von unserem Redaktionsmitglied 
Marco Meissner

Kronach — Ein Ausflug in den Frankenwald sollte für drei Berliner Klassen ein Höhepunkt des Schuljahres werden. Nun endete er in der Klinik. Eine Erkrankungswelle sorgte in der Nacht zum Freitag für einen Großeinsatz im Kronacher Schullandheim, für den Rettungskräfte aus dem gesamten nördlichen Oberfranken und sogar aus Südthüringen alarmiert wurden.
Etwa 25 Personen mussten über Nacht in die Kliniken nach Kronach, Coburg, Bayreuth und Hof gebracht werden, wie Herbert Eisentraudt vom Landratsamt am Freitagmittag berichtete. Allerdings scheint es keine kritischen Fälle unter den erkrankten Kindern, Erziehern und Schullandheim-Mitarbeitern zu geben.
"Es waren drei 5. und 6. Klassen aus Berlin", informierte Eisentraudt in einem Pressegespräch. 76 Kinder und die Erzieher seien in Kronach einquartiert gewesen. Bereits am Donnerstagnachmittag habe es erste Klagen über Erbrechen, Kopfschmerzen und Unwohlsein gegeben. "Erst waren es sechs Betroffene, dann zehn, dann wurden es in immer kürzeren Abständen immer mehr", blickte Eisentraudt auf eine Nacht zurück, die den Rettungskräften viel abverlangt hat.
Bis gegen 4 Uhr am Freitagmorgen seien rund 25 Kinder im Alter von zehn bis zwölf Jahren sowie Erwachsene in die Kliniken der Region eingeliefert worden. Die Ursache für diese Erkrankungswelle war anfangs schleierhaft. Eisentraudt erklärte, man sei zunächst von Lebensmitteln als möglicher Wurzel des Übels ausgegangen, später vom Norovirus. Wie der Kronacher BRK-Rettungsdienstleiter Martin Schmidt zwischenzeitlich feststellte, deutete der fehlende Durchfall bei den meisten Patienten allerdings darauf hin, dass das Virus nicht der Auslöser ist. "Inzwischen wurden Proben von Lebensmitteln gezogen", zeigte Eisentraudt auf, dass die Behörden alle Eventualitäten prüfen wollen. Mit Ergebnissen sei jedoch erst in einigen Tagen zu rechnen, wie sein Kollege David Müller ergänzte. Am späten Nachmittag erreichte uns jedoch eine Meldung des Landratsamts, dass bei fünf der sechs in Bayreuth behandelten Kinder doch der Norovirus festgestellt worden sei. Bei diesem Virus erfolgt die Ansteckung oft über Körperkontakt oder verunreinigte Gegenstände. Die Kinder, die gestern keine Krankheitssymptome zeigten, wurden prophylaktisch auf verschiedene Kliniken in Fahrtrichtung Berlin aufgeteilt, wo sie überwacht werden sollten. Am Samstag sollen ihre Eltern sie abholen können, sofern auch dann keine Anzeichen der Erkrankung zu erkennen sind.
Die weit über 100 Helfer des Roten Kreuzes und des Arbeiter-Samariter-Bundes aus Kronach, Coburg, Lichtenfels, Kulmbach, Wunsiedel und Saalfeld waren bis weit in den Nachmittag damit beschäftigt, die Räumlichkeiten zu desinfizieren und die Schüler in die Krankenhäuser zu bringen.  Seite 9