VON Daniel Staffen-Quandt, epd

Würzburg — Kordula Geier weiß alles nur aus den Medien. "Im ersten Moment war ich schon ein bisschen verdattert", gibt die Vertriebsleiterin des Würzburger Weingutes Juliusspital zu. Als vor einigen Tagen bekannt wurde, dass die katholische Deutsche Bischofskonferenz die deutsche Messweinordnung ersatzlos gestrichen hat, prasselten die Anfragen auf ihr Weingut nur so ein. Inzwischen herrscht etwas mehr Klarheit: "Fakt ist, dass sich für uns nichts ändert", sagt sie. Das Prädikatsweingut darf weiterhin Messwein herstellen - auch ohne die Verordnung. Ehrenhalber, sozusagen.
Die Sache mit dem Messwein in der katholischen Kirche ist komplizierter als zum Beispiel in den evangelischen Kirchen. Während dort quasi jeder Wein, Most oder auch Traubensaft für die Abendmahlsfeier verwendet werden darf, ist das bei den Katholiken strikter geregelt. Dem kirchlichen Gesetzbuch zufolge muss Messwein "naturrein" sein. Das heißt: Es darf kein Zucker hinein, kein Honig, kein Wasser. "Im Prinzip waren all diese Messweinverordnungen erste Reinheitsgebote für Wein", sagt Geier. So sollte verhindert werden, dass Pfarrer minderwertigen Wein verwenden.

Messwein immer naturrein

Das deutsche Weinrecht stammt aus dem Jahr 1971. "Davor durfte man ziemlich viel", erläutert Juliusspital-Vertriebsleiterin Geier. Sie will es zwar nicht Panschen nennen, aber damals wurden nicht so gute Weine oder auch ganze Jahrgänge mit Hilfsmitteln "aufgehübscht". Bei Messweinen war das auch schon vorher tabu. Sie waren schon immer - gemessen am heutigen Weinrecht - mindestens Qualitäts- oder Prädikatsweine. Diese beiden Qualitätsstufen sind nun nach dem Aus der Messweinverordnung das bindende Kriterium. Land- und Tafelweine am Altar bleiben tabu.
Kirchenrechtlich gesehen hätten katholische Priester ihren Wein für den Gottesdienst bei einem vereidigten Messweinlieferanten kaufen müssen. Tatsächlich achten die meisten Priester darauf schon lange nicht mehr, sagt ein katholischer Geistlicher aus dem Bistum Würzburg: "Man kauft, was einem schmeckt." Wer seine Weine für die Messe beim Juliusspital gekauft hat, war immer auf der sicheren Seite: Denn sämtliche Weine des als Messweinlieferant vom Bistum Würzburg vereidigten Weingutes sind mindestens Qualitätsweine - und somit für die Messe zugelassen.
"Für uns wird sich durch den Wegfall der Messweinverordnung nichts ändern", glaubt Vertriebsleiterin Geier. Schließlich hat das Würzburger Bistum für seine rund 30 Messweinlieferanten mit der Bischofskonferenz ausgehandelt, dass diese auch ohne Prüfungen und Eide ihren Titel weiter ehrenhalber führen dürfen.

Vom Bischof vereidigt

Für Juliusspital-Kellermeister Helmut Klüpfel ist es trotzdem ein Verlust. Er wurde alle paar Jahre aufs Neue vom Bischof vereidigt: "Das war ein schönes Gefühl." Damit wird nun Schluss sein. Nicht aber mit den Qualitätsansprüchen an den Wein. Für diese Qualität sorgen heute vor allem die Vorgaben des Weinrechts. Damit begründen die Bischöfe auch den Wegfall der Verordnung.
Das Juliusspital ist besonders mit Messwein verbunden. Nicht nur, weil es vom Fürstbischof Julius Echter gegründet wurde - zu ihm gehört seit dem Jahr 1918 auch die Ignaz Kolb'sche Messweinstiftung. Der Würzburger Weinhändler vermachte dem Juliusspital damals rund drei Hektar Weinberg in allerbester Lage - mit der Auflage, dass "jedem katholischen Pfarrer auf Verlangen" ein "durchaus naturreiner Wein" zur Verfügung gestellt wird. Rund 20 000 Liter gibt es jährlich vom Messwein-Silvaner von der Lage "Würzburger Abtsleite" und dem Müller-Thurgau vom "Pfaffenberg". Das Gros geht heute nicht mehr an Kirchengemeinden, "das sind nur noch so 20 Prozent", es wird von Privatleuten oder auf Weinfesten getrunken.

Auch bei evangelischen Pfarrern

Der Messwein aus der Stiftung ist auch schon längst keine rein katholische Angelegenheit mehr. Auch evangelische Pfarrer kaufen die Flaschen.