Im Alten Testament werden Menschen, die ihr Vertrauen auf Gott setzen, immer wieder mit einem Baum verglichen, der an Wasserbächen gepflanzt ist. Aus der Erfahrung Gottes heraus bezieht der Mensch Kraft und Frische.
Das ist ein eingängiges Bild. Wir alle kennen Bäume und die meisten von uns werden sich über ihr Wachsen und Gedeihen freuen. Ich habe in meinem Leben hier und dort schon ein paar Bäume gepflanzt, die Waldbesitzer unter Ihnen sicherlich weit mehr.
Nun wächst ein Baum ja "außen". Nicht das Holz des Stammes, sondern die Rinde ist der Ort des Wachsens. Durch die Rinde wird der Baum nicht nur geschützt, in ihr werden die Säfte transportiert, neue Jahresringe fügen sich hinter der Rinde hinzu. Die Rinde ist der "weiche", der verletzliche Teil des Baumes, schützt ihn aber auch zugleich.
Und auch da scheint mir das Bild vom Baum für menschliches Leben gut zu passen. Es gibt die "festen Teile", unsere Erfahrungen, die Jahresringe. Unser Können, die Sicherheiten des Lebens. Leben, Wachsen und Lernen spielen sich aber eher dort ab, wo wir verletzlich sind.
Jede Freundschaft und Beziehung, jedes Engagement macht uns ein Stück weit verletzlich. Wir öffnen uns und wagen etwas. "Gesunde Härte" würde nicht nur Stillstand, sondern auch Welken bedeuten.
Wer sich in seiner Verletzlichkeit zeigt, wird auch manchmal verletzt. Aber auch hier geschieht die Heilung nicht durch die "gesunde Härte", sondern eben wieder durch die weiche Rinde.
Ich finde es schade, wenn Menschen vor allem Härte zeigen oder zeigen wollen. Dort finde ich kein gesundes Wachstum. Die Kraft aus dem Boden steigt nicht auf in die Höhe.
Gott schenke uns den Mut zur Verletzlichkeit und für unser Leben immer das frische Wasser des Glaubens.
(Peter Bauer ist evangelischer Pfarrer in Burgpreppach.)