Recht kontrovers war die Debatte im Marktgemeinderat, als es darum ging zu beschließen, ob der Markt Gößweinstein der "ILE Fränkische Schweiz Aktiv" beitreten soll oder nicht. Es geht dabei um die künftige Zusammenarbeit im Rahmen der integrierten ländlichen Entwicklung der Gemeinden Ebermannstadt, Gößweinstein, Kirchehrenbach, Kunreuth, Leutenbach, Pinzberg, Pretzfeld, Unterleinleiter, Weilersbach, Wiesenthau und Wiesenttal im Landkreis Forchheim und Waischenfeld im Landkreis Bayreuth. Am Ende stimmte die Ratsmehrheit für einen Beitritt, allerdings gegen die Stimmen der CSU-Räte Georg Lang, Peter Helldörfer, und Dietmar Winkler sowie von JuF-Rat Matthias Wendler.


Vorteile für den Tourismus

Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG) warb eingangs ausdrücklich für einen Beitritt von Gößweinstein, da er vor allem große Chancen sieht, Leerstände zu beleben und zu vermeiden. Aber auch für den Tourismus, die Wirtschaft und die Infrastruktur sei es von Vorteil, wenn sich diese Gemeinden zusammenschließen, um gemeinsame Projekte auf den Weg zu bringen.
Gößweinstein ist bisher Mitglied bei der ILEK A9-Fränkische Schweiz, ein ähnlicher Zusammenschluss von 18 Gemeinden von Creußen bis Igensdorf. "Da haben wir in der Vergangenheit viel bezahlt, aber wenig davon gehabt", so Zimmermann. Mit der neuen ILE verspricht sich Zimmermann für Gößweinstein nun mehr. "Mit vielen Gemeinden im Wirtschaftsband A9 haben wir Null Berührungspunkte und die Gemeinsamkeiten mit Pretzfeld, Wiesenttal oder Waischenfeld sind viel größer", so Zimmermann. Matthias Wendler und Peter Helldörfer jedoch sehen keinen wesentlichen Unterschied in den Handlungsfeldern zum Wirtschaftsband A 9. Helldörfer betonte, dass in der neuen ILE Obertrubach und Egloffstein fehlen. Er habe dort bei den Bürgermeistern nachgefragt und die Antwort erhalten, dass man mit der "A 9" zufrieden sei. Außerdem will man in Obertrubach und Egloffstein die doppelten Kosten für zwei ILEs nicht über sich ergehen lassen. Helldörfer bezweifelt außerdem, ob eine Doppelförderung überhaupt machbar ist.
Hierzu erklärte Zimmermann, dass der Vitalitätscheck 2.0 über das Amt für ländliche Entwicklung gefördert werde und auf Gößweinstein für diesen Check ein Euro pro Einwohner zukäme. "Es wäre dann aber konsequent aus dem Wirtschaftsband A 9 auszutreten", ließ Helldörfer nicht locker. Dann laufe man aber Gefahr dass man die fünf Prozent mehr Zuschuss für die Dorferneuerung und Flurneuordnung in Wichsenstein wieder zurückzahlen müsse, so Zimmermann.
Georg Lang hält den Beitritt für "rausgeschmissenes Geld". "Ich möchte, dass Gößweinstein bei der Stunde Null dabei ist", sprach sich wiederum Jürgen Kränzlein für einen Beitritt aus. Am Ende stimmte die Ratsmehrheit für einen Beitritt zur neuen "ILE Fränkische Schweiz Aktiv" und somit auch, jedenfalls vorerst noch, für eine weitere Mitgliedschaft im Wirtschaftsband A 9.