Coburg — Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe im Handwerk ist immens hoch. In den ersten vier Monaten 2014 wurden in Oberfranken bereits 517 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge den Handwerkskammern gemeldet. Das bedeutet ein Plus von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dies liegt sogar über dem bayerischen Durchschnitt: Dort erhöhte sich die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 3,2 Prozent. Im Westen Deutschlands stieg die Zahl um 4,3 Prozent, im Osten um 9,0 Prozent, wie einer Pressemitteilung zu entnehmen ist.

Azubis werden früh umworben

Die Zahl zum Stichtag 30. April liegt über den Ergebnissen der vergangenen Jahre. Sie beweist, dass das Handwerk immer früher um Auszubildende wirbt und dabei Erfolg hat.
Das wird immer wichtiger, denn es gibt immer weniger Schulabgänger in Oberfranken - die Zahl ist im Schuljahr 2014/15 um weitere 0,8 Prozent zurückgehen. "Die Betriebe haben verstanden, dass sie bei sinkenden Schulabgänger- und Bewerberzahlen mit anderen Wirtschaftsbereichen im Wettbewerb um Auszubildende stehen. Sie bemühen sich frühzeitig um geeigneten Nachwuchs", so Thomas Zimmer, Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken. Schon zum Jahreswechsel boten die Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern 14 000 Ausbildungsplätze an, aktuell sind es 30 000. Das sind rund 10 Prozent mehr als im Vorjahr.
Das Handwerk besetzt weiterhin den überwiegenden Teil seiner Ausbildungsplätze mit Absolventen von Haupt- und Realschule. Seit ein Trend zur Akademisierung erkennbar ist, also immer weniger Kinder auf Haupt- und Realschule gehen, aber immer mehr Abitur machen, wirbt das Handwerk auch aktiv um Abiturienten. Mit Erfolg: Der Anteil der Abiturienten unter den Auszubildenden hat sich innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt. 2012 und 2013 profitierte das Handwerk zusätzlich von den doppelten Abiturjahrgängen. 2012 besaßen 5,6 Prozent der Azubis im ersten Lehrjahr im oberfränkischen Handwerk eine Studienzugangsberechtigung, im vergangenen Jahr waren es bereits 6,5 Prozent. Thomas Koller, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, erklärt den Zulauf der Abiturienten: "Auch für sie bietet das Handwerk ausgezeichnete Bedingungen - von der verkürzten Ausbildungszeit bis zu der Möglichkeit, schon frühzeitig Teile der Meisterausbildung zu absolvieren. Attraktiv ist auch die Zahl dualer Studiengänge, die zu Gesellenbrief und Bachelor führt. Sie bieten das, was viele Studierende ansonsten vermissen - den engen Bezug zur betrieblichen Praxis." red