Christiane Reuther

"Nehmt Kinder auf und ihr nehmt mich auf", so lautet das Motto des Weltgebetstages. In über 170 Ländern findet die größte ökumenische Laienbewegung von Frauen jedes Jahr am ersten Freitag im März statt. In Knetzgau wird der Tag seit gut 20 Jahren von den Frauen der katholischen und evangelischen Gemeinde gestaltet, diesmal bereits am Donnerstagabend im Pfarrsaal. In dem Gottesdienst zeigten sich die Knetzgauer Frauen verbunden mit den Sorgen und Hoffnungen der Frauen aus Kuba.
Anregungen für die Gebete hatten sich je drei katholische und evangelische Frauen bei einem Treffen in Hofheim geholt, wie Marianne Mergenthaler vom Frauenkreis Knetzgau erklärte. Die Mitte des Saales hat die Frauenkreisvorsitzende Helga Weinkauf liebevoll dekoriert. Die kubanische Flagge, eine Palme, bunte Blüten, eine Flasche Rum, ein Korb mit exotischen Früchten und Zigarren aus Havanna ließen einen Hauch von der größten Insel der Karibik erahnen. "Der Weltgebetstag wird immer sehr gut angenommen", berichtete Marlene Einbecker vom Vorbereitungsteam. Katholische und evangelische Frauen trugen abwechselnd die Gebetstexte vor.
"Kuba ist ein Land im Wandel", erklärte Pfarrerin i. R. Elfi Trautvetter-Ferg. Bei der Vorbereitung vor vier Jahren hätte keiner gedacht, dass sich das Land öffnen würde. Die frühere Pfarrerin (Westheim/Eschenau) ging auf Land und Leute ein.
Die Gebetstexte spiegelten, wie sich der Kampf um nationale Souveränität durch Kubas Geschichte und Gegenwart wie ein roter Faden zieht. Viele christliche Frauen halten am Glauben fest, auch wenn sie diskriminiert werden. Frauen und Männer sind rechtlich gleichgestellt. Frauen arbeiten in qualifizierten Berufen und Leitungspositionen. Wirtschaftskrise, Überalterung der Bevölkerung und traditionelle Geschlechterbilder tragen zur Mehrfachbelastung der Frauen bei.
"Informiert beten - betend handeln", das Motto des Weltgebetstages verdeutlicht die Einheit von Spiritualität und Engagement für Gerechtigkeit. Die Kollekte fiel großzügig aus und setzte ein Zeichen gelebter Solidarität. "Es ist immer ein schöner Abend", freute sich Johanna Diem in gemütlicher Runde. Bei Suppe, Bohneneintopf und süßen Teilchen, angelehnt an die kubanische Küche, sowie einer Tasse Tee kam für die 85-Jährige der soziale Aspekt des Weltgebetstages keinesfalls zu kurz.