Anna Lienhardt

Es ist eine begehrte Immobilie - und das, obwohl sie direkt am Schlachthof liegt. Im typischen Ockergelb des kompletten Areals steht das Haus an der Lichtenhaidestraße, denkmalgeschützt wie der komplette Schlachthof. Oben wohnen zwölf Mieter, unten steht die ehemalige Gaststätte leer - wobei sie in der Vergangenheit immer wieder belebt wurde, und zwar kulturell.
Jüngst hatte es sich der Kurzfilmclub während der Bamberger Kurzfilmtage in dem Altbau gemütlich gemacht, vorher war "Kontakt - das Kulturprojekt" zeitweise für zwei "Schlachthof Weekender" eingezogen. Beide Veranstaltungen waren gut besucht, mehrmals musste wegen großen Andrangs bei knapp 200 Gästen ein Einlassstopp verhängt werden, sagen die Organisatoren. Ihrer Meinung nach sind die alten Gastronomieräume ein idealer Ort für die Bamberger Subkultur.
"Er ist einfach zu bespielen, geeignet für Tanz, DJs, Bands und gleichzeitig Kunstinstallationen. Außerdem hat er architektonisches Flair", sagt Michael Schmitt vom Kontakt-Kulturprojekt. Die ehemalige Schlachthofgaststätte sei auf jeden Fall ein "spannender Veranstaltungsort". Allerdings einer, für den man kämpfen muss.
Zwei Jahre hätten die "Kontakt"-Veranstalter mit dem Immobilienmanagement der Stadt, der das Gebäude gehört, gerungen, bis man die Erlaubnis für maximal drei Veranstaltungen im Jahr bekommen habe.
Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar erklärt dazu, dass dies mit verschiedenen "Schutzrechten" zu tun habe: Brandschutz, Versammlungsrecht und versicherungsrechtliche Fragen müssten geklärt sein. "Bei bestehenden Versammlungsstätten wie Clubs ist das natürlich viel leichter."
Thomas Paulmann von den Kurzfilmtagen ist dankbar für die Vorarbeit der "Kontakt"-Organisatoren. Zwar müsse man für jede Veranstaltung "wieder die komplette Auflagen-Maschinerie" durchlaufen. Doch glücklicherweise könne man auf die Materialien des Kontakt-Kulturprojektes zurückgreifen.
Aus Sicht von Paulmann ist die alte Gaststätte der ideale Ort für den Kurzfilmclub. "Sie hat Charme, ist urfränkisch, gleichzeitig ein bisschen punkig, und sie liegt außerhalb des Sperrzeit-Rings."
Ein Punkt, den auch Michael Schmitt anspricht. In der Innenstadt greift werktags die Sperrstunde um zwei Uhr nachts, am Wochenende um vier Uhr morgens. Außerhalb des Areals gilt die bayernweite Regelung: Um fünf Uhr muss Schluss sein. "Es braucht eine Alternative, die der Morph Club eine Weile war", sagt Paulmann. Er und Michael Schmitt fordern: "Es muss einen Ort geben, an dem alternative Kultur stattfinden kann."
Hoffnungen setzen beide auch in die Lagarde-Kaserne, die die Stadt Bamberg kürzlich vom Bund erworben hat. Dort steckt laut Paulmann in den "riesigen Räumen" viel Potential. Trotzdem: Die Schlachthofgaststätte bleibt ein Wunschkandidat.
Doch was ist eigentlich mit der "Alten Seilerei" in direkter Nähe zur Lichtenhaidestraße? Diese sei bereits "relativ durchgebucht", merkt sogar Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar an. Michael Schmitt und Thomas Paulmann erläutern zudem, dass der Schwerpunkt dort auf Theater-Angeboten liege. Und: "Die Alte Seilerei ist kein Thema mehr, denn Veranstaltungen dürfen nur bis 22 Uhr stattfinden", sagt Paulmann. Das liegt an der unmittelbaren Wohnbebauung auf dem "Schaeffler 2.0"-Gelände.


Wohnungen über Gaststätte

Allerdings liegen auch über der Schlachthofgaststätte Wohnungen. Wie stehen die Mieter zu einer längerfristigen kulturellen Nutzung? Zwei Parteien haben wir stichprobenartig befragt. Andrea Reinhold zum Beispiel äußert sich grundsätzlich positiv. "Ich liebe das, bin mit den ,Kontakt‘-Leuten gut bekannt." Während der Veranstaltungen des Kurzfilm-Clubs sei es allerdings teilweise "etwas problematisch" gewesen, wenn Bands unter der Woche bis in die Nacht gespielt hätten. Doch das ließe sich bestimmt mit Hilfe von besserer Kommunikation regeln.
Das glauben auch Andrea Bauer-Boresch und ihr Mann Thomas Bauer. "Wir unterstützen die alternative Kunst- und Kulturszene und haben bisher gute Erfahrungen gemacht." Bei längerfristigen Veranstaltungen müsste auf deren Vereinbarkeit mit Kindern und Berufstätigkeit geachtet werden. Andrea Bauer-Boresch glaubt: "Wenn die Menschen zusammenarbeiten, funktioniert das." Doch bei aller Zukunftsmusik: Die Entscheidung trifft die Kommunalpolitik. Der aktuelle Stand laut Siebenhaar: Die Stadt verhandelt mit einem am Schlachthof angesiedelten Unternehmen, das die Gaststätte zu Schulungs- und Präsentationszwecken nutzen will.