Gremsdorf — Erster Stopp auf der B 470: auf Höhe des Aldi-Zentrallagers. Langsam rollt die Schlange der Fahrzeuge Richtung Autobahnauffahrt. Das Ziel der meisten ist Richtung Nürnberg. Das ist jeden Morgen so, denn nicht nur Fahrer aus den umliegenden Orten nutzen diesen Weg zur Arbeit.
Täglich davon betroffen ist Silke Herrmann aus Adelsdorf. "Der Stau beim Auffahren ist ärgerlich", sagt sie. Für viel gefährlicher hält sie die Verkehrsituation am Abend, wenn minütlich zig Autos von Nürnberg kommend an der Ausfahrt Höchstadt-Ost auf die B 470 abfahren wollen.


Gefahr für Auffahrunfall

Zum einen bildet sich an der Ausfahrtsspur ein Rückstau in den fließenden Verkehr hinein - mit der Gefahr, dass ein weiter hinten Fahrender die Situation zu spät erkennt und auf das letzte stehende Auto auffährt. Zum anderen ist an der Einmündung die Verkehrslage unübersichtlich, denn die Autoströme werden durch die Ampel an der Autobahnabfahrt aus Richtung Würzburg gesteuert. Vor allem die Linksabbieger auf die B 470 Richtung Adelsdorf haben oft nur ein eingeengtes Sichtfeld, weil Lastwagen wegen der Ampel anhalten müssen und so den Blick auf die Gegenfahrbahn aus Richtung Gremsdorf versperren. Adelsdorfs Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) hatte deshalb zu einem Ortstermin morgens um halb acht, der Zeit der größten Verkehrsströme, eingeladen: Die Landtagsabgeordneten Gabi Schmidt (FW) aus Voggendorf und Alexandra Hiersemann (SPD) aus Erlangen schauten sich um und besprachen die Probleme. Als Fachleute waren Höchstadts Polizeichef Jürgen Schmeißer und Norbert Grüner vom Staatlichen Bauamt Nürnberg (zuständig für die Bundesstraße) sowie Stephan Ried und Thomas Büttner von der Autobahndirektion Nordbayern dabei.
Gremsdorfs Bürgermeister Norbert Walter (CSU) sieht auch die Perspektive von der Westseite her: "Auch die ERH 36 (Schönwetterstraße) ist jeden Morgen voll. Man kann die Phase nach Osten nicht verkürzen", wehrte er einen einseitigen Lösungsversuch durch Abänderung der Ampelphasen ab. "Der Stau ist ein hausgemachtes Adelsdorfer Problem."
Fischkal wies darauf hin, dass bislang nur wenige Familien in das neue Baugebiet am Reuthsee eingezogen seien. Er erwarte in einiger Zeit allerdings eine dadurch bedingte Zunahme des morgendlichen Verkehrs.
Walters Argumentation entzog aber die Beobachtung der vorbeifahrenden Autos die Grundlage. Es überwiegten deutlich die Forchheimer Kennzeichen gegenüber ERH bzw. HÖS. Und: Die Zahl der Bamberger Nummernschilder war unerwartet hoch. Hier mag eine Rolle spielen, dass derzeit die B 505 an der Einmündung in die A 3 wegen Baumaßnahmen gesperrt ist. Bei den Lkws war die auswärtige Herkunft am häufigsten. Vermutlich handelte es sich um Lieferverkehr zu Firmen in der näheren Umgebung und Autobahnauffahrer, nicht zuletzt solche, die die B 470 als Querverbindung zwischen A 73, A 3 und auch A 7 nutzen.
Nach den Zählungen des Staatlichen Bauamts ergibt sich eine deutliche Verkehrsteigerung auf der B 470 zwischen Forchheim und Höchstadt. Seit 2000 stieg die Zahl der täglichen Fahrzeuge von 9000 auf 12 000 an, allerdings ohne Häufung der Unfälle.


Baubeginn erst 2019

Die Situation wird sich mit dem sechsspurigen Ausbau der A 3 entschärfen. Darüber waren sich alle Anwesenden einig. Aber: Baubeginn der 71 Kilometer langen Ausbaustrecke ist ab 1. Januar 2019. Wenn es unglücklich läuft, wird der Bauteil um die Ausfahrt Höchstadt-Ost erst 2024 fertiggestellt.
Dann dürften einige Probleme entschärft sein. Die Brücke wird komplett erneuert, so dass eine dritte Spur für die Linksabbieger nach Nürnberg eingerichtet werden könnte. Sie ist allerdings bisher nicht im Planfeststellungsverfahren. Aus Richtung Nürnberg, so Stephan Ried, soll es etwa auf Höhe des vorhandenen Parkplatzes eine zweite Abfahrt von der Autobahn geben, über die man nur Richtung Osten in die B 470 einbiegen kann. Damit sei das Rückstauproblem auf der Autobahn beseitigt, aber nicht die auf der Bundesstraße.
"Gibt es eine kurzfristige Lösung?", fragte Silke Herrmann nach. An ihr wird gearbeitet, sicherten die Behördenvertreter zu. Sie haben eine Sonderverkehrsschau mit allen beteiligten Fachleuten veranlasst. Zudem wird eine Verkehrszählung per Kamera mit besonderer Beobachtung der Verkehrsströme an den drei Knotenpunkten um die Autobahnabfahrt in den nächsten Wochen durchgeführt.
Die Erkenntnisse daraus übermittelt die Autobahndirektion Nordbayern an ein Fach-Ingenieurbüro, das die Einstellung der Ampel danach überrechnen soll.
"Es ist ein sehr komplexe Symptomatik", betonte Ried. Sein Fachkollege Büttner brachte noch die Idee ein, als Übergangslösung eine Linksabbiegerspur per gelber Markierung zu errichten, so es die Maße des Brückendurchlass es erlauben.