Anette Schreiber

Es war die Stunde von Kämmerer Ludwig Pickel. Der emsige Finanzchef der Gemeinde erläuterte dem Gemeinderat das umfangreiche Zahlenwerk anschaulich. So war die einstimmige Verabschiedung des Fast- Zwölf-Millionen Etats unstrittig.
Äußerst zufrieden konnte Erster Bürgermeister Carsten Joneitis (SPD) den in zwei Sitzungen vorbereiteten Haushalt 2017 als "dynamisch, kräftig und zukunftsorientert" beschreiben. Knapp 20 Prozent des Haushaltes oder konkret 1,7 Millionen Euro entfielen auf das Kinder-, Jugend- und Kulturzentrum. Ein deutliches Signal und "eine klare Handschrift der Familienfreundlichkeit", betonte der Gemeindechef. Die Kerndaten des Etats fasste er so zusammen: 3,7 Millionen Euro Investitionen, keine Darlehensaufnahme und eine Reduzierung der Verschuldung um 99 500 Euro, zusammen mit dem Gesamtvolumen erstmals an der zwölf-Millionen-Euro-Grenze - ein echter "Rekordhaushalt".
Das sei aufgrund soliden Wirtschaftens in den Vorjahren möglich, wobei Joneitis auch für die Zukunft die Devise "Maßhalten" ausgab. Lob zollte er der Verwaltung insbesondere dafür, dass man sich für etliche Projekte und allen voran das Kinder-, Jugend- und Kulturzentrum Förderungen sichern konnte.
Weichenstellungen habe der Gemeinderat auch für die Alte Mühle mit Umfeld in der Ortsmitte gestellt. Insgesamt gelte es, den Spagat zu schaffen, die Rücklagen einigermaßen stabil zu halten, die Verbindlichkeiten zu reduzieren und gleichzeitig zu investieren.


Kein Darlehen

Kämmerer Bickel zufolge hat der diesjährige Etat doch eine "beeindruckende Größenordnung, der größte Etat, den ich bisher aufgestellt habe". Die Gemeinde habe Jahre gespart und darauf hingearbeitet, solche Investitionen wie in diesem Jahr tätigen zu können. Dass dafür kein Darlehen nötig ist, sei positiv zu sehen.
Als positiv stellte Bickel auch die Steuerkraft Oberhaids heraus; hier liege man (von 36 Gemeinden) an 22. Stelle , im Jahr 2014 war es noch der 32. Rang. Bei der Verschuldung liege man gleichfalls auf Platz 22, wobei hier hintere Positionen die erstrebenswerten seien, "36. Stelle heißt schuldenfrei". Im Vergleich zum Jahr 2012, als Oberhaid über zwei Millionen Schulden hatte, wird man zu Jahresende bei rund 945 000 Euro stehen. Weil man in diesem Jahr eben keinen Kredit aufnimmt, werde eine Rücklagenentnahme von knapp 408 000 Euro notwendig, was Bickel als "vertretbar" bezeichnete. Auch bei der Gewerbesteuer wies Bickel auf eine positive Entwicklung hin, die es zu nutzen gelte. Insgesamt sieht der Kämmerer die Gemeinde auf einem "guten Weg".
Der Bürgermeister dankte dem Kämmerer für dessen Arbeit und mahnte dennoch: "Wir müssen einfach sparen und nur das Notwendigste machen."
Namens der SPD sagte Claus Reinhardt dem Kämmerer für dessen Arbeit und Ausführungen Dank. "Wir waren vor zehn bis zwölf Jahren fast zahlungsunfähig und haben das umgedreht." Einen ausdrücklichen Dank sprach er der Verwaltung dafür aus, dass Oberhaid sich über hohe Förderbescheide freuen kann.
"Der Haushalt ist sehr gut aufgestellt", befand Zweiter Bürgermeister Peter Deusel (UBV). Die Einnahmen seien gestiegen, die Ausgaben aber auch. Die Investitionen (ins neue Baugebiet "Mahlrain") bedeuteten Motivation, "neue Bürger kommen, die Gemeinde wächst". Allerdings liege ihm der Bauhof am Herzen. In den nächsten Jahren gelte es, hier zu investieren. "Investition, Schuldentilgung, Rücklagen - der Dreiklang passt", stellte er abschließend und ebenfalls verbunden mit einem Dank an die Verwaltung fest.


Sehr gute Vorbereitung

Auch Ottmar Schels (CSU) dankte für die konstruktive Zusammenarbeit, "der Haushalt war sehr gut vorbereitet. " Zufrieden stellte er fest, dass im Vergleich zum Jahr 2012 die Gesamteinnahmen um eine Million auf nun 5,1 Millionen gestiegen seien. Man ernte in gewisser Weise die Lorbeeren von Dingen, "die damals vorausschauend initiiert wurden!" Er lobte die Kollegenrunde: "Insgesamt passt die Zusammenarbeit."
Allerdings widersprach Schels Reinhardts Bemerkung mit der Handlungsunfähigkeit vor Jahren.