von unserem Mitarbeiter Ralph Bilek

Baunatal/Coburg — Der HSC 2000 Coburg hat endlich seinen ersten Auswärtszähler im Jahr 2015 geholt. Das allerdings mit einer indiskutablen Vorstellung, und letztlich ist der eine Punkt viel zu wenig. Doch das 24:24-Unentschieden beim Ligaschlusslicht GSV Eintracht Baunatal wird sowieso ein Nachspiel haben. Es gab einen Einspruch der Coburger gegen die Wertung des Spiels.

Feldspieler rettete im Tor

Was war passiert? In der Schlussminute wechselte Baunatal Andreas Bornemann als siebten Feldspieler ein, nahm den Torhüter dafür vom Feld. Bornemann wurde dafür mit dem speziellen Torwartleibchen versehen. 18 Sekunden vor dem Abpfiff traf er zum 24:24-Ausgleich. Es folgte ein schneller Anwurf des HSC, Philipp Seitle brachte den Ball mit einer Bogenlampe in Richtung Baunataler Gehäuse. Denn er konnte sich sicher sein - Bornemann konnte noch nicht zum regulären Torwart gewechselt haben oder zurückgeeilt sein. Der Ball senkte sich vor dem Gehäuse des GSV und wurde dann von Dennis Weinrich im eigenen Wurfkreis abgefangen, so die Begründung des Einspruchs im Spielprotokoll. Das hätte aber nur der Torwart oder der siebte Feldspieler machen dürfen, kein "normaler" Feldspieler. Der eigentlich fällige Strafwurf wegen des Vereitelns einer klaren Torgelegenheit wurde jedoch von den beiden Unparteiischen nicht gepfiffen, und die Uhr zählte die restlichen Sekunden bis zum Ende herunter.
Trotz längerer Diskussionen blieben die SR bei ihrer Auffassung, und nach kurzer Beratung entschlossen sich die Verantwortlichen des HSC, gegen die Wertung einen Einspruch einzulegen. Wird diesem stattgegeben, es als "spielentscheidender Regelverstoß" gewertet, dürfte es zu einem Wiederholungsspiel an gleicher Stelle kommen. Das alles wäre nicht nötig, hätte der HSC nur annähernd Normalform erreicht und nicht eine solch schwache Vorstellung geboten. Baunatal darf sich somit fast als moralischer Sieger fühlen.
Allerdings mussten die HSCler beim Tabellenschlusslicht auf ihren etatmäßigen Mittelmann Till Riehn verzichten. Der hatte im Mittwochsspiel gegen Dormagen einen Pferdekuss bekommen. Ein Einsatz war somit nicht möglich, da an ein schmerzfreies Spielen nicht zu denken war. Die Anfangsphase gehörte den Baunatalern, die von gleich drei Ballverlusten der Coburger profitierten und 2:0 führten. Sogar die HSC-Fans waren davon so überrascht, dass sie zunächst das traditionelle Aufstehen bis zum ersten Treffer vergaßen.

Ein toller 8:0-Lauf

Aber nach sechs Minuten kam der Veste-Express ins Rollen, das einzige Mal. Besonders durch Konter nach Ballverlusten im Baunataler Angriff legten die Coburger einen 8:0-Lauf zum 3:9 (14.) hin. Aus dem Spiel heraus gelang einiges nicht. Doch es gab auch tolle Spielzüge, als Dominic Kelm nach mehreren Rochaden im HSC-Rückraum mutterseelenallein am Kreis war.
Aber Baunatal spielte im Angriff nach der Auszeit wieder konzentrierter und halbierte den Rückstand (10:13, 25.). Nach dem 11:13 sah sich dann Jan Gorr zur Auszeit gezwungen. Zu leichtfertig hatten seine Jungs letztlich den Vorsprung hergegeben, waren in der Abwehr dabei ab und an nicht konzentriert genug.

Sehr unkonzentriert

Unkonzentriert ging es auch nach dem Wechsel weiter. Zwar fand mit dem vierten Werfer, Philipp Seitle, im fünften Anlauf der zweite Strafwurf seinen Weg ins Tor, doch ansonsten war es eine sehr zähe Angelegenheit, die der HSC aufs Parkett brachte. Lange konnte man zumindest einen knappen Vorsprung halten. Das lag aber eher an den Baunatalern, die beste Chancen ausließen. Als die Coburger dem aber mehr und mehr "nacheiferten", gelang den Gastgebern nicht nur der Ausgleich, sondern zwischenzeitlich sogar die Führung. In der Schlussphase hatte Coburg zahlreiche Optionen, die Partie doch für sich zu entscheiden, die aber nicht genutzt wurden. Der Rest wird jetzt am "grünen Tisch" entschieden.

Stimmen zum Spiel

HSC-Trainer Jan Gorr: "Wir sind auf Dauer sehr nachlässig in unserer Chancenverwertung geworden und hatten gerade nach der Pause nicht die Qualität, die Partie zu unseren Gunsten zu entscheiden. So wie der Schluss dann gelaufen ist, war es absolut irregulär. Eigentlich wollte ich eine Auszeit nehmen, aber die schnelle Mitte war dann ein probates Mittel, um einen Wurf aufs leere Tor zu bekommen. Dann aber ist ein Feldspieler in die Kiste gelaufen und hat den Torerfolg verhindert."
HSC-Vorstandssprecher Stefan Apfel: "Wir dürfen überhaupt nicht in solch eine Situation kommen. Das war gar nichts, ein großer Schlendrian. Es war eine katastrophale Leistung, da möchte man den Mantel des Schweigens drüberdecken. Wir können besseren Handball spielen, aber das war wohl eine Einstellungssache. Was bleibt, ist ein in meinen Augen klarer Regelverstoß der Schiedsrichter. Sollte der durchgehen, fahren wir zum Wiederholungsspiel nochmal hierher. Schlechter kann es ja nicht mehr laufen."
Jochen Knauer, HSC-GmbH: "Nach Startschwierigkeiten lief es mit dem 8:0-Lauf richtig gut. Gerade nach der Pause hat sich eine gewisse Überheblichkeit eingeschlichen. Dann hast du in der letzten Minute zwei freie Chancen, bringst die aber nicht rein. Gehen die rein, sagst du schlechtes Spiel, zwei Punkte, alles in Ordnung. Den einen Punkt mitzunehmen, reicht uns nicht. Am Ende gab es eine Vereitelung einer klaren Torchance, sogar die Kampfrichter haben es den SR erklärt."