von unserer Mitarbeiterin Petra Malbrich

Kreis Forchheim — In manchen Orten ist endlich der langersehnte Regen gekommen, aber noch immer zu wenig. Drei Liter pro Quadratmeter hat Georg Nagengast in Trailsdorf gemessen, nur einen Liter Edmund Herbst aus Niedermirsberg. 30 bis 50 Liter Wasser müssten vom Himmel fallen, um in der Landwirtschaft überhaupt noch etwas zu bewirken.
"Ein gutes Jahr schafft der Regen nicht mehr, höchstens ein durchschnittliches", meint Herbst, der von seinem Gang zu den Feldern zurückkommt. "Was ist da los, das sieht aus wie abgeschnitten", dachte er, als er die braunen Getreidehalme gesehen hat. Und an diesen Halmen erkennt man genau, wo schlechter und etwas besserer Boden ist.
Dinkel hat der Biobetrieb Nagengast am Aischgrund gesät. "Man sieht genau, dass das Getreide halb verdorrt ist", sagt Georg Nagengast über den Getreideanbau auf Sandböden. Fast 30 Prozent weniger Ertrag bedeutet das. Aber ein Biobetrieb habe ohnehin ein geringeres Ertragsniveau als ein konventioneller Betrieb. Für die Sandböden kommt der Regen zu spät. Auch das Getreide auf steinigen Böden wie am Feuerstein weist Schäden auf durch die zu lange Trockenheit.
Sonne, Nährstoffe und Wasser sind die Grundbedingungen für gesundes Wachstum und Reife. "Wenn ein Faktor fehlt, ist ein Minderertrag vorgezeichnet. Das Wasser ist durch keine andere Zutat zu ersetzen", erklärt Werner Nützel, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands. Schrumpfkörner sind die Folge der extremen Wetterbedingungen. Auch in der Gegend um Langensendelbach ist Nützel die gelbe Wintergerste ins Auge gestochen. "Notreife", nennt er den Begriff dafür, dass mit dem Getreide nichts mehr passiert, weil die Sonne in der Pflanze keine Nährstoffe mehr zu Stärke wandeln kann.

Ein Dauerproblem

"Wenn die Trockenheit anhält, kann in zwei Wochen der Mähdrescher fahren", erklärt Nützel, der sogar von bis zu 50 Prozent Ertragsminderung spricht. Für ihn ist es garantiert, dass die Trockenheit zum zunehmenden Problem wird. Die Winter seien milder, das Frühjahr immer trockener, vor allem in Franken, das ohnehin schon weniger Niederschläge zu verzeichnen hat als der südlichere Teil des Freistaates.
Das hat letztendlich Auswirkungen auf die Ernährung, ist sich Nützel sicher. Nur der Endverbraucher werde davon nichts merken, da durch die Globalisierung das Getreide hin und her gefahren werde und andere Gegenden den Ernteverlust der Landwirte in Franken ausgleichen können. Sicher gibt es auch trockenresistentere Pflanzen, die auch schon angebaut werden. Eine komplette "Andersbewirtschaftung" auf Obst oder Grünflächen mache aber weniger Sinn. Schrumpelobst oder braune Wiesen, die gemäht wie Stroh sind, ohne Eiweiß zu haben, ist ebenso unsinnig.
Und Landwirtschaft mit eigener Bewässerung durch einen Tiefbrunnen wäre finanziell nicht umsetzbar, außer der Verbraucher wäre bereit, das Doppelte zu zahlen. "Man muss ein kleiner Idealist sein, um den Mut oder den Spaß an der Arbeit nicht zu verlieren", sagt Edmund Herbst. Genauso sieht Nützel den Landwirt als zäh in der Grundeinstellung, der nicht so schnell aufgibt.
Man müsse versuchen, die Ertragseinbußen zu minimieren, lautet die Lösung für Markus Nagengast. In die Praxis umgesetzt heiße das, weniger anspruchsvolles Getreide auf schlechteren Böden auszusäen. "Der Weizen ist anspruchsvoller. Er benötigt viel Wasser. Da ist es besser, den anspruchsloseren Roggen anzubauen", sagt der Biolandwirt. Er hat selbst so gehandelt, baut neben dem Dinkel, der auf dem sandigen Boden am Aischgrund leider halbverdorrt ist, eher Leindotter, daraus wird das Leinöl gewonnen, oder Phacelia an. Diese Früchte sind nicht so anspruchsvoll. "Dramatischer ist es beim Kleegras", sagt Nagengast. Das müsse er als Biolandwirt regelmäßig anbauen, da er nicht düngen darf. Das Kleegras ist ein Stickstoffbinder und ist die Düngung für die Folgekultur im nächsten Jahr. Das Kleegras kann nicht geerntet werden und auch der Vorfruchtwert fällt geringer aus. "Wenn die Feuchtigkeit kommt, wächst es wieder", sagt Nagengast.
Vor sieben Jahren hat er den Betrieb des Vaters übernommen. Schon immer mussten die Landwirte hier im Kreis mit der Trockenheit kämpfen. "Als Landwirt muss man sich darauf einstellen", weiß Nagengast. Er sieht das eher gelassen. "Dem Bauern kann man eh nichts recht machen", sagt Nagengast. Wo der eine Regen braucht, fehlt dem anderen die Sonne.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Auch Herbst weiß, dass man am Wetter ohnehin nichts ändern kann. "Wir hatten letztes Jahr eine sehr gute Ernte", sagt Herbst. Die beiden Landwirte sind sich einig, dass richtiger Regen zwar bei Gerste nichts mehr retten kann, aber bei Mais oder der Sommergerste schon noch etwas bessern und retten könne. Zwar nicht mehr so, dass es ein gutes Jahr wird. Aber man hofft auf so viel Regen, dass es noch ein durchschnittliches Jahr ergeben könnte.
Wegen des Wetters gibt kein Landwirt auf. "Sie sind Landwirte mit Leib und Seele", weiß Werner Nützel. Die Bauern im Kreis hoffen einfach, dass die Ernte im nächsten Jahr besser wird, um aus den roten Zahlen wieder herauszukommen.