Lichtenfels — Dem Hund ist die Parteizugehörigkeit egal. Ob CSU, SPD, Freie Wähler oder Bürgerverein: Der Golden Retriever Rüde Buddy holt sich reihum von jedem Bürgermeister, Stadt- und Gemeinderat seine Streicheleinheiten ab. Wenn schon einmal Besuch kommt, dann wird niemand ausgelassen, und Berührungsängste kennt der sieben Jahre alte hübsche Hund ohnehin nicht.

Schon Tradition

Aus einer kleinen Tradition heraus lädt der Vorsitzende des Tierschutzverein, Rolf Herter, regelmäßig Kommunalpolitiker zum "Tag der offenen Tür" ins Tierheim ein. Heuer waren Vertreter aus Lichtenfels, Burgkunstadt, Altenkunstadt und Ebensfeld der Einladung gefolgt.
Bei einem Rundgang informierte Herter über die Anlage, den Personalstand, die finanzielle Situation und die derzeitigen Baustellen. Aktuell beherbergt das Lichtenfelser Tierheim elf Hunde und fünf Pflegehunde sowie 45 Katzen.
Von letzterer Gruppe ist ein erheblicher Teil in Quarantäne untergebracht. "Es ist jedes Jahr das Gleiche", klagt Leiterin Caroline Hetzel-Farr. Im Frühjahr und zu Beginn des Sommers werden trächtige Katzen abgegeben - oder der nicht erwünschte Nachwuchs. Dabei sind die Tiere selten gesund. Die Tierarztkosten summieren sich auf 50 000 Euro, erklärt Kassenwartin Inge Bauer.
Im Tierheim entsteht aktuell ein Hundebegegnungsplatz, der der Sozialisation der Vierbeiner dienen soll. Das ist eine Auflage des Veterinäramts. Zwar wurden schon eine Reihe von Arbeiten getätigt, zur endgültigen Fertigstellung benötigt das Tierheim knapp 10 000 Euro, schätzt der stellvertretende Vorsitzende Peter Farr. Laut Herter finanziert sich das Tierheim über Mitgliedsbeiträge, die Fundtierpauschale, Spenden und den Einnahmen aus den Flohmärkten. Der Umbau eines ursprünglich als Hundezwinger gedachten Neubaus zu einer viel dringender benötigten Quarantäne-Station macht aktuell nur kleine Fortschritte, erfahren die Vertreter aus den Kommunen. Für einen zügigeren Ausbau mangelt es an Geld.
Auch im Katzengehege dürfen sich die Stubentiger über eine extra Portion Streicheleinheiten freuen. "Wir haben alle acht Katzenbabys durchgebracht", freut sich Franziska Geißendorfer. Da Handaufzuchten alles andere als einfach sind, freut es sie besonders, wenn alle Katzenbabys überleben.

Ausgleich zum Arbeitstag

Im Broterwerb ist Geißendorfer als Krankenschwester in der Gerontopsychiatrie im Bezirksklinikum Obermain in Kutzenberg tätig. Die ehrenamtliche Arbeit im Tierheim ist für sie so etwas wie ein Ausgleich zum anstrengenden Arbeitstag.
Auch die Kinder- und Jugendgruppe , die "Lichtenfelser Monsterpfoten", beteiligte sich mit einem eigenen Stand am "Tag der offenen Tür". Die Jugendlichen haben nicht nur ein großes Blumenbeet angelegt, sondern auch einen Unterschlupf für Eidechsen und Mauswiesel gebaut.
Ein bisschen traurig schaute Buddy schon, als sein Besuch das Außengehege wieder verließ. Dafür durfte sich das Tierheim über einige Spenden freuen. gvö