusagen querfeldein durch den Wald gehen darf? Wissen Sie wie Ihr Förster vor Ort heißt?
Die letzte Frage können zumindest die Waldbauern und Waldbesitzer in Oberreichenbach, Aurachtal und Herzogenaurach schnell beantworten: "Klar, die Heike Grumann ist das!" Seit 2010 ist sie zuständig für die dortigen Reviere, arbeitete aber mit Rücksicht auf die Familie nur in Teilzeit. Die Reviere im östlichen Landkreis sowie in der Stadt Erlangen wurden von Susanne Reitzenstein betreut. Nun geht diese allerdings nach Gößweinstein, um dort für das Bamberger Forstamt zu arbeiten.
Ihre Arbeit übernimmt nun Grumann, die das komplette Revier in Vollzeit betreut. "Das ist schon eine Menge Arbeit mehr", gibt sie zu. "So nebenbei aufsatteln hätte nicht funktioniert", erklärt sie. Denn da spielen die am Anfang gestellten Fragen eine Rolle. Diese sind nur ein Teil der Aufgaben, die es für die Försterin zu bewältigen gilt. Bei einem Treffen im Wald bei Dechsendorf - ein Bereich der neuen Reviere - erklärt Grumann, was alles so bewältigt werden muss. Zentraler Punkt ist die Beratung und Fortbildung von Waldbesitzern, die kostenlos von denen in Anspruch genommen werden kann.
"Um dies gewährleisten zu können, muss ich mir die Waldstücke immer wieder anschauen." Das seien neben den privaten Grundstücken die so genannten Körperschaftswälder, also Wälder, die Kommunen gehören.
Dort jeden Wald zu begehen ist eine regelrechte Sisyphosarbeit. Manche der Grundstücke seien recht klein, brauchen dennoch einen hohen Aufwand. "Bei den Körperschaftswäldern übernehme ich dann auch die Beauftragung der Forstkräfte, die den Wald herrichten", erklärt die Waldexpertin. Bei den privaten Besitzern gibt sie Tipps, wie mit dem Wald umzugehen ist. "Die Waldbesitzer hören in der Regel schon auf mich, weil es letztlich darauf hinausläuft, den Wald möglichst ertragreich, aber auch nachhaltig zu bewirtschaften."

Unangeleinter Hund?

Es ist aber kein Herrschaftswissen, das die ausgebildete Diplom-Forstwirtin ansammelt. Ihre Aufgabe ist es, die Erfahrungen weiterzugeben. Pflege- und Pflanzkurse gehören da ebenso dazu, wie der richtige und gefahrenfreie Umgang mit der Motorsäge. Sie berichtet von Fördermitteln und hilft bei den jeweiligen Anträgen.
Sie berichtet aber auch von Irrtümern und Mythen rund um den Wald. So verliert sie keinen Ton als eine Hundebesitzerin mit ihrem Tier durch den Wald läuft - einem unangeleinten Hund. "Es gibt keine Vorschrift, dass Sie das Tier anleinen müssen." Es muss allerdings hören und darf nicht durch einen Jagdtrieb auf die "falsche Fährte" gelockt werden. Genauso wenig dürfe der Jäger einen freilaufenden Hund auch nicht einfach erschießen.
Apropos Jäger, auch hier klärt die Försterin auf. Hat der Jäger oftmals, gerade bei Tierschützern, mit dem schlechten Ruf zu kämpfen, dass er "unschuldige Tiere einfach so abknallt", sei gerade das Gegenteil der Fall.

Mythen des Waldes

"Unsere Jäger sind eher zu zurückhaltend", erklärt Grumann. "Wir haben nun mal keine sich selber regulierende Natur mit den natürlichen Feinden in der freien Wildbahn." Der Wald sei in vielen Fällen so kultiviert, dass der Tierbestand ebenso wie die Anzahl bestimmter Pflanzenarten reguliert werden muss. "Die Jäger müssten deutlich mehr Rehe schießen", sagt Grumann und weiß, dass dies weder Jägern noch manchem Tierschützer so recht gefallen will.
Mit den Wegen ist das auch noch so ein Ding. "Die Waldwege sind primär für das forstwirtschaftliche Gerät angelegt, und nur zweitrangig für den Waldbesucher." Der darf allerdings die Wege ohne weiteres verlassen.
"Selbstverständlich darf man durch den Wald streifen. Man sollte ihn nur pfleglich behandeln." Denn nur abseits der Wege fände der Waldfreund auch Ungewöhnliches, das die hiesige Fauna und Flora zu bieten habe. "Da gibt es Orchideen, Feuersalamander und vieles mehr", schwärmt Grumann.
Eine Försterin aus Leidenschaft! Eine Försterin, die auch bald in den neuen Gebieten bekannt sein dürfte.