Die Amtseinführung von Gerhard Koch als Prädikant bildete das Zentrum des Festgottesdienstes, mit dem die Frühjahrssynode des evangelischen Dekanats eröffnet wurde. Am Nachmittag befassten sich die Synodalen mit der "Barmer Erklärung", mit der unter Umständen der Grundartikel der Kirchenfassung ergänzt werden soll, ohne den Bekenntnisstand der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern zu verändern.
Den liturgischen Teil des Festgottesdienstes gestalteten Dekan Jürgen Blechschmidt sowie die Synodalpräsidenten Gisela Schott und Gerhard Koch. Dazu spielten der Kleine Bezirksposaunenchor (Dirigent: Jürgen Koch) und Dekanatskantor Matthias Göttemann, Orgel.
 


Urgestein

Zur Amtseinführung von Gerhard Koch würdigte Blechschmidt ihn als "Urgestein der kirchlichen Arbeit im Dekanat Rügheim", stellte dessen Funktionen in der Kirchengemeinde Wetzhausen, im Dekanatsbezirk und bei der Diakonie heraus. Zudem fungierte Koch als Festprediger, der seinen Ausführungen einen Abschnitt aus dem Korintherbrief zugrunde legte.
Den Bericht des Präsidiums teilten sich der Dekan und die Synodalpräsidenten. Bei der Personalsituation im Pfarrkapitel hat sich seit Herbst 2015 nichts verändert: Die beiden Pfarrstellen Westheim und Ermershausen bleiben unbesetzt. Die Hoffnung, dass die Vakanz durch einen Pfarrer beendet wird, hat sich nicht erfüllt.
Das Thema der Lutherdekade heißt heuer "Reformation und die Eine Welt"; daher sollen zwei Gäste aus den Partnereinrichtungen in Mafinga im Süden Tansanias eingeladen werden: der Rektor der kirchlichen Berufsschule sowie die Leiterin des kirchlichen Waisenhauses.
Aus der Landeskirche ist zu berichten, dass die Landessynode bei ihren jüngsten Tagungen eine Vorsteuerung - sprich: Deckelung - des landeskirchlichen Haushalts beschlossen hat, um die Finanzen für die Zukunft zu sichern. Da mit einem starken Rückgang der Kirchensteuereinnahmen zu rechnen ist, und die tariflich bedingten Lohnkostensteigerungen in den Kirchengemeinden nicht abgefangen werden können, bleibt zu befürchten, dass es künftig für die Sachkosten weniger Geld gibt. Landessynodaler Robert Glenk erklärte die Hintergründe, konnte aber, wie deutlich wurde, letztlich die Bedenken der Anwesenden nicht zerstreuen.


Termine 2016

Abschließend wies das Präsidium auf Termine hin. So ist Anfang Mai in Königsberg der Dekanatskirchentag; er trägt das Motto "Im Licht des Evangeliums" und spannt den Bogen von dem Königsberger Reformator Balthasar Düring bis zu aktuellen Fragen und Themen. Mitte Oktober ist die Herbstsynode und Ende Oktober traditionell der Festgottesdienst mit Dekanatsempfang.
Zuletzt gab Blechschmidt den Haushaltsplan 2016 den Synodalen zur Kenntnis und stellte ihn in groben Zügen vor.


Barmer Erklärung

Der Dekan beschrieb die Entstehungsgeschichte der "Barmer Theologischen Erklärung", ehe Pfarrer Karl Eberlein mit seinem Impulsreferat "Zur aktuellen Bedeutung der Barmer Erklärung" auf die Gruppenarbeit einstimmte.
An sechs Thesen stellte der Referent die Grundaussagen dieser Bekenntnisschrift vor. Die Bekennende Kirche protestierte vor rund 80 Jahren gegen die Formulierung der Deutschen Christen, dass im Führer Christus als Erlöser im deutschen Volk mächtig geworden sei. Hitler wurde da zur göttlichen Offenbarung stilisiert. "Es ging damals wie heute um die religiöse Toleranz als wechselseitige Zumutung", so Eberlein zur ersten These. Die zweite stellt die Frage "Wer sind die herrenlosen Gewalten unserer Zeit und welche Opfer bringen wir ihnen?" Gottes Zuspruch ermögliche eine gelassene Lebenshaltung, setze Kräfte frei für gute Werke, wie es hieß. In der dritten und vierten These dreht sich alles um die Orientierung der Kirche an staatlichen Strukturen. Fragen wie "Welche Form von Macht ist in der Kirche menschendienlich oder welche Machtgefüge blockieren kirchliche Arbeit?" stehen dabei im Vordergrund.
Im Blick auf die fünfte These stellte der Referent klar: Wo im "Dritten Reich" der alles bestimmende Staat das Sagen hatte, drohen in der Gegenwart "totalitäre Tendenzen eines deregulierten Marktes" (Eberlein). Schließlich trägt die letzte These die Botschaft von der freien Gnade Gottes als zentrale Aussage. Das Evangelium Jesu befreit den Menschen aus selbst- und fremdverschuldeter Unmündigkeit und Abhängigkeit. Daraus folgert zwangsläufig: "Was können wir als Kirche tun, damit Menschen spüren, dass die freie Gnade Gottes in der Welt am Werk ist?"
In Gruppengesprächen diskutierten die Teilnehmer und stellten danach Ergebnisse vor. Der Schlussandacht legte Blechschmidt ein Wort aus dem Korintherbrief zugrunde und bekräftigte, dass die Zusage der Gnade und Liebe Gottes Aufgabe und Herausforderung ist.