Nicht nur das Freischießen konfrontiert die Polizei vor dem Hintergrund der jüngsten Gewalttaten in Bayern mit neuen Herausforderungen. Der Leiter der Kronacher Inspektion, Uwe Herrmann, sprach mit unserer Zeitung über die Sicherheits- und die Stimmungslage in der Region.

Wirken sich die grausamen Ereignisse der vergangenen Wochen auch auf die Polizei im ländlichen Raum aus?
Uwe Herrmann: Es gibt immer eine objektive und eine subjektive Sicherheitslage; objektiv hat sie sich nicht verändert, subjektiv schon, denn die Geschehnisse rücken näher an uns heran. Das ist in den Köpfen drin - auch bei einem Polizei-Dienststellenleiter. Man fragt sich: Wie groß ist die Gefahr für mich persönlich? Aber die Gefahr ist wesentlich größer, dass mir bei einem Verkehrsunfall etwas passiert als durch einen durchgeknallten Amokläufer. Wie viele sterben alle Jahre im Straßenverkehr, wie viele kommen durch Terror ums Leben? Am Steuer blendet man diese Gefahr jedoch aus Gewohnheit aus. Dennoch muss man die neue Gefährdung durch den Terror natürlich auch im Hinterkopf haben.

Wird die Angst vor derartigen Gewalttaten wieder abebben?
Die jüngsten Ereignisse überlagern selbstverständlich alles. Ich hoffe jetzt vor allem, dass es keine Nachahmungstäter gibt. Wenn es eine längere Zeit ruhig bleibt, dann wird so ein Thema in den Köpfen auch wieder abgelegt.
Kann man Einzeltätern als Polizeiinspektion überhaupt vorbeugend begegnen?
Man muss alles tun, um die Sicherheit zu erhöhen, das gilt zum Beispiel auch für das Kronacher Freischießen. Eine 100-prozentige Sicherheit kann man aber nicht gewährleisten. Richtig Durchgeknallte lassen sich schwer aufhalten. Es wird aber Maßnahmen geben, um die Sicherheit zu erhöhen.

Muss die Polizei angesichts der Festlichkeiten mit einem überregionalen Stellenwert im Landkreis Kronach hierfür ihre Strategie grundsätzlich ändern?
Das Problem ist, ich kann nicht jede Veranstaltung mit vielen Polizeikräften besetzen. Die Grenze hierfür wurde in Bayern jetzt bei 2000 Besuchern gesetzt. Wie man solche Einsätze jeweils ausgestaltet, muss man im Einzelfall sehen. Kleinere Veranstaltungen einzubeziehen, dass würde schon von unserer personellen Kapazität her nicht klappen.

Was ist aus Ihrer Sicht momentan schlimmer: die Gefahr, dass es auch in kleineren Städten zu Zwischenfällen kommen könnte, oder Angst und Panikmache in der Bevölkerung?
Ich erachte das Zweite für schlimmer. Ich fände es fatal, wenn jetzt - wie zum Beispiel beim Hofer Volksfest geschehen - reservierte Plätze wieder abgesagt würden. Es würde eine Einbuße an Lebensqualität und Freiheit bedeuten, wenn sich die Menschen wegen der jüngsten Ereignisse ein Fest vermiesen ließen. Eine Gefahr ist natürlich nicht ganz auszuschließen. Aber wie gesagt: Die ist auch beim Autofahren da, und wir setzen uns trotzdem jeden Tag wieder ans Steuer.

Das Gespräch führte Marco Meißner