Die heimliche Bierhauptstadt Kulmbach, am Zusammenfluss von Rotem und Weißem Main gelegen, ist seit Jahrhunderten ein bedeutendes Zentrum der Braukunst. Bier und Brot waren in Kulmbach schon immer reich vertreten und seit 2015 besitzt die Stadt auf dem Gelände der einstigen Mönchshof Brauerei auch noch ein Gewürzmuseum.
Der Heimatverein Herzogenaurach besuchte am Wochenende das Bier- und Gewürzmuseum sowie die Plassenburg. Die 50 Teilnehmer ließen sich in die Geheimnisse der Braukunst einführen und vom Zauber der Gewürze verführen. "Schmecken, riechen, anschauen und fühlen", so lautet das Konzept im jüngsten fränkischen Museum. Und in der Tat werden hier alle Sinne angesprochen: Düfte, Farben und feinste Geschmacksnuancen von Anis bis Zimt. Gezeigt wurden auch die beschwerlichen Wege, auf denen die Gewürze nach Europa gebracht werden. Dass die Nürnberger Lebkuchen beispielsweise ohne die exotischen Zutaten nicht ihren heutigen Weltruhm erreicht hätten, wissen wohl die Wenigsten. Die Besucher konnten nicht nur schauen und riechen, sondern auch Gewürze anfassen und probieren. Lange Zeit waren Gewürze eine kostbare Handelsware. Im Mittelalter wurde als Lösegeld statt Gold oftmals sogar Pfeffer verlangt. Die Nürnberger Gewürzhändler "Pfeffersäcke" waren daher begehrte Objekte für Straßenräuber und Raubritter.
Unter dem Motto "Wohl bekomm's" konnten die Herzogenauracher Besucher erfahren, wie sich die Braukunst seit dem 16. Jahrhundert in Europa verändert und vor allem verbessert hat: Von den Sumerern über die Ägypter, über Römer und Kelten bis zu den Mönchen im Mittelalter wurde ständig an der Geschmacksverbesserung und längerfristigen Lagerung und Konservierung des Gerstensaftes gearbeitet.
Und weil die Herzogenauracher wissensdurstig sind, durften sie am Nachmittag auch noch die Ausstellungen auf der Plassenburg besuchen: das Zinnfigurenmuseum, die Waffensammlung aus der Zeit von Friedrich II., dem Großen, und das Obermain-Museum boten dabei zahllose Kostbarkeiten aus der Geschichte.
Beeindruckend sind auch immer wieder die 170 Dioramen mit über 300 000 Zinnfiguren, in denen die lokale und die große Geschichte repräsentiert werden. Beispielsweise die Belagerung Kulmbachs durch Nürnberger Truppen am Konradi Tag, dem 26. November 1553. Klaus-Peter Gäbelein