von unserer Mitarbeiterin 
Christiane Reuther

Eschenau — Auch wenn es das Schicksal nicht immer leicht meinte, ließ sich Maria Gotthardt nicht unterkriegen. Dieser Tage konnte die rüstige Seniorin im Kreise ihrer Familie 90. Geburtstag feiern. Die Familie und die Arbeit sind wohl ihr Jungbrunnen, wie Maria Gotthardt im Rückblick erzählt.
Maria Gotthard geborene Maiß ist mit acht Jahren aus dem mittelfränkischen Igelsdorf mit der Familie nach Eschenau gezogen. Dort hatten die Eltern die Gastwirtschaft in der Dorfmitte erworben und mit der dazugehörigen Landwirtschaft betrieben. Nachdem der Vater schon sehr jung tödlich verunglückte, zog die Mutter mit ihren Kindern ins Nebenhaus.
Bevor sich Maria Gotthardt zur Krankenschwester - die damals "Braune Schwester" genannt wurde - ausbilden ließ, verbrachte sie ein "Landjahr" in Sulzheim. Es folgte ein Auslandsaufenthalt in Österreich. Durch die Kriegswirren war sie bei Bekannten in der Alpenrepublik untergebracht, wurde schwanger und ist nach einem halben Jahr nach Eschenau zurückgekehrt. Ihre kleine Tochter hatte Maria bei der Mutter untergebracht, um sich in Haßfurt ihren Lebensunterhalt in der Gastronomie zu verdienen.


Die Ärmel hochgekrempelt

Dann lernte sie ihren Ehemann Fritz kennen und zur kleinen Tochter gesellten sich noch fünf Mädchen und ein Sohn. Die Familie ist mittlerweile um 13 Enkel und 16 Urenkel weiter angewachsen.
1961 hatte die Familie Gotthardt die Gaststätte in der heutigen "Galerie im Saal" in der Dorfmitte von Eschenau übernommen und betrieben. Doch dann folgte der nächste Schicksalsschlag: Ehemann Fritz starb mit 58 Jahren.
Als Kämpfernatur ließ sich Maria Gotthardt nicht unterkriegen, krempelte die Ärmel hoch und ging mit Elan als Gastronomin ans Werk. Der Neuzeit aufgeschlossen, hatte sie damals schon eine Musicbox und einen "Kicker" aufgestellt. So war Maria Gotthardt - "in Eschenau bei Mutti" - bei Jung und Alt ein Begriff in der gesamten Region. Doch lange konnte sie die eigene Wirtschaft nicht aufrechterhalten und ist in ein Haus gezogen, das sie geerbt hatte. In diesem wohnt sie heute noch mit der Familie der Tochter unter einem Dach und versorgt sich selbst. Nach Aufgabe der Gastronomie verdiente sie den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder bis zum Eintritt in den Ruhestand bei der Firma "Maintal" in Haßfurt.
Die Leidenschaft zur Gastronomie konnte die Jubilarin zeit ihres Lebens nicht ablegen. Regelmäßig war und ist sie auch heute noch bei den Gästen in der von der Familie der Tochter geführten Gaststätte Löbl gern gesehen. Als Kuchen- und Tortenbäckerin war und ist die rüstige Seniorin sehr gefragt. Nicht nur als "Thermi-Goldi" in Bad Staffelstein, sondern auch mit Qi-Gong hält sie sich körperlich fit. Ihre Blumenpracht schätzt eine persönliche Ansprache.
Das Gefühl, gebraucht zu werden, ist für die 90-Jährige besonders schön. "Ich werde von allen akzeptiert", erzählte sie mit Stolz. Vor allem der Ehrenname "Mutti" erfüllt sie mit Freude. Zum Ehrentag gratulierten stellvertretender Landrat Oskar Ebert und Knetzgaus Bürgermeister Stefan Paulus.