Zum Bericht "Engel strahlen um die Wette" vom 28. November:

Ich schreibe als Stammkundin und mittlerweile Freundin der Glasbläserfamilie Weigelt meine Entrüstung nieder, wie man 2016 mit Familie Weigelt umgeht. Seit 29 Jahren ist Herr Weigelt alle Jahre auf dem Weihnachtsmarkt im Rathaus Forchheim vertreten. Er gehört mit seinen Christbaumkugeln mittlerweile zum festen Bestand des Marktes. Er bereicherte ihn auch mit Vorführungen seiner Glasbläserkunst, eines alten Handwerks, das in seiner Familie über drei Generationen weitervererbt wurde und sicher bald niemand mehr ausüben wird. Er nahm jedes Jahr die weite Anreise von Pressig-Rothenkirchen auf sich. Auch seine Frau und die Kinder haben ihn, soweit sie konnten, im Verkauf unterstützt, sonst wäre das alles gar nicht machbar gewesen.
Seine Frau hat auch noch andere Aufgaben übernommen, sie gestaltete die sehr beliebten Kindernachmittage. Die Kinder durften ihre eigene Weihnachtskugel bemalen, manche kamen jedes Jahr mit Begeisterung. Außerdem gestaltete sie ihre berühmten Schneemänner, jeder anders, jeder ein Unikat. Es gab viele Kunden, die sich jedes Jahr einen neuen raussuchten, es war etwas ganz Besonderes.
Und dann noch die nostalgischen Erinnerungen, die Herr Weigelt aufleben ließ: die alten Formen seines Großvaters, die verschiedensten Vögel, Nikolause, Leuchttürme, Früchte, Engel, einfach alles wie früher - nicht zuletzt die Weihnachtsgurke mit ihrer Geschichte, die Herr Weigelt dazu erzählen kann.
Und jetzt? Das Rathaus wird umgebaut, und es soll kein geeigneter Platz mehr für ihn da sein. Hätte man ihm nicht auch, wie den Künstlern, einen Platz in der Kaiserpfalz geben können? Es ist keine schöne Art, ihn nach all den Jahren, in denen er so zuverlässig seinen Dienst getan hat, so abzuservieren. Was wird seine treue Stammkundschaft dazu sagen?

Heidi Thamm
Bamberg