Anette Schreiber

Die Generationenbeauftragte Sina Wicht begeistert sich für das, was sie "sozialen Kit" nennt. Das also, was früher Großfamilien leisteten oder als Nachbarschaftshilfe praktizierte wurde. Den "sozialen Kit" in der Gemeinde verstärkt Oberhaid durch einen finanziellen Beitrag dazu. 10 000 Euro ermöglichen es, die Stelle von Hilmar Wedler um zehn Wochenstunden zu erhöhen. "Herrlich", freut sich Sina Wicht. Neben Memmelsdorf verfügt auch Oberhaid über eine Stiftung, die sich speziell um die Belange der Senioren kümmert.
Schätzungsweise 27 000 der knapp 144 000 Landkreisbewohner sind über 65; bis 2030 werden es wohl 30 000 sein. Tendenz steigend, mit der Folge, dass in diesem Bereich mehr Engagement, mehr "sozialer Kit" nötig wird. Oberhaid stellt bereits Weichen.
Hier gibt es seit nunmehr sechs Jahren die Maria-Betz-Stiftung. Über die ist Hilmar Wedler als "Mitarbeiter zur Förderung der Senioren- und Altenarbeit" 20 Stunden pro Woche beschäftigt, mit "Hand und Herz", wie er sein Motto beschreibt. Wie es der Zweck der Stiftung vorsieht, soll er kirchliche und kommunale Seniorenarbeit koordinieren, Ansprechpartner für die Älteren sein, versteckte Not sehen und diskret Hilfestellung geben, Maßnahmen der Altenhilfe aufbauen, koordinieren und verwalten, dazu auch einen Helferkreis etablieren. Was er tut, ist also in vielfältiger Weise "sozialen Kit" zu entwickeln und anzuwenden, genau da, wo die Angebote der Sozialdienstleister enden.
Man muss zur Stiftung wissen, so führt Hilmar Wedler aus, dass die alleinstehende Landwirtin Maria Betz 2010 im Alter von 89 Jahren verstarb. Sie hatte sehr sparsam gelebt, besaß Anwesen und Ländereien. Deren Erlös sollte nach ihrem Wunsch den alten Menschen der Gemeinde Oberhaid zum Segen gereichen. Bürgermeister und Pfarrer hätten seinerzeit überlegt, so Wedler weiter, wie das am besten erreicht werden könnte. So kamen sie auf die Idee mit der Stiftung. Bei der ist nun Wedler zum Wohle der Senioren tätig.
In der Gemeinde Memmelsdorf, so berichtet Kreis-Generationenbeauftragte Wich, gibt es ein weiteres Modell: die Horst-Bieger-Stiftung. Über die gibt es den Generationentreff Mittendrin, der Angebote für Senioren schaffen und sie mit anderen Generationen vernetzen soll.


Sprechstunde

Hilmar Wedler wiederum steht im Oberhaider Rathaus ein eigener Raum zur Verfügung. Sprechstunde ist hier donnerstags von 8 bis 11 Uhr. Ansonsten ist er aber für die Senioren praktisch jederzeit erreichbar. Mit seinen - offiziellen - 20 Wochenstunden hat er es geschafft, etliches an Strukturen aufzubauen: Der Helferkreis ist inzwischen durchaus ansehnlich.
Das muss er auch sein, denn neben den ganz normalen Alltagshilfen - wie beispielsweise Schnee schieben, Holz schlichten, kleinere Besorgungen erledigen, Fahrten zu Arztbesuchen machen, kleinere Arbeiten im Garten - kann er mittlerweile viele Facetten von Nachbarschaftshilfe organisieren und Angebote gegen die Einsamkeit bieten; darunter Spazier-Treff, Sing-Treff, Therme-Treff, Ausflüge, Bildervorträge, Kinobesuch und sogar ein eigenes Oktoberfest. Als herausragendes Erfolgs-Modell darf jedoch der Mittagstisch gelten.


Schönster Tag in der Woche

"Für viele Senioren ist mittlerweile der Mittwoch zum schönsten Tag der Woche geworden", erklärt Wedler. Angesichts der vielen Aktivitäten wird deutlich, dass die 20 Wochenstunden bei weitem nicht mehr reichen. Besonders stolz ist Weber darauf, Bewusstseinsbildung geschafft zu haben: "Die Senioren in der Gemeinde wissen: Wenn keiner hilft, Hilmar findet einen Weg."
Das ist den gemeindlichen Seniorenbeauftragten Claus Reinhardt, Erika Rudel, Herbert Ramer und Ursula Stark bekannt, und auch, dass Wedler sich weit über seine 20 Stunden hinaus für "sozialen Kit" engagiert. Sie stellten nun den Antrag an die Gemeinde, finanzielle Mittel für die Arbeit der Maria-Betz-Stiftung bereitzustellen. Mit 10 000 Euro, könne man sich nicht nur noch besser vernetzen, sondern habe auch ein gewisses Mitspracherecht. Damit könnte die wöchentliche Arbeitszeit Wedlers um zehn weitere Stunden erhöht werden. Das Ganze zunächst auf ein Jahr begrenzt, danach will man resümmieren und weiterentscheiden.
Die Generationbeauftragte am Landratsamt Bamberg begrüßt jedenfalls die Investition Oberhaids in noch mehr "sozialen Kit".