von unserem Mitarbeiter Mario Deller

Ebensfeld — Wer die Hände tatenlos in den Schoß legt, wird vom stetigen Wandel überrollt. Das mag drastisch klingen, ist aber Fakt. Deswegen nehmen die Ebensfelder nun ihre Zukunft in die Hand, das vorwiegend auf den historischen Kern ihres Wohnortes bezogene Städtebauförderungsprojekt ist im vollen Gange. Hohes Engagement der Bürger war zu beobachten bei der zweiten Dorfwerkstatt im Jugendheim, zu der Bürgermeister Bernhard Storath (CSU) und das beauftragte Planungsbüro Transform am Montagabend eingeladen hatten.

Grundstückseigentümer befragt

Bevor die schätzungsweise 50 Bürger die Zukunft Ebensfelds per Edding mitgestalten durften, stellten Yvonne Slanz und Markus Schäfer vom Planungsbüro Transform erste Ergebnisse der Eigentümerbefragung vor. 95 Grundstückseigentümer im Ortskern waren angeschrieben worden, 66 davon hatten bis dato ihre ausgefüllten Bögen abgegeben, also gut zwei Drittel. "Damit kann man ganz zufrieden sein, eine aussagekräftige Quote", meinte Slanz. Die Auswertung ergab unter anderem, dass 80 Prozent der Häuser selbst genutzt werden und dies überwiegend zum Wohnen. Weit über die Hälfte signalisiert - natürlich nur, sofern die Notwendigkeit gegeben ist - eine hohe bis sehr hohe Sanierungsbereitschaft. Eine nicht unerhebliche Zahl - alleine 15 der teilnehmenden Hauseigentümer - heizt noch mit Einzelöfen, weitere zehn mittels Stromheizungen. "Der Sanierungsbedarf ist also insbesondere im energetischen Bereich durchaus gegeben", interpretierte Markus Schäfer die Zahlen.

Womit Ebensfeld punkten kann

Auch die demografische Entwicklung mit Zunahme der Altersgruppe der über 65-Jährigen wurde beleuchtet. "Ich kann Sie trösten, viele andere Gemeinden in Bayern haben das gleiche Problem", so Schäfer, der gleichzeitig appellierte "hier den Kopf nicht in den Sand zu stecken". Im Anschluss zeigten Slanz und Schäfer von Transform - auch als Ergebnis der ersten Dorfwerkstatt im Mai - die Pluspunkte auf, mit denen Ebensfeld überzeugt, sowie die Aspekte, hinsichtlich derer etwas unternommen werden sollte. Dabei lobten die beiden etwa die touristischen Vorzüge mit der Nähe zum Grünen, das bestehende Vereinsleben und die ansprechende Gestaltung der öffentlichen Räume. Slanz hob ferner auch die vorbildliche Außendarstellung Ebensfelds durch die Internetseite des örtlichen Tourismusvereins hervor. Potenzial sieht das Planungsbüro unter anderem bei der Anbindung der Ortsteile an den Öffentlichen Personennahverkehr. Doch die Vertreter des Planungsbüros mussten gar nicht so sehr den Finger in die Wunde legen, das taten die Bürger bei der anschließenden "Dorfwerkstatt" dann schon selbst.
Es wurden Arbeitsgruppen gebildet zu den Schwerpunkten "Dorfbild und Wohnen", "Verkehr und Mobilität", "Grün und Naherholung", "Lokale Wirtschaft und Tourismus", "Dorfgemeinschaft und soziale Infrastruktur" sowie "Energie". Intensiv diskutierten die Bürger an den Tischen. Die dabei entwickelten Ideen der Bürger, wie die Stärken des Ortes künftig ausgebaut werden können und wie man die Probleme in den Griff bekommt, wurden durch Gruppensprecher schließlich vorgestellt und darüber diskutiert.
So scheinen die Bürger mit der Verkehrssituation an der Hauptstraße alles andere als zufrieden zu sein. Es wurde der Schwerlastverkehr thematisiert und wie so oft in der Vergangenheit der Wunsch nach einer Umgehungsstraße geäußert. Zwiespältig gestalteten sich die Meinungen hinsichtlich der Parkplatzsituation an der Hauptdurchgangsstraße des Ortes. Michael Lieb meinte hierzu: "Wenn es nur darum geht, 100 oder 150 Meter zum Parkplatz laufen zu müssen, dann ist dies noch hinnehmbar." Andere Bürger möchten die Bäume an der Hauptstraße lieber heute als morgen weghaben, weil sie die Sicht behindern und den Platz wegnehmen für zusätzliche Parkplätze. Eine Lösung wurde an diesem Abend erwartungsgemäß nicht gefunden, doch die Fakten liegen jetzt wenigstens auf dem Tisch.

Herausforderungen annehmen

Hinsichtlich der medizinischen Grundversorgung und der derzeit gut strukturierten Kinderbetreuung waren sich die Bürger aber einig, dass man sich hier auf den Lorbeeren nicht ausruhen darf und die Herausforderung der Zukunft annehmen sollte. Und wenngleich der Bau eines Pflegeheims für Senioren in Ebensfeld wegen des nahen Bezirksklinikums kaum umsetzbar scheint, wurde mehr als einmal hervorgehoben, wie wichtig Maßnahmen zur Förderung der Lebensqualität älterer Bürger sind. Beispielsweise wurden mobile Versorgungskonzepte wie ein Lieferservice vorgeschlagen. Für direkt Betroffene sind auch Mobilfunkmasten mehr als nur ein Ärgernis. Ganz abgesehen vom Aspekt der Strahlung könne ein solcher auch sehr laut sein, merkte Gisela Böh in der Diskussion an: "Wenn die Mobilfunkstation lädt, rauscht es gewaltig, auch nachts."
Zwei Stunden lang dauerte die zweite "Dorfwerkstatt". Markus Schäfer fand lobende Worte: "Kompliment, wie engagiert sich die Bürger hier konstruktiv Gedanken machten und mitwirkten."
Dem konnte sich auch Bürgermeister Bernhard Storath nur anschließen. Zusammen mit der Bevölkerung ist er als Gemeindeoberhaupt freilich bestrebt, den Ebensfelder Ortskern "fit" zu machen für die Zukunft. Abschließend gab Yvonne Slanz einen Überblick über die weitere Vorgehensweise hinsichtlich des Projekts "Städtebauförderung" in Ebensfeld: Die Bestandsanalyse wird nun fortgesetzt, es folgt die so genannte "denkmalpflegerische Erhebung" sowie eine erste Konkretisierung von Zielen und Maßnahmen auf Basis der bisherigen Erkenntnisse. Für Herbst dieses Jahres sind dann Informationsveranstaltungen und ein öffentlicher Zwischenbericht angedacht.