Kloster Banz — Nach seinem in Kirchenmusikzeitschriften viel beachteten 80. Geburtstag im März übernimmt Gustav Gunsenheimer, Schweinfurt, die erste halbstündige Orgelmatinee dieses Jahres am morgigen Sonntag, 1. Juni, um 11.30 Uhr in der Stiftskirche. Er spielt Werke von Rathgeber, Johann Sebastian Bach, Telemann, Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Gottfried Walther, Rinck und eigene Kompositionen.
Gustav Gunsenheimer, der in der Grafschaft Glatz, Niederschlesien, geborene Sohn fränkischer Eltern wuchs in Untermerzbach/Itzgrund auf. Der Komponist, Kirchenmusiker und Lehrer lebt in Schweinfurt, amtiert nebenamtlich an der St.-Lukas-Kirche seiner Stadt seit 1983 als Kirchenmusikdirektor und Chordirektor.

"Fränkischer Singkreis"

Er komponierte geistliche und weltliche Musik, Kantaten, Motetten, Orgelwerke, Kammermusik, Bläsermusik und Orchesterwerke. Er gründete und leitete länger als 50 Jahre den überregionalen Lehrerchor "Fränkischer Singkreis" und ist seit 1970 Initiator und Leiter der Veranstaltungsreihe "Musiktage am Hochfeld" in Schweinfurt. Über seine Kompositionen wurde festgestellt, dass sie sich Wertschätzung weit über Bayern hinaus gerade auch durch ihren Bezug zur Praxis erwarben. So wurden Gunsenheimer viele Ehrungen zuteil. 2004 wurde ihm anlässlich seines 70. Geburtstags die Medaille Soli Deo Gloria - dies ist auch der Leitsatz der kleinen Banzer Orgelreihe - verliehen. Außerdem erhielt er einen Lehrauftrag an der Musikhochschule Würzburg, ist Träger des Bundesverdienstkreuzes, der Stadtmedaille der Stadt Schweinfurt und des Hauptpreises der Stiftung Bücher- Dieckmeyer.
Das Programm wird mit einer kurzen, lebhaften Schlag-Arie in F-Dur des Banzer Benediktinerpaters und Komponisten Johann Valentin Rathgeber eröffnet. Von Telemann erklingt die Choralbearbeitung des Glorialiedes "Allein Gott in der Höh´sei Ehr´" auf zwei Manualen. Carl Philipp Emanuel, von dessen Entwicklung des galanten, empfindsamen Orgelstils Haydn und Mozart angeregt wurden, ist mit zwei feinsinnigen Stücken aus einer Sammlung von Kompositionen für Flöten- und Harfenuhren vertreten, mit den Banzer Registrierungsmöglichkeiten ein Hörgenuss. Nach einem der Romantik zugehörigen Präludium des 1770 geborenen Christian Heinrich Rinck, des "Bachs des 19. Jahrhunderts", folgt abschließend eine unterschiedlich gearbeitete vierteilige Choralpartita Gustav Gunsenheimers selbst über den Osterchoral "Auf, auf mein Herz mit Freuden".
Eine so vielfältige Programmfolge mit teils stilistisch ganz individuellen Werken eines Kreises befreundeter, verwandter oder derselben Lebenszeit angehöriger Komponisten kann unter dem Leitgedanken des Ostergeschehens Zuhörern gewiss Freude machen. rh