Der Bayern-Tourismus boomt. So viele Menschen wie noch nie wollen Urlaub auf einem Bauernhof in Bayern machen. Es gibt nur einen bayerischen Bezirk mit Negativtrend: Oberfranken. Der Frankenwald und der Landkreis Kronach setzen diesen Sinkflug fort.
Diese Diskrepanz zwischen einem landesweiten Boom mit Zuwachs der Übernachtungszahlen um über 25 Prozent von 2002 bis 2015 und der Stagnation in den oberfränkischen Mittelgebirgsregionen veranlasste die Bayerische Staatsregierung in ihrer Kabinettssitzung im August 2013, den Kronacher Raum modelhaft mit mehreren Initiativen und Einrichtungen entwicklungspolitisch zu stärken. Hierzu zählten der Aufbau einer an der Berufsschule angesiedelten Tourismusschule für die Ausbildung zum Assistenten für Hotel- und Tourismusmanagement mit allgemeiner Hochschulreife wie auch eine Projektinitiative Agrotourismus.
"Agrotourismus und Tourismusschule haben gleiche Wurzeln", erklärt Klaus Schaumberg, Leiter des Agrotourismus im Frankenwald. Seine Projektstelle an der Kronacher Außenstelle des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wurde zum April 2014 zunächst befristet auf drei Jahre eingerichtet. Ziel sei es, Mittel und Wege zu finden, den Bereich Landwirtschaft touristisch zu nutzen und besser zu vermarkten. Zum Ausbau der Kooperation wurde nun erstmals für die Zeit vom 18. Januar bis 2. März eine gemeinsame Praktikumsstelle geschaffen.
Johanna Schmitt, Schülerin der zwölften Klasse an der Tourismusschule, bewarb sich für diese Stelle und wurde ausgewählt. Begleitet wird sie dabei von der Praktikumsbetreuerin der Schule, Tina Neubauer.
"Mich hat das einfach interessiert", erzählt Johanna, die aus Bad Staffelstein kommt. In ihrem Praktikum habe sie viel Neues gelernt und entdeckt, was sie bislang noch nicht wusste. "Man sieht manches nun mit anderen Augen. Erst jetzt weiß ich eigentlich, was bei uns so alles angeboten wird", betont die Schülerin, die sich bei ihrem Praktikum sehr mit dem Projekt Agrotourismus befasst und dabei die unterschiedlichen Modelle kennengelernt hat.


Wichtige Einblicke

Sie ist überzeugt, dass sie in ihrem Beruf später sehr von diesen Erfahrungen profitieren wird. "Man muss sich ja hier auskennen und den Gästen Auskunft geben können, was es bei uns so gibt", erklärt die Zwölftklässlerin, die nach Beendigung einen Praktikumsbericht anfertigen wird; so sollen auch ihre Mitschüler einen Einblick in diesen Bereich erhalten.
Schaumberg wiederum ist von den Synergieeffekten überzeugt: "Ein Blick von außen tut unserem Projekt immer gut - erst recht von jemandem aus dem Bereich Tourismus." Bis zur offiziellen Genehmigung einer "rechtlich sauber eingerichteten" Praktikumsstelle sei es ein weiter Weg gewesen. Nun aber werde diese Kooperation fortgesetzt. So freut er sich sehr, dass zwischen Ostern und Pfingsten bereits die nächste Schülerin ein Praktikum wahrnehmen wird.
Johanna Schmitt war bei einigen Betrieben vor Ort, bei anderen hat sie einen "Internet-Check" gemacht. Vom Hof Barnickel-Thierauf ist sie beim Rundgang begeistert. Der Hof wurde 1958 von Elisabeth Thieraufs Eltern erbaut. "Ich begann vor 25 Jahren mit zwei Ferien-Doppelzimmern. Mittlerweile habe ich fünf Ferienwohnungen, die sechste habe ich bereits in Angriff genommen", sprudelt es aus Elisabeth Thierauf heraus. Von einem Negativtrend spüre sie nichts.
Bei ihr ist die Auslastung konstant hoch - mit Gästen aus ganz Deutschland, aber auch aus Holland, der Schweiz und Norwegen. Und die Gäste sind aus allen Altersklassen. "Zu mir kommen mittlerweile schon wieder die Kinder von damals, die jetzt selbst Familie haben", verrät sie stolz.


Zeit für die Gäste nehmen

Befragt nach den Gründen, räumt sie ein, dass sie sich als Gastgeberin viel Zeit für ihre Gäste nehme. Da werden beispielsweise schon einmal Klöße gekocht und gemeinsam gegessen. Auch Exkursionen unternimmt sie mit den Besuchern. Zudem hat sie Streicheltiere für Kinder. Dies alles sei mit viel Arbeit und Zeitaufwand verbunden. "Aber das macht auch unheimlich viel Spaß", sagt die Kronacher Ortsbäuerin. Dennoch merkt der Zuhörer ihr die Begeisterung an. Bislang habe sie rund 300 000 Euro in ihre Ferienwohnungen investiert.
"Sicherlich ist auch die Stadtnähe ein Grund dafür, und dass Kronach mit seinem kulturellen Angebot fußläufig zu erreichen ist", ergänzt Schaumberg, warum es auf dem Hof Barnickel-Thierauf besonders gut läuft. Aber der Standort sei es sicherlich nicht alleine. "Hardware und Software müssen passen - also Standort und Gästeangebot", unterstreicht er.
Der Erfolg des Bauernhof- und Landurlaubs hänge von vielen Einflussfaktoren ab. Eine wesentliche Rolle spiele die Kooperation und Vernetzung mit anderen Ferienhöfen und touristischen Akteuren einer Region. Vorbild in Sachen Vernetzung sei das Allgäu. Thierauf sieht es ähnlich: "Dieses Wir-Gefühl wie im Allgäu gibt es bei uns nicht. Wir sind mehr Einzelkämpfer, und die Ferienhöfe sind mehr für sich isoliert. Das muss besser werden."