von unserem Mitarbeiter Werner Baier

Hirschaid — Sparen ist seit Jahren für die Marktgemeinde angesagt. Und einige bescheidene Erfolge sind auch schon zu verzeichnen. 325 000 Euro pro Jahr hat laut Kämmerer Christian Kropfelder der Spareifer bislang hervorgebracht. Doch nun hat Hirschaid einige Aufgaben zu stemmen, die einen Kraftakt bedeuten: Der Haushalt 2015 ist nur mit einer Kreditaufnahme von 4,7 Millionen Euro auszugleichen. Um diese Neuverschuldung von der Rechtsaufsicht genehmigt zu bekommen, musste der Marktgemeinderat die Realsteuer-Hebesätze erhöhen. Nach langer Diskussion entschied sich der Rat mehrheitlich für die Steigerung bei der Grundsteuer A und B sowie bei der Gewerbesteuer von 320 auf 360 Prozent. Das Landratsamt hatte dem Markt Hirschaid 370 Prozent nahegelegt.
Auf dieser Basis würde Hirschaid im laufenden Haushaltsjahr 491 500 Euro mehr einnehmen, rechnete der Kämmerer vor. Angesichts der Investitionen (siehe Bericht links) ist die Erhöhung des Gewerbesteuer-Hebesatzes höchst willkommen, gab er zu verstehen. Andererseits schloss der Kämmerer nicht aus, dass die Steuererhöhung "zu einer negativen Beurteilung des Standortes Hirschaid führen könnte".
Um die letzten zehn Prozent auf 370 Punkte wurde heftig gerungen. SPD-Sprecher Josef Haas wähnte sich "an einem der schwärzesten Tage" Hirschaids, weil nun die Hilfs- und Machtlosigkeit des Gremiums deutlich werde. Um die im Landkreis "einmalige und einzigartige Infrastruktur" nicht zu gefährden, müsse der Markt die Realsteuern auf 370 Punkte anheben.
Das Feilschen um eine moderate Lösung eröffnete Dritter Bürgermeister Hans Wichert (WG Sassanfahrt-Köttmannsdorf-Rothensand). Mit seinem Vorschlag, die Gewerbesteuer in zwei Schritten anzuheben, drang er jedoch nicht durch. Peter Dresel (CSU) grollte in Richtung München und Berlin, wo "etwas falsch läuft".

Nachbarn gegen Bebauung

Die Nachricht von Bürgermeister Homann, dass das Landratsamt auch mit 360 Prozent zufrieden wäre, griff Kurt Barthelmes (WG Regnitzau) auf. Dieser Wert lasse sich gegenüber den Firmen noch vertreten. Bei der Grundsteuer schlug Barthelmes vor, nicht über den Kreisdurchschnitt hinauszugehen, "wenn man auf der anderen Seite Geld liegen lässt". Damit verwies er auf das als Bauerwartungsland erworbene ehemalige Vogt-Gelände in Friesen, das nicht verwertet werde, weil einige Nachbarn gegen eine Bebauung seien.
Udo Wüst (Freie Wähler) erwartet eine absolute Haushaltsdisziplin. Ortsteilegoismen oder Klientelpolitik könne sich Hirschaid nicht mehr leisten.
Zweite Bürgermeisterin Elke Eberl (CSU) rief dazu auf, sich auf die Pflichtaufgaben zu konzentrieren und die freiwilligen Leistungen zurückzufahren.