Männer sind in der Regel kratzig, verschroben, ein wenig skurril und stehen "unter Strom". Aber sie kämpfen sich durchs Leben und gehen ihren Weg. Zumindest bei den Männern aus dem Schwarzwald ist das so. "Kerle unter Strom" hat der Pop-Art-Künstler Hardy Kaiser seine mit einer Motorsäge modellierten Holzskulpturen genannt.
Er bildet damit nicht nur die Charaktere seiner Heimat ab, sondern findet damit auch die passende Assoziation für seine Kunstausstellung in Ermreuth, wo bei den Ferienhäusern Landhoch 3 der Familie Harbrecht die Klimawoche des Landkreises Forchheim eröffnet worden war.
Überhaupt scheint bei diesen Kunstfiguren alles mit allem verknüpft zu sein. Gerade auch um das Thema "Strom" geht es Kaiser. "Jeder kennt die Isolatoren der Strommasten, aber keiner sieht das im Alltag", sagt Kaiser, der die künstlerische Zweckentfremdung solcher Dinge liebt. Die Isolatoren jedenfalls hat er in jeder seiner Figuren integriert.
Und obwohl jede dieser Figuren eine ganz individuelle ist - mal groß, mal klein, breit grinsend oder verschmitzt schauend - sind diese Figuren alle mit einem Stromkabel verbunden. Eine Sonne, bunt bemalt und fröhlich lachend, fängt die Sonnenenergie ein, verteilt diese an die Kerle, die so immer unter Strom stehen. Aber auch diese Aussage hat mehr als nur eine Ebene. "Die Energie muss irgendwo hin. Die Idee im Kopf muss raus, muss ins Material rein", sagt er.
Hier kommen wieder symbolisch seine Kerle ins Spiel, die miteinander verkabelt sind, sich auch gegenseitig mit Energie unterstützen und doch immer einzigartig bleiben.


Im Schwarzwald geboren

Die Idee für die hauptsächlich schwarz-weiß gehaltenen Stromfiguren hatte Kaiser bereits im Jahr 2006, als er seine Galerie noch im Henkerhaus in Nürnberg hatte.
Die Leute wollten, dass Kaiser etwas modellierte, das im Bezug zum Haus steht. Kaiser dachte nach: In eben jenem Haus sind Menschen getötet worden. Wie kann man noch zu Tode kommen? - Durch Strom. So sind die ersten Kerle entstanden. Dass sein Material Holz sein würde, war dem gebürtigen Schwarzwälder klar. "Holz ist ein toller Werkstoff", sagte Kaiser und fährt mit den Fingern über das alte Holz seiner Kerle. Sogar Dachgebälk aus dem Jahr 1875 hat er verarbeitet. Individualität erhalten Kaisers Figuren so allein durch die Spuren der Holzwürmern, die Zeichen der Zimmermänner oder alte Nägel. "Holz ist ein lebendiges Material, das Geschichten erzählt. Wie dies auch Kerle tun", sagt Kaiser.
Nach seinem vierjährigem Grafikdesign-Studium in Freiburg hat er bis vor kurzem noch als Teilhaber in einer Agentur als Grafikdesigner gearbeitet. Aber immer nur die Wünsche der Kunden umzusetzen, befriedigte Kaiser auf Dauer nicht.
Mit künstlerischer Verwirklichung habe das nichts zu tun gehabt, sagt er. "Viele Künstler brauchen einen Broterwerb, der Erfüllung gibt, aber auch Luft im Kopf für die Kreativität lässt", sagt Kaiser, der seitdem als Betreuer für Menschen mit Behinderung arbeitet. Diese Tätigkeit füllt den Künstler aus. Seit drei Jahren lebt der 44-jährige Kaiser mit seiner Frau in Schwaig.


Die Form einer Banane

Schon mit 17 Jahren hat Kaiser damit begonnen, Figuren zu modellieren. Inzwischen zeichnet er auch Comicfiguren. Besonders farbenprächtig sind seine Tikis-Figuren, die an die USA der 50er Jahre erinnern.
Die Gesichter der Tikis sind in Bananenformen gesägt; sie zeigen eine Ananas oder einen Palmwedel. Die Besucher finden die bunten Tikis genau so schön wie die Kerle unter Strom. Im Garten machen sie sich besonders gut; vor allem dann, wenn man sie nachts anstrahlt.