Anette Schreiber

Bis Jahresende haben die rund 3300 Menschen der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Steinfeld noch ein Standesamt. Das heißt, so lange können sie Geburten, Todesfälle und Eheschließungen beurkunden lassen. Danach müssen sie dafür ins Scheßlitzer Rathaus. Grund für die "Abschaffung" ist ein rein wirtschaftlicher. Die Auslagerung kommt günstiger, sagt die Mehrheit der Mitglieder der Versammlung der Verwaltungsgemeinschaft (VG). Auf der Basis eines 6:2-Votums hat sich die VG zu diesem Schritt entschlossen. Für VG-Vorsitzende Gisela Hofmann ist es ebenso wie für ihren Wattendorfer Bürgermeister-Kollegen Thomas Betz eine naheliegende Entscheidung. Stadelhofens Gemeindeoberhaupt Ludwig Göhl freilich sieht die Sache etwas anders.
Die Geschichte der nun beschlossenen Neuerung geht auf den Wechsel des vorherigen Geschäftsleiters zurück. Der war zugleich Standesbeamter. Zusammen mit einer weiteren Standesbeamtin hatte die VG bis dahin die für die Größe vorgeschriebene Zahl von zwei Standesbeamten. Die neue Geschäftsleiterin Maria Waldhäuser hat verwaltungstechnisch wohl eine Vielzahl von Tätigkeiten kennengelernt und ausgeübt. Lediglich war sie keine Standesbeamtin. Dafür bedarf es einer umfangreichen und entsprechenden Schulung, die in regelmäßigen Abständen aufgefrischt werden muss. Eine kostspielige Angelegenheit, gibt Gisela Hofmann zu verstehen. Die Auslagerung nach Scheßlitz kostet ungleich weniger. Aus dem Landratsamt erhielt die VG den Tipp, dass man Standesamtstätigkeiten durchaus auslagern könne. "Dann haben wir das Rechnen angefangen", sagt Gisela Hofmann. Summa summarum 15 000 Euro für etwa 20 Beurkundungen im Jahr, das ist Wattendorfs Bürgermeister Betz doch zu teuer. "Wir haben gut überlegt", sagt er. Man müsse sehr viel Software und Human Capital vorhalten. Die regelmäßigen Ausbildungs- und immensen Hardware-Kosten - das stehe in keinem Verhältnis. Die Komplexität der Fälle nehme zu, weniger Fälle dauern länger.
Das sieht auch die VG-Vorsitzende so. Die meisten Sterbefälle werden dort beurkundet, wo der Bürger gestorben ist - also in der Gemeinde, wo Altersheim oder Krankenhaus ansässig seien. Die Zahl der Hausgeburten sei extrem niedrig. Für heiratswillige Paare dürfte es kein Problem sein, ihr Aufgebot in Scheßlitz zu machen, findet Gisela Hofmann. Zudem sei das Scheßlitzer Standesamt "sehr gut besetzt" , hier arbeiteten genügend Standesbeamte. Die laut Auskunft aus dem dortigen Rathaus zwar viel zu tun, aber durchaus die erforderlichen Kapazitäten haben. Scheßlitz habe der Verlagerung überdies zugesagt, so Gisela Hofmann.


Vier Trauorte

Standesamtlich trauen lassen können sich die Paare nach wie vor in den vier gewidmeten Trauorten der VG Steinfeld: im Königsfelder Rathaus sowie im Königsfelder Pfarrsaal, im Stadelhofener Rathaus in Steinfeld und im Wattendorfer Rathaus. Alle drei Bürgermeister dürfen Trauungen durchführen. Gisela Hofmann stellt klar, dass die Auslagerung des Standesamtes Pass- oder -Einwohnermeldeamt nicht betrifft.
Betroffen zeigt sich Stadelhofens Bürgermeister Göhl von der anstehenden Änderung. "Ich finde es schade, man gibt ein Stück Identität und Heimat leichtfertig auf." Die Kostengründe mag er nicht gelten lassen: "Verwaltung wird sich nie rechnen." Das Standesamt aufgeben gehe schnell, so Göhl, "aber zurückholen", da sei eine Chance vertan. In der VG-Versammlung habe er eine namentliche Abstimmung beantragt. Seiner Ansicht nach gehöre das Standesamt zu einer VG. Dieses aufzugeben, sieht er als einen ersten Schritt dahin, "von großen Gemeinden geschluckt zu werden."