von unserem Mitarbeiter Manfred Wagner

Haßfurt — Die sieben Hanfpflanzen mit den verräterisch gezackten Blättern standen gut versteckt im Dickicht eines Sees. Ein 25-jähriger Mann, in dessen Wohnung die Polizei zusätzlich sechs Gramm Haschisch fand, stand deswegen vor dem Amtsgericht in Haßfurt. Wegen unerlaubten Besitzes und wegen des Anbaus von Betäubungsmitteln kassierte der seit Kurzem in Mittelfranken lebende Angeklagte eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 28 Euro, also 840 Euro.
Wie man dem "Gärtner" auf die Schliche gekommen war, schilderte ein Kommissar der Kripo Schweinfurt. Es begann damit, dass im Frühherbst 2014 erste Hinweise aus der Bevölkerung über "verdächtig aussehende" Pflanzen bei der Polizeiinspektion in Haßfurt eingingen. Daraufhin schickte man eine Streife hin, die Fotos erstellte und zuständigkeitshalber an die Schweinfurter Kripo weiterleitete. Die Aufnahmen zeigten, dass die Pflänzchen sorgfältig in Plastikbechern vorgezogen waren und sich in einer Art Frühbeet an einem geschützten Standort befanden.
Der 55-jährige Kripobeamte machte sich dann an Ort und Stelle ein eigenes Bild und griff dann zu "kriminaltechnischen Mitteln", wie er sich ausdrückte. Offensichtlich handelte es sich dabei um eine automatische, selbstauslösende Kamera, denn durch diese Aufnahmen kam die Kripo dem Mann auf die Spur.
Bei einer Hausdurchsuchung, die wenig später vom Staatsanwalt angeordnet wurde, fanden die Uniformierten die geringe Drogenmenge. Bei der Durchsuchung, so informierte der Kriminaler, habe der Angeklagte "gezittert wie Espenlaub."

Ein Zufall?

Der Drogenkonsument gab vor Gericht an, im September 2014 die kleine Plantage im Kreis Haßberge zufällig entdeckt zu haben, als er beim Spazierengehen austreten wollte. In der Folge, so der Angeklagte, sei er gelegentlich vorbeigekommen, um den "Wachstumsfortschritt" der Pflanzensprösslinge unter die Lupe zu nehmen. Denn dass er vorhatte, das Rauschgift eigenhändig zu ernten, das gab der Angeklagte auf Nachfrage der Strafrichterin Ilona Conver zu.
Diese Story glaubte ihm allerdings nur sein Verteidiger Martin Pensel. Der Rechtsanwalt betonte, dass sein Mandant die Pflanzen weder gegossen noch gedüngt habe, und hielt wegen der unerlaubten geringen Drogenmenge 15 Tagessätze à 25 Euro für ausreichend. Anders sah die Vertreterin der Staatsanwaltschaft die Sache.
Gegen die Version vom Zufallsfund sprach nämlich einiges: So prangte zum einen auf dem beschlagnahmten Handy des Beschuldigten wiederholt das Corpus delicti, zum anderen hatte er im Austausch mit Gleichgesinnten von "seinen" Pflanzen gesprochen und zum Dritten sich bitterlich beschwert, als er feststellen musste, dass ein anderer die Stängel samt Blättern abgeschnitten und geklaut hatte. Ergo wertete die Anklagevertreterin die Einlassung des Pflanzenfreundes als Schutzbehauptung. Sie forderte eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 30 Euro.    Die Amtsrichterin folgte dieser Linie, reduzierte aber das Strafmaß in ihrem Urteil erheblich. Es ist noch nicht rechtskräftig.