Ein Viertel Jahrhundert ist es nun her, dass der Bamberger Dichter Gerhard C. Krischker sich im Ellertal an die Toskana erinnert fühlte. Es war die Zeit, als in Deutschland das Wort von der Toskana-Fraktion, als leicht abwertende Bezeichnung für die linken Intellektuellen, die dort beim Chianti ihren Sehnsuchtsort fanden, die Runde machte.
Die Fränkische Toskana war wohl mehr das Lebensgefühl als Landschaft. Obwohl, wenn man bei sonnigem Wetter so auf die sanfte Hügellandschaft zu Füßen des Albtraufs schaut, einen schon ein sehr südliches Urlaubsgefühl beschleichen kann.
So nach und nach setzte sich der Begriff "Fränkische Toskana" dann in den Köpfen der Arbeitsgruppen und Gremien durch, die sich in Litzendorf mit dem Tourismus beschäftigten, erinnert sich Bürgermeister Wolfgang Möhrlein (CSU).
Vor rund zehn Jahren war es dann so weit: Die Gemeinde ließ sich den Begriff - der auch anderswo in Franken verwendet wird - für touristische Aktivitäten markenrechtlich schützen und bewarb ihn gemeinsam mit den Nachbargemeinden Memmelsdorf und Strullendorf. Im vergangenen Jahr wurde schließlich ein Tourismuskonzept erarbeitet und die Zusammenarbeit der drei Gemeinden fixiert.
Damit das Ganze nicht irgendwo in der Schublade landet, sondern mit Leben erfüllt wird, wurde zum Jahresanfang 2016 eine Tourismus-Managerin eingestellt. Die heißt Bianca Müller, kommt aus Bad Staffelstein, ist 43 Jahre alt, Diplom-Geographin und bringt viel Erfahrung in Sachen Tourismus mit.
Von Litzendorf, wo sie im Bürgerhaus ihren Hauptsitz hat, stellt sie sich dreierlei Aufgaben. Sie hat dafür zu sorgen, dass die Touristen alle nötigen Informationen über die Angebote erhalten, sie soll die Fränkische Toskana auch außerhalb bekannter und als touristische Marke attraktiv machen, und sie muss die Akteure vor Ort, die Vermieter, Gastronomen, Brauer, Veranstalter etc. unter dem gemeinsamen Toskana-Dach zusammenfinden und -arbeiten lassen.
Die Voraussetzungen für ein gutes Gelingen sind gegeben. "Wir sind an der Schnittstelle zwischen dem Welterbe Bamberg und der Fränkischen Schweiz", stellt Bürgermeister Möhrlein fest. "Wir haben das Beste aus zwei Welten", formuliert es Bianca Müller. Die Fränkische Toskana erreiche sowohl die Städtetouristen als auch die Natur- und Kultururlauber. Deshalb sieht sie die Fränkische Toskana auch nicht als Konkurrenz, sondern als festen Bestandteil des Fränkische-Schweiz-Tourismus. Und auf der anderen Seite setzt sie auf enge Zusammenarbeit mit dem Bamberg-Tourismus.


Online zu Natur und Kultur

Das zeigt sich auch im neuen Online-Portal www.fraenkische-toskana.com, wo künftig möglichst alle Gastgeber online buchbar sein sollen, wobei man auf ein System setzt, das mit dem der Tourismuszentralen Bambergs und der Fränkischen Schweiz kompatibel ist.
Thematisch steht im Jubiläumsjahr des Reinheitsgebotes natürlich das Bier an erster Stelle. Hier verzeichnet Müller zahlreiche ganz konkrete Anfragen. Da ist man, etwa mit dem 13-Brauereien-Weg, schon recht gut aufgestellt. Und das Rahmenprogramm für dieses Jahr ist so breitgefächert wie die fränkische Biervielfalt.
"Den Touristen reicht aber nicht, dass da einfach eine Brauerei steht", meint Müller. "Sie wollen auch ein Erlebnis." Wie man das organisieren kann, darüber wurde beispielsweise in einem Brauereien-Workshop gesprochen. Ähnliche Workshops stehen auch für weitere Themen an, in denen die Tourismus-Managerin die Stärken der Fränkischen Toskana sieht. Natur und Kultur, Kunst und Genuss lassen grüßen.