Die Stimmung in der evangelischen Dreieinigkeitskirche in Bad Staffelstein war gedrückt. Kaum glauben konnte man das, was Bezirksheimatpfleger Dr. Günter Dippold vortrug. Vor 400 Jahren wurde eine Bürgerin Staffelsteins, Margaretha Roschlaub, als Hexe hingerichtet.
Akribisch hatte Dippold alle Fakten zusammengetragen, berichtete ausführlich vom Hergang der Hinrichtung und zeichnete ein düsteres Bild der Hexenverfolgung in Oberfranken am Anfang und in der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Der Glaube an Hexen, Hexenmeister und andere Menschen, die sich mit Dämonen und dem Teufel einließen, sei bereits in der Antike und im Frühmittelalter entstanden. Es war so am einfachsten, sich ungewöhnliche Dinge zu erklären. Doch erst im Hochmittelalter verfestigte sich der Gedanke und störte immer mehr Menschen. Krankheiten, schlechte Ernten und andere negative Ereignisse erklärte man sich mit Hexerei und der Ketzerei. Die Hexenverfolgung rechtfertigte man zwar mit Gottesglauben, die Kirche sei aber nie wirklich offiziell daran beteiligt gewesen. Die Kirche forderte lediglich das Vorgehen gegen Ketzer, wobei sie sich auch dabei von Folter und Gewalt distanzierte.
"Es war der 15. Juli 1517. Vor dem Rathaus versammelten sich die 18 Schöffen des Stadtgerichts, unter ihnen die Mitglieder des Stadtrats", begann der Bezirksheimatpfleger seinen Bericht. Der Vogt Michael Spitznagel saß dem Gremium vor, ein erfahrener Beamte, der seine Position schon neun Jahre bekleidete. Der Vogt verlas das vorgefertigte Urteil.
Reihum fragte der Vogt die Schöffen, ob das Urteil rechtmäßig sei, alle bejahten. Der Gnadenzettel wurde verkündet. Das Domkapitel Bamberg als Stadtherr hatte nämlich verfügt: "das sie erstlich enthaubtet und hernach erst der cörper in den aschen gelegt werden solle". Dann zog die Menge vor die Stadt zum Richtplatz, zwischen heutiger Siechenstraße und Unterzettlitzer Straße. Dort enthauptete der Bamberger Henker Erhard Zencker, unterstützt von zwei seiner Knechte, die Frau. Die Delinquentin kniete mit entblößten Schultern und der Henker schlug ihr mit einem Schwert in einem schwungvollen Hieb den Kopf ab. Ein Scheiterhaufen war schon aufgerichtet: sauber aufgeschichtetes Tannenholz, zwölf Festmeter oder mehr, dazwischen Stroh und 18 Reisigbündel. Darauf wurde der Leichnam von Margaretha Roschlaub gelegt und verbrannt.
Als der Scheiterhaufen niedergebrannt war, machten sich der Vogt und ein Ratsherr an die Abrechnung. Insgesamt kamen 144 Gulden und vier Pfennige zusammen, dafür hätte man ein bescheidenes Häuschen bekommen, machte Dippold deutlich. Der größte Einzelposten ging an den Gerichtsknecht für die Verpflegung von Margaretha Roschlaub. Der Henker bekam für Folter und Hinrichtung ein stattliches Salär. Auch die Bürger, die als Schöffen im Einsatz waren, ließen es sich gut gehen. Das Geld, um das es lange ging, brachte die Prozesse im Bambergischen zum Erliegen. Anfang 1619 endeten die Verfahren, die Gefangenen wurden freigelassen.
Mitte 1629 begann unter Fürstbischof Johann Georg Fuchs eine neue Prozesswelle, die wieder von Zeil am Main ausging. Einflussreiche Bamberger Bürger wurden verhaftet. Unter ihnen der Bürgermeister Johannes Junius, der ein einmaliges Zeugnis hinterließ. Er schrieb 1628 heimlich einen Brief an seine Tochter. Diesen Brief gestaltete Monika Schraut vom Dokumentationszentrum in Zeil am Main als Dramolett im Anschluss an den Vortrag, musikalisch unterstützt von Martina Angebrand mit dem Saxophon.