Glyphosat im Bier hat das Institut für Risikoforschung gefunden. Das mediale Echo war in der vergangenen Woche entsprechend groß. Was mit dem Begriff "Institut" zunächst als wissenschaftlich klang, entpuppte sich auf den zweiten Blick als eingetragener Verein in München - auf diesen Umstand weist Werner Nützel, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands (BBV) hin.
Dennoch ließ die Behauptung des Vereins vor allem zwei Berufsgruppen aufhorchen: die Brauer und die Bauern. "Einen besseren Wirbel als diese Behauptungen im Jahr des Bieres, 500 Jahre Reinheitsgebot, kann man sich nicht vorstellen", sagt Hermann Greif. Er ist Kreisobmann und Pflanzenanbaupräsident für Bayern.
Greif hat sich über das Ergebnis sehr gewundert: "Oberfranken ist das Braugersteanbaugebiet Nummer eins. Glyphosat wird für die Sommergerste nicht verwendet." Allerdings haben der Bund Naturschutz und andere Umweltorganisationen schon seit Wochen eine Kampagne gegen die Wiederzulassung von Glyphosat laufen.


Im eignenen Garten

Ursprünglich ist Glyphosat als Wasserenthärtungsmittel entwickelt worden. Dann bemerkte man auch pflanzenschützende Eigenschaften des Mittels, das als Roundup bekannt war und nun unter vielen Namen erhältlich ist. Viele Menschen verwenden es im eigenen Garten.
Für Greif handelt es sich bei der ganzen Aufregung um eine Hetzkampagne gegen den Agrarkonzern Monsanto und den Genmais. Eine Kampagne, die hier in Oberfranken einfach keinen sachlichen Hintergrund habe. Abgesehen davon, dass der Bauernverband sich immer gegen Genmais ausgesprochen habe und es Freilandversuche längst nicht mehr gebe, wird laut Greif jede mit Glyphosat behandelte Pflanze den Geist aufgeben. "In Amerika ist das anders, denn der dort angebaute Genmais verträgt das Mittel", sagt Greif.


Ganz und gar nicht harmlos

Friedrich Oehme, Geschäftsführer des Bund Naturschutz (BN), hält das Mittel dagegen für nicht ganz so harmlos: "Der Wirkstoff Glyphosat ist ein umfassendes Vernichtungsmittel."
Das Bespritzen der Vegetation mit dem von mehreren Institutionen als wahrscheinlich krebserregendes Mittel eingestufte Glyphosat empfindet der BN-Geschäftsführer als "naturverachtende" Methode. "Wenn man ein Mosaiksteinchen herauszieht, kann es das gesamte System verschieben, was zu unerwarteten Zuständen führen kann", warnt Oehme.
Kreisobmann Greif sieht das anders. Glyphosat sei ein sehr gut untersuchtes Mittel. Er sieht einen "Kriegszug gegen das Mittel", das ein sehr guter Helfer gerade bei Quecken und Unkräutern mit hervorragender Wirkung sei. "Für den Verbraucher ist die Gesundheitsgefahr gleich null", betont auch Nützel. Es gebe keine fränkische oder bayerische Braugerste mit Glyphosat - einfach, weil die Anwendung nicht erlaubt sei.


Intensive Anwendung

Wenn aber Bierbrauer die Gerste von irgendwo aus der Welt beziehen, brauche man sich nicht wundern. In vielen Ländern seien die Umweltstandards deutlich geringer als in Deutschland. Nun ist Glyphosat nicht nur im Bier gefunden worden. "Es ist ein Mittel, das intensiv angewendet wird, in die Lebensmittel dringt und Leben durchdringt", sagt Oehme.
Die Brauer der Region hingegen vertrauen ihren Landwirten. "In Deutschland gibt es nichts Gesundheitsschädliches, da die Kontrollen streng genug sind", sagt Brigitte Greif von der Brauerei Eichhorn. Besorgte Kunden haben sich bei ihr bislang nicht gemeldet. Genauso wenig die anderen Brauereien im Landkreis, die aber alle fast schon damit gerechnet hatten, dass im Jubiläumsjahr des Reinheitsgebots eine "Biersau" durchs Dorf getrieben wird. "Es geht nur um die EU-Entscheidung. Das wird nun alles aufgebauscht", findet Josef Wiegärtner vom Hufeisen-Bräu in Pottenstein. Er rät, auch den Weinanbau einmal zu untersuchen. Dort gebe es nämlich überhaupt kein Reinheitsgebot. "Wenn Unterhosen so sauber wären wie das Bier", sagt Brauer Fritz Hebendanz.


Keinen Richtwert für Bier

Für das Landratsamt Forchheim ist es schwierig, genaue Auskünfte zu geben, da sich über den Wirkstoff Glyphosat selbst die obersten Organe nicht einig sind. Aber es werde verwendet und so könne Glyphosat in Spuren vorhanden sein.
Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit schreibt auf seiner Internetseite, dass aufgrund der Verdünnung im Brauprozess mögliche Rückstände im Bier niedriger sind. Nur: "Für Bier gibt es keinen Richtwert", informiert Oehme. "Wir würden uns doch nicht selbst vergiften", meint dagegen Hebendanz. Die fränkische oder bayerische Braugerste mache laut Greif aber nur 50 Prozent der Gerste aus. Ob die anderen 50 Prozent genauso intensiv untersucht werden wie die Gerste aus der Region, weiß aber auch Greif nicht.