von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Bad Staffelstein — 17 zahlende Gäste. Ein wenig mehr hätte das Programm am Samstagabend in der Alten Darre schon verdient gehabt. Auch wenn die Höhepunkte verhältnismäßig häufig im zweiten Teil der Veranstaltung lagen. Sibille Friz und Ray Hautmann lieferten zu zweit ihr Programm "Spieglein, Spieglein - Kopfsalat" und am Ende waren sie im Herzen der Zuschauer.
Ray Hautmann spricht nicht eben so, als hätte er eine ausgebildete Stimme. Der Mann ist Nürnberger und das bekommt man zu hören. Aber häufig sind es seine Texte, die als Witz taugen. Er, rotes Sakko und dunkle Hose, sie, Sibille Friz, hingegen mit roter Hose und dunklem Oberteil.
Ganz gegensätzlich, so wie Mann und Frau. Als diese und deren Ansichten traten Frit und Hautmann auch auf, aber nicht plakativ oder Klischees bemühend. Dabei aber doch Alltägliches, Erotisches, die Liebe oder die Großen dieser Welt betrachtend. So wie Else Lasker-Schüler, deren erotisches Gedicht vom Taumeln über des "Leibes goldener Wiese" der Cellistin Friz ein Pizzicato wert war. Doch was war die Seele des Programms? Vermutlich der Gegensatz, nicht immer nur hervorgerufen aus dem Spiel zwischen Mann und Frau. Denn schon Lasker-Schüler äußerte unverblümt den Wunsch nach einem jüngeren Liebhaber.
Von Zeit zu Zeit kam auch Hautmann ins Spiel, der Gedichte und Verse verlas, von denen nicht immer klar war, wer die Urheberschaft hatte. Das ist vielleicht ein kleines Manko des Programms, aber ein verzeihliches. Reizvoll durchaus die Art und Weise, mit der der im Vergleich zu Friz ungeübt wirkende Erzähler die stillen Pointen brachte. Man kann sagen, dass das Duo durch Literatur und Musik vagabundieren ging und immer wieder Überraschungsmomente setzte.


Verjazzte Improvisation

So wie mit der längst vergessenen und eigentlich nie wirklich bekannt gewordenen Thekla Lingen, die 31-jährig im Irrenhaus starb und eine vergnügliche Geschichte um eine erotisierte Haushälterin und deren Vorteilsnahmen ersann. Ihren Rausschmiss wegen Diebstahl kommentierte sie mit "es war eine wunderbare Zeit". Dazu unterhielt Friz gekonnt mit einer verjazzten Improvisation und erstaunte so ein ums andere Mal mit ihrem Können am Cello.
Doch auch Hautmann erwies sich von Zeit zu Zeit an der Gitarre als passabler Instrumentalist. Höhepunkte des Abends waren die erotischen Reflektionen einer Frau, die ihre Waschmaschine gegen einen Mann aufzurechnen beginnt. Oder der vor Augen geführte Einblick in modische Gepflogenheiten Venetiens in Bezug auf hohe Schuhe.
Insgesamt ein lohnenswertes Programm und ein Vagabundieren durch Literatur und Musik, das mehr Besucher verdient gehabt hätte.