Klaus-Peter Gäbelein

"Wie es früher war!" Mit diesem fast unerschöpflichen Thema beschäftigt sich der Heimatverein seit vielen Jahren. Der Gesprächskreis unter der Leitung von Drittem Vorsitzenden Herbert Dummer, geht dabei den "Dingen auf den Grund". Und so wurden auch die Vorweihnachtszeit und das eigentliche Weihnachtsfest unter die Lupe genommen.
Dass das "Fest der Feste" früher anders begangen wurde als heute, darüber waren sich Gesprächsteilnehmer im klaren. Doch was war anders? "Es war halt alles viel ruhiger und weniger hektisch als heute. Es gab noch nicht den Rummel um die Geschenke und die Hetze wie heute in der Vorweihnachtszeit", so der allgemeine Tenor.
In Herzogenaurach und Umgebung stand der Heilige Abend ganz im Zeichen der Christmette, die im Regelfall um Mitternacht begann. Sie dauerte - wie sich Zeitzeugen erzählen - "ewig lang", zumindest aus Sicher der Kinder und Jugendlichen. Man erinnert sich, dass es am Heiligen Abend ab 20 Uhr nicht mehr erlaubt war, Plätzchen zu essen, weil man ja "lauter" - also nüchtern - zur Kommunion in der Mette gehen musste.
Von der Familie blieb meistens nur eine Person zu Hause. Oft war es der Vater oder der Großvater. Er musste das Haus hüten und das Feuer im Ofen schüren, damit die Zurückkommenden eine warme Stube vorfanden. Nach der Mette wurde dann meist noch einmal zünftig Brotzeit gemacht. Und nicht selten wurde ein "Säusack" (roter Presssack) angeschnitten, denn vor Weihnachten, im November oder Dezember, war noch einmal geschlachtet worden.


Essen an Weihnachten

Mit dem Essen betrifft war man vor Jahrzehnten wesentlich bescheidener als heute. Am Heiligen Abend gab es mittags meistens nur eine Kleinigkeit: eine Suppe, Erbsen oder Linsen. Am Abend wurden Bratwürste, gebraten oder als "blaue Zipfel, manchmal auch Wienerle aufgetragen. In den Familien, in denen es zu Weihnachten eine gebratene Gans gegeben hat, servierte die Hausfrau am Heiligen Abend "Gänspfeffer", in einer schmackhaften Blutsoße.
Am ersten Feiertag freute man sich auf die (selbst gezüchtete) Gans oder über einen Stallhasen. Manchmal kam auch eine große Portion Salzfleisch auf den Tisch. "Auch wenn wir nicht reich waren, hungern mussten wir nie", so eine Gesprächsteilnehmerin beim Heimatverein.
Verständlicherweise waren Geschenke früher bei weitem nicht so üppig wie das heute der Fall ist. Die Eltern, Paten oder Großeltern haben viel selbst hergestellt und gebastelt. "Ich habe später erfahren, dass mein Großvater die großen hölzernen Eilzug-Wagen selbst ausgesägt, bemalt und mit beweglichen Rädern versehen hat. Auch die hölzernen Enten mit beweglichen Wackelköpfen hatte Opa selbst hergestellt." Und eine ältere Gesprächsteilnehmerin berichtet. "Mir Kinner haben halt Äpfel, Nüss und Plätzli grichd und des, wos die Mutter oder Großmutter selber gschdriggd oder gnäht hodd: an Schörzer (eine Schürze), Handschuh, Schals oder wollna Mützn, gschdriggda Strümpf, Schlappen oder an Pullover, den die Mutter aus aufgetrennter Wolln gschdriggd hodd."
Und eine Puppe mit neuen selbst genähten Kleidern, eine mit vom Großvater gebastelten Möbeln eingerichtete Puppenküche nebst Puppen- oder Stubenwagen war etwas Besonderes. Gleiches gilt für den Kaufladen, in dem nach dem Krieg kleine mit Puffreis gefüllte Werbekartönchen von Pfanni oder von Waschpulverfirmen in den Regalen standen. Für die Kleinsten stand alle Jahre wieder ein "Wiegegaul" (Schaukelpferd) in der Stube, der sich über Generationen im Familienbesitz befand.


Der Heilige Abend

Als Kind konnte man es kaum erwarten, dass das Christkind endlich kommen würde. Im Haus herrscht große Geschäftigkeit. Während die Hausfrau in der Küche werkelte, war der Vater in der Stube beschäftigt. Sie wurde zu Weihnachten ausnahmsweise für drei Tage geheizt. Wenn man verstohlen durchs Schlüsselloch spitzte, konnte man Vater an einem Tannenbaum werkeln sehen.
Des "Bamli", meistens "a Fichtn, hatten Großvater oder Vater aus dem Wald geholt. Von Baumdiebstahl konnte in den Nachkriegsjahren nicht die Rede sein, schließlich waren die Wälder um Herzogenaurach im Privatbesitz - und man war selbst in der Waldkorporation oder kannte jemanden, der Mitglied war. Zimmerhohe Nordmanntannen oder Douglastannen waren vor oder nach dem Krieg noch nicht in Mode. Der Baum stand meist auf einem Tischchen und war mit kleinen Glaskugeln oder selbst gebastelten Strohsternen behängt. Eine Rarität waren gläserne Vögel mit Schwänzen aus Glashaar, die von Glasbläsern aus Thüringen stammten und bisweilen auf dem Schwarzmarkt zu erhalten waren.
Außerdem waren die Bäume oft mit Lamettafäden behängt. Manchmal schmückte auch Engelshaar das Bäumchen. Beides, Engelshaar oder Lametta, wurden beim "Ableeren" des Baums fein säuberlich abgenommen, manchmal wurden die Fäden sogar gebügelt und fürs nächste Jahr aufbewahrt. Am Baum brannten selbstverständlich Wachskerzen, rote oder weiße und oben funkelte die "Christbaamspitz". Vor allem nach dem Krieg bürgerte es sich ein, den Baum mit allerlei Naschwerk zu behängen. Die Zuckerkringel und pappsüßen Kringel mussten in der Regel bis zum Abräumen des Baumes am Dreikönigstag hängen bleiben, erst dann durften die Kinder den Baum plündern.
Unter dem Baum stand immer des "Krippela": Keine großartigen Konstruktionen, keine fränkischen Fachwerkhäuser, alpenländische Viehställe oder morgenländische Häuser, sondern meist eine einfache Wurzel aus den heimischen Wäldern oder eine nachempfundene Grotte, die der Großvater aus einem alten Sack gebastelt hatte, den er in Leim getaucht und dann mit Sand und Glimmer bestreut hatte. Zwischen den Festtagen durften die Kinder schon mal mit den Krippenfiguren spielen. Letztere waren oft selbst gebastelt und wurden - wenn nötig - nach den Feiertagen wieder repariert.
Nach Dreikönig verschwanden die Krippe und mit ihr auch die Spielsachen, denn sie wurden für das nächste Jahr aufbewahrt. Das Christkind hatte alles wieder geholt und wenn die Kinder nicht artig waren oder stritten, konnte das sogar schon vor dem Epiphaniasfest der Fall sein.