Stephan Herbert Fuchs

William Shakespeare und Miguel de Cervantes, der englische Dramatiker und der spanische Nationaldichter: Diesen beiden Giganten des Welttheaters widmet der Fränkische Theatersommer seine neue Spielzeit. Hintergrund ist der jeweils 400. Todestag von Cervantes und Shakespeare. "Beide sind für die Weltliteratur und das Welttheater ziemlich wichtig geworden, deshalb sind sie für uns auch eine besondere Herausforderung", sagte Intendant Jan Burdinski bei der Vorstellung des Programms.


Spanischer Klassiker

Der spanische Klassiker "Don Quichotte" (der Theatersommer hat sich bewusst für die französisch-deutsche Schreibweise entschieden) von Cervantes habe seinen Autor weltberühmt gemacht. "Wir wollen das Publikum nach allen Regeln der Kunst verzücken und gleichzeitig in Erstaunen versetzten", so Intendant Burdinski, der gleichzeitig die Textversion mit erstellt hat.
Die komisch-grotesken Abenteuer des Ritters "von der traurigen Gestalt" und seines gutmütigen Knappen Sancho Pansa sollen dabei nicht im Kampf gegen Windmühlen und den Geheimnissen um die sagenhafte Schönheit der Dulcinea von Toboso enden, sondern weit über die bekannten Episoden hinausführen.
Zu sehen ist Don Quichotte in der Inszenierung von Amelie Auer unter anderem im Historischen Museum in Bayreuth (5. Juni), im Rosenthal-Theater Selb (24. Juni), im Förderzentrum St. Katharina in Lichtenfels (23. Juni), auf dem Marktplatz in Betzenstein (20. August) und im evangelischen Gemeindehaus in Pegnitz (21. August).
Zweite Neuinszenierung ist Shakespeares eher selten gespielter Liebesreigen "Verlorene Liebesmüh". Heidi Lehnert will mit diesem wohl sprachwitzigsten Stück des berühmten britischen Poeten zeigen, wie lebendig Shakespeare auch nach 400 Jahren noch immer ist. Burdinski spricht vom "Phänomen Shakespeare" und von einem unglaublichen und auch unerreichten Menschenkenner mit einem frappierenden Blick auf die menschliche Psyche.


Burggut als Bühne

Aufführungen gibt es unter anderem im Burggut in der Waaggasse in Kulmbach (8. Mai), im Historischen Museum in Bayreuth (22. Mai) und im neuen Heckentheater auf der Landesgartenschau in Bayreuth (3. Juli).
Auch in Sachen Musiktheater hat der Theatersommer diesmal wieder viel Neues zu bieten. Zum einen gibt es Frederick Loewes "My fair Lady" als "Kammermusical", was bedeutet ohne großes Orchester, aber mit viel Witz und Selbstironie, das Musiktheater "Orangenmädchen" nach Jostein Gaardner und das Tanztheater "Wenn wir über Schatten tanzen" von und mit Michaela Duhme und Alexander von Hugo. Dieses Stück basiert auf Interviews mit älteren Menschen und soll deren Erinnerungen an Krieg und Nachkriegszeit mithilfe von Jazz- und Swingelementen lebendig werden lassen.
Daneben stehen in dieser Spielzeit auch wieder zahlreiche Wiederaufnahmen auf dem Programm, darunter die Komödie "Zwei wie Bonnie und Clyde" von Sabine Misiorny und Tom Müller, die Komödie "Mondscheintarif" von Ildiko von Kürthy und das Musikstück "Der Blues der Lady" nach der Autobiographie von Billie Holiday. Es gibt mehrere buchbare Angebote, unter anderem ein Bild- und Musiktheater zu Lucas Cranach sowie Stücke, die sich um Themen wie Sucht und Depression drehen.
Nicht vergessen haben die Theatermacher das junge Publikum: in dem Kinderstück "Lilli und der Raabe" von Wilfried Grote soll es darum gehen, was Freundschaft wirklich bedeutet.
Insgesamt besteht das Ensemble heuer aus fast 40 Aktiven, die an über 70 Spielorten in Franken sowie vereinzelt auch darüber hinaus auftreten werden. Insgesamt hat der Fränkische Theatersommer 2015 knapp über 16 000 Zuschauer begrüßen können. "Damit haben wir ein Rekordjahr hinter uns", so Burdinski.
Sämtliche Termine findet man im Programmheft sowie im Internet unter www.theatersommer.de.