Ein Chor hat Geburtstag und macht anderen ein großes Geschenk. Am Sonntag ließ nämlich der Chor QuerBet in der evangelisch-lutherischen Christuskirche das Publikum teilhaben an seiner Gemeinschaft und seiner Liebe zur Musik. "Wir sind ein Wohlfühlchor", so Chorleiter Friedrich Flierl, der fast von Anfang an den Chor dirigiert.
Die 20 Jahre, die der Chor nun besteht, wurden in einem großen Jubiläumskonzert gebührend gefeiert. Dafür lud QuerBet andere Sänger ein, mit ihnen gemeinsam das Paulus-Oratorium von Siegfried Fietz zu singen. Der Chor, der sonst 25 bis 30 Sänger zählt, wurde so auf über 50 Stimmen erweitert. Außerdem erarbeitete Darius Rossol mit einigen Sängern - darunter auch einigen von QuerBet - in einem Gospelworkshop verschiedene Stücke für das Konzert. Sie seien sozusagen die "Vorband", sagte Rossol.
Mit fröhlichen Liedern brachte der Gospelchor Bewegung ins Publikum. QuerBet stellte sich vor dem Oratorium mit einigen Stücken noch einmal "solo" vor und sang Flierl ein selbstgedichtetes Ständchen. Damit bedankten sich die Sänger für seine Geduld und sein ehrenamtliches Engagement. Sie schenkten ihm ein reißfestes Seil, das symbolisch für seinen besonders starken "Geduldsfaden" stand.


Taktstock übergeben

Schwungvoll und mit sattem Klang erlebte man den Chor beim Paulus-Oratorium. Pfarrer Heinz Geyer erinnerte vorab an die Geschichte des Paulus. Das Oratorium selbst war getragen von Hoffnung und der Botschaft der Liebe Gottes. "Liebe ist das Größte, für den, der Hoffnung glaubt", sang der Chor. Wunderbar gestalteten die vielen Solisten ihre Auftritte. Zwar hatte Flierl das Oratorium einstudiert, überließ aber für das Konzert Rossol das Dirigat, um selbst in den Reihen der Chorsänger zu stehen. Die Band, bestehend aus Thomas Bähr am Klavier, Joe Baer am Bass, Jonathan Baer am Schlagzeug und Susi Schliefer mit der Querflöte, ergänzte den Chorklang.
Vor 20 Jahren sah das Chorleben noch ganz anders aus. Den Anfang bildete 1996 eine Gemeinschaft junger Eltern, die gerne zusammen sangen, darunter auch Flierl und der damalige Pfarrer Rainer Horn. Als QuerBet mit etwa 14 Leuten gegründet wurde, sangen sie die Lieder zunächst einstimmig, erzählte Flierl, denn viele hätten bis dato noch nie in einem Chor gesungen. Heute ist es für sie selbstverständlich, vierstimmig zu singen. Sie können auf viele erfolgreiche Konzerte und gemeinsame Unternehmungen zurückblicken, darunter viele Chorfreizeiten und Workshops. "Das Besondere an dem Chor ist die gute Gemeinschaft", meinte Flierl. "Eine richtige Chorfamilie sind wir geworden."
Im Repertoire hat der Chor moderne christliche Lieder, singt aber auch klassische Kirchenliteratur und afrikanische Lieder. "Es gibt eine ganz große Verbundenheit mit Tansania", so Jutta Schelder, die seit 20 Jahren mitsingt. Daher reiste der Chor im letzten Jahr dorthin, nahm dort sogar an einem Wettbewerb teil. Viele Chöre haben mit Nachwuchsmangel zu kämpfen. Was macht QuerBet so erfolgreich? "Die Chormitglieder gehen aufeinander zu", erklärte Pfarrer Geyer, der selbst mitsingt. Man interessiere sich füreinander, feiere Geburtstage zusammen. Durch Workshops oder Projekte wie das Paulus-Oratorium kämen neue Interessierte dazu, von denen einige im Chor bleiben wollen.


Fremde werden zu Freunden

Gleichzeitig gebe es auch einen "großen Grundstock" langjähriger Mitglieder, so Schelder. Darunter auch einige Ehepaare wie sie selbst und ihr Mann. "Man verbringt so gemeinsam den Abend." Miteinander zu singen, bringt Familien und Freunde einander näher, macht Fremde zu Freunden.
"Das Singen in der Chorformation ist sicher eine der ursprünglichsten Formen des Musizierens", darauf wies die Bürgermeisterin Christine Frieß hin. Das Repertoire möge sich zwar im Laufe der Zeit verändern, nicht aber die Freude am Musizieren in der Gemeinschaft. Eine Freude, die sich auch auf diejenigen überträgt, die dem Chor zuhören.