Gräfenhäusling — Ein ganzes Dorf hat sich herausgeputzt. Überall standen Baugerüste, fast alle Gebäude erhielten einen neuen Anstrich. Man könnte fast meinen, dass ein Wettkampf ausgerufen worden war, wer am Ende wohl sein Anwesen am schönsten hergerichtet hat. Auch die Gemeinde Wattendorf beteiligte sich an diesem "Schönheitswettbewerb": Das Feuerwehrgerätehaus wurde erweitert und energetisch saniert, der Friedhof erhielt ein neues Tor und auch das Friedhofskreuz wurde fachmännisch restauriert. Die Kirchenstiftung Gräfenhäusling verschönerte unter Eigenregie und mit Hilfe vieler freiwilliger Helfer die Außenfassade der Kirche St. Christophorus. Der Grund für diese Emsigkeit im Dorf ist das 125. Gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Gräfenhäusling, das an diesem Wochenende gefeiert wird. Besonders stolz auf die Gräfenhäuslinger Wehr ist auch Altbürgermeister Rudolf Krapp, der die Schirmherrschaft für das Fest übernommen hat.
Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Gräfenhäusling ist in den Unterlagen im Staatsarchiv Bamberg festgehalten: Gräfenhäusling bekam im Jahre 1884 eine Pflichtfeuerwehr mit 29 Aktiven. Die Ausrüstung war besonders dürftig: Man musste sich mit Stroheimern begnügen, die sorgfältig ausgepicht waren, und von denen in jedem Haushalt ein mit Wasser gefüllter Eimer bereitstehen musste. Dazu kamen noch zwei Feuerleitern. Der Anschaffungswert dieser Erstausrüstung ist mit 50 Mark angegeben. Im Jahre 1888 konnte dann eine Handspritzpumpe angeschafft werden, die bis Anfang der 50er-Jahre im Einsatz war und die heute noch erhalten und funktionstüchtig ist. Zwei Jahre später, 1890, wurde die Pflichtfeuerwehr in "Freiwillige Feuerwehr" umbenannt, mit allen Aufgaben, Pflichten und dem gleichen Status, wie wir ihn heute noch kennen.

Die Technik der Zeit

Der ersten Motorspritze, einer TS 4/4, die im Oktober 1953 samt Schlauchzubehör mit einem Kostenaufwand von 2971,60 DM angeschafft wurde, folgte im Jahr 1970 eine moderne TS-8-Tragkraftspritze mit Anhänger, für deren Schlagkraft anstelle der alten "Dorfhüll" die beiden 1968 erbauten unterirdischen Löschwasserbehälter mit einem Gesamtfassungsvermögen von 120 Kubikmeter sorgen. 1973 konnte das neu erbaute Feuerwehrgerätehaus, welches mit viel Eigenleistung errichtet wurde, mit Schulungsraum und Schlauchtrocknungsanlage seiner Bestimmung übergeben werden. Es galt bis in die 1980er Jahre hinein als eines der modernsten Gerätehäuser im Landkreis Bamberg.
1988 wurde die Einsatzbereitschaft der Wehr durch ein motorisiertes Fahrzeug (gebrauchter Ford Transit), das von der FFW Wattendorf abgegeben wurde, noch wesentlich verbessert, da man jetzt wesentlich schneller mit der notwendigen Ausrüstung zum Einsatzort gelangen konnte, und weil das Fahrzeug jetzt auch mit Funk ausgestattet war. Dieses Fahrzeug war immerhin noch bis 2008 im Einsatz. Dann wurde die Anschaffung eines leistungsstarken LF 8-Fahrzeuges notwendig. Man erwarb ein gebrauchtes Fahrzeug mit Mannschaftskabine und Frontpumpe zum Kaufpreis von 7500 Euro.

Tragende Säule im Dorf

Mit der Modernisierung der Ausrüstung hat auch die Einsatzbereitschaft und Ausbildung der Aktiven Schritt gehalten: Die Mitgliederzahl der FFW Gräfenhäusling beträgt aktuell 84 Personen, von denen 54 aktiv und 30 passiv der FFW angehören. Die Freiwillige Feuerwehr Gräfenhäusling ist für die Dorfgemeinschaft der tragende Verein für soziale und kulturelle Angelegenheiten.
Mit der Erweiterung, Aufstockung und Modernisierung des Feuerwehrgerätehauses, die gegenwärtig seitens der Gemeinde und mit vielen freiwilligen Helferstunden in Eigenleistung durchgeführt wird, ist die Freiwillige Feuerwehr Gräfenhäusling auch hier für die Zukunft bestens gerüstet.
Besonders stolz ist die FFW Gräfenhäusling auf ihre Damenwehr, die als eine der ersten im Landkreis Bamberg 1980 gegründet wurde. 1993 wurde auf Initiative des damaligen Kommandanten Werner Düthorn eine Jugendgruppe der Feuerwehr Gräfenhäusling ins Leben gerufen, die damals aus sechs Jugendlichen bestand. Derzeit besteht die Jugendfeuerwehr aus 15 Jugendlichen, sieben Jungen und acht Mädchen. Am heutigen Samstag ab 9 Uhr werden viele Jugendliche aus dem ganzen Landkreis an dem Jugendgaudimarsch unter Leitung von Karlheinz Düthorn teilnehmen. Für die besten Gruppen gibt es gegen 17 Uhr die Siegerpokale.
Ab 18.30 Uhr findet heute mit der Totenehrung und Festansprachen im Festzelt der große Festabend mit den "Islinger Musikanten" statt. Der Sonntag beginnt um 9 Uhr mit dem Festgottesdienst im Festzelt, anschließend Frühschoppen. Um 13.30 Uhr setzt sich der große Festzug mit den 92 angemeldeten Vereinen in Bewegung. Anschließend ist Unterhaltungsmusik mit der Musikkapelle Wattendorf angesagt, die auch schon den Festgottesdienst und den Frühschoppen musikalisch umrahmen wird. Zum stimmungsvollen Festausklang spielen dann ab 18.30 Uhr "Die Stadelhofner on Tour" auf. PD